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Fachkräftemangel droht: Firmen und Schulen kooperieren

Gießen | Nach der Krise ist vor dem Fachkräftemangel, der sich zunehmend auch in der Region Mittelhessen bemerkbar macht. Zum Glück haben heimische Unternehmen längst erkannt: Wer jetzt ausbildet, investiert in die Zukunft. Doch gerade im technisch-gewerblichen Bereich wird es immer schwerer qualifizierte Auszubildende zu finden. Wir stellen Ihnen – stellvertretend für alle anderen – Unternehmen vor, die dem Fachkräftemangel effektiv entgegensteuern.

Hohe Anforderungen an die Bewerber
Anfang Juni waren erst drei der sieben Ausbildungsplätze, die das Gießener Unternehmen Emhart Teknologies in diesem Jahr im gewerblich-technischen Bereich anbietet, besetzt. Schwierig gestaltete sich vor allem die Suche nach zwei Verfahrenstechnikern für Kunststoff- und Kautschuktechnik sowie zwei Industriemechanikern Fachrichtung Produktionstechnik. „Hier laufen noch Gespräche“, erklärte Personalreferent Uwe Stock. „In beiden Berufen sind die Anforderungen sehr hoch und nicht wenige junge Leute schreckt der Schichtbetrieb ab“, ergänzte Andreas Becker, Leiter Mechanische Werkstatt. Viele könnten sich auch unter einem Verfahrenstechniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik nichts vorstellen. Die frühere Berufsbezeichnung „Kunststoff-Formgeber“ sei aussagekräftiger gewesen.

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Betriebsbesichtigungen sollen den Schülern Abläufe zeigen
Um für die Ausbildung in gewerblich-technischen Berufen zu werben – neben den bereits genannten bildet das Unternehmen Industriemechaniker für Maschinen- und Anlagenbau, Werkzeugmechaniker Fachrichtung Formentechnik und Technische Zeichner aus – bietet Emhart Teknologies Betriebsbesichtigungen für Schüler an. „Wir bleiben im Anschluss daran mit den Lehrern in Kontakt, um ein Feedback zu erhalten“, unterstreicht Andreas Becker, der selbst die Schülergruppen durch das Unternehmen führt. Denn: „Der Erfolg einer Kooperation mit Schulen hängt sehr stark von den jeweiligen Lehrkräften ab.“

Trotz guter Jobaussichten: Metallhandwerk hat massives Imageproblem
Trotz intensivster Bemühungen sei die Anzahl der Bewerber vor allem in den letzten drei Jahren stark rückläufig, weiß Uwe Stock zu berichten. Oftmals würden gute Realschüler von ihren Lehrern den Rat erhalten, weiter die Schulbank zu drücken. „Das Metallhandwerk hat mittlerweile ein massives Imageproblem“, bedauert er. Wer gute Noten in Arbeits- und Sozialverhalten sowie Mathe und Physik hat, werde zu einem Bewerbungstest gebeten. Leider würde die Hälfte der Eingeladenen nicht erscheinen. Etwa ein Drittel der Testteilnehmer werde nach dem Test zu einem persönlichen Gespräch eingeladen. Als Hauptmanko bezeichnete Stock fehlende Sozialkompetenz sowie mangelnde Kenntnisse über den ausgewählten Beruf. Viele junge Leute fänden sich in der Informationsflut des Internets einfach nicht mehr zurecht, bestätigt Andreas Becker. Auch hier wären Lehrer gefordert.

Ausbildung für den Eigenbedarf
Da Emhart Teknologies nicht über eine eigene Lehrwerkstatt verfügt, absolvieren die Auszubildenden des gewerblich-technischen Bereichs ihre dreimonatige Metall-Grundausbildung bei den Stadtwerken Gießen. Danach laufen die jungen Leute im täglichen Produktionsbetrieb mit, lernen dabei alle Abteilung kennen und fertigen nur Teile, die auch wirklich zum Einsatz kommen. Für einen Lehrgang in Hydraulik und Pneumatik besuchen die Auszubildenden die Firma Bänninger in Reiskirchen. Da Emhart Teknologies für den Eigenbedarf ausbildet, werden in der Regel alle Auszubildenden nach bestandener Abschlussprüfung übernommen und in ihrem Beruf oder einem ähnlichen Berufsbild eingesetzt.

Zeichnungen lesen und umsetzen
Werkzeugmechaniker ist einer der gewerblichen Ausbildungsberufe bei Emhart Teknologies, Ausbildungszeit dreieinhalb Jahre. Bei sehr guten Leistungen kann die Ausbildungszeit verkürzt werden. „Neben sehr guten Mathe- und Physikkenntnissen benötigen Werkzeugmechaniker ein hohes Maß an technischem Interesse sowie räumlichem Vorstellungsvermögen“, akzentuiert Andreas Becker. Künftige Werkzeugmechaniker sollten Zeichnungen lesen und umsetzen können. Aufgabe von Werkzeugmechanikern ist es, komplexe Werkzeuge für die Serienproduktion von Metall und Kunststoffteilen in der Industrie herzustellen. Dazu fertigen sie nach der Vorgabe von Werkzeichnungen und Plänen zuerst Präzisions-Einzelteile an und bauen diese dann zu funktionstüchtigen Werkzeugen zusammen.

Azubis empfehlen Job weiter
Nach seinem Realschulabschluss und einem Praktikum im gewerblich-technischen Bereich hat sich Jonas Coletta aus Alten-Buseck als Industriemechaniker bei Emhart Teknologies beworben. „Beim Einstellungsgespräch hat Herr Becker mir den bis dahin unbekannten Beruf des Werkzeugmechanikers vorgestellt und ich habe mich sofort dafür entschieden“, erzählt Coletta. Eine Entscheidung, die der junge Mann – mittlerweile bereits im zweiten Lehrjahr –nicht bereut hat. Im Gegenteil: „Ich habe den Beruf meinen Freunden weiter empfohlen. Einer von ihnen fängt in diesem Jahr ebenfalls hier an“, freut er sich.

Emhart Teknologies gehört zur amerikanischen StanleyBlack&Decker Corporation und bietet ein großes Produktsortiment für die unterschiedlichsten Bereiche der Befestigungs- und Verbindungstechnik an. Am Standort Gießen werden vor allem Zubehörteile für die Automobilindustrie gefertigt. Anfang diesen Jahres wurde ein Gebäude in Linden angemietet, in dem sich zukünftig die Logistikbereich befinden. 540 Mitarbeiter arbeiten derzeit an den Standorten Gießen und Linden.

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