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Bericht Frankfurter Teilnehmer gegen NPD-Aufmarsch in Gießen

von Michael Beltzam 17.07.20111482 mal gelesen2 Kommentare
Gießen | Ich bin nun wieder mit allen heilen Knochen zuhause angekommen. Um 10.10 Uhr waren wir in Gießen und 11.40 Uhr endlich vom Bahnhof runter. Die Polizei war sehr provozierend, dumm, frech und dreist. Kaum aus dem Zug wurden wir rundherum eingekesselt. Bevor es endlich zu Gesprächen zwischen uns und der Polizei kam, wurden willkürlich Personen rausgegriffen was natürlich zu Reaktionen auf unserer Seite führte. Dieter Bahrendorf von der VVN wurde die Brille kaputtgeschlagen und kleinere Verletzungen im Gesicht zugefügt, Pfefferspray wurde eingesetzt und eine Person festgenommen, da sie einem Polizisten beim Ausspülen ihrer Augen die Schuhe bespritzte, der daraufhin handgreiflich wurde und sie ihn als Arschloch beschimpfte. Sie bekommt nun eine Beleidigungsklage. Von der Sprayaktion wurde mehrere Demonstranten in Mitleidenschaft gezogen. Wir wurden dann auf dem Bahnsteig hin und her geschickt und uns wurde immer wieder gesagt, wir dürften jetzt gehen. Doch wenn wir an die Treppe kamen, wurden wir wieder festgehalten bzw. willkürlich einer rausgegriffen. Natürlich blieb das alles nicht unkommentiert und es gab kluge
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Sprüche und dumme Sprüche. Ich erklärte einem Polizisten, nachdem sie die Faschos auf einem gegenüberliegenden Gleis fast mit Handschlag und vor allem freundlichem Gesicht sofort vom Bahnhof geleiteten, dass sie das heute ertragen müssen, dass wir alle gemeinsam und auch ich mit Überzeugung rufe “deutsche Polizisten schützen die Faschisten”. Er könne ja mal über derartige Einsätze nachdenken, wenn er die Fähigkeiten dazu hätte.
Als wir dann endlich durch den engen Bahnhofstunnel auf den Bahnhofsvorplatz geleitet waren, wurden wir erneut festgehalten und wieder die üblichen Spielchen betrieben. Die Einsatzleiter wurden ständig ausgewechselt und oft wiedersprachen sie sich. Auf Etappen wurden wir durch die Bahnhofsstraße mit vielen immer wieder Unterbrechungen und Einkesselungen und spontanen Rennattacken der Polizei mit aufgesetztem Helm und schlagbereitem Schlagstock gestoppt. An einer Kreuzung vor einer Bahnunterführung standen wir dann endgültig fest. Von einem Gießen Bürger, der örtlich gut Bescheid wusste, wurden wir dann informiert, dass die Faschos fest säßen und wir hier durchaus richtig stehen, denn sie könnten nicht durch. Die ganz vorne konnten diese Brut sehen. Irgendwann zogen sie ab und uns war nicht klar, ob sie eine andere Demostrecke haben oder direkt zum Bahnhof gingen. Und so gingen wir dann wieder zurück Richtung Bahnhof, wo wir kurz vor dem Mathematikum von der Polizei gestoppt wurden. Nach einigem hin und her und das Zustoßen einer anderen Demogruppe gingen wir gemeinsam wieder zurück und standen dann vor einer anderen Unterführung näher am Bahnhof zu. Irgendwann hieß es dann, dass die braune Brut auf dem Rückweg sei – 113 gezählte Faschos. Von der Beruhigungstruppe der Polizei kam dann ein Beamter – wir kannten ihn übrigens auch schon vom Hessentag und wussten, dass man mit ihm reden kann – der uns sagte dass die Brauen “Gott sei Dank” aus der Stadt seien und er hoffe, dass wir alle gut nach hause kämen. Ich brachte bei ihm meine Beschwerden über die Kollegen und Kolleginnen (die in der Regel immer etwas dreister sind) der Bundespolizei auf dem Bahnhof vor. Er meinte, dass das nicht in ihren Arbeitsbereich fiele und sie darauf keinen Einfluss hätten. Wir sollten uns doch ganz offen darüber beschweren.
Alles in allem denke ich, Gießen hat sich gut verteidigt und ihr müsstet jetzt eine Möglichkeit haben, über das Treiben der Faschos eine breite Diskussion führen können. Die Faschos haben eine Niederlage erlitten und nun liegt es daran die Stimmung so wachzuhalten, dass beim nächsten Aufmarsch die Wohnbevölkerung auf der Demostrecke vielleicht den Mut hat, vor ihre Häuser zu gehen und zusagen: keinen Meter. - So, jetzt genug des Dialogs und ab unter die Dusche.

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Kommentare zum Beitrag

Antje Amstein
6.024
Antje Amstein aus Gießen schrieb am 17.07.2011 um 13:46 Uhr
Danke das ihr alle uns unterstützt habt gegen die "braune Masse"! Leider hat unsere Stadt die "Nazis" eingeladen, da sie so gerne Weltoffen sein möchte.
Das die Polizei am selben Tag ihren Betriebsausflug macht konnte keiner vorher wissen
Christian Momberger
11.259
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 23.07.2011 um 18:08 Uhr
Danke für den interessanten Bericht Michael. Ich mag mich dem Kommentar von Frau Amstein und dem im obigen Bericht geäußerten Zitat "Deutsche Polizisten schützen die Faschisten" nur anschließen!
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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