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Mit Bakterien spielt man nicht

von Simone Ottam 19.06.2011962 mal gelesen1 Kommentar
Die ungarische Biochemikerin Prof. Dr. Susan Bardocz
Die ungarische Biochemikerin Prof. Dr. Susan Bardocz
Gießen | Prof. Dr. Susan Bardocz spricht über „Sicherheitsrisiko Gentechnik“


Nach ihrem letztjährigen Besuch der Labyrinth-Wochen in Wetzlar hat die Biochemikerin Susan Bardocz ihr Versprechen wahr gemacht und das diesjährige Labyrinth erneut besucht. „Ich freue mich, wieder hier zu sein und durch das Labyrinth gehen zu können,“ sagte sie zur Begrüßung der offenen Gesprächsrunde am Sonntagvormittag in der Colchester-Anlage. Seit dem vergangenen Jahr arbeitete sie neben ihrer Universitätsprofessur auch für den ungarischen Staatssekretär für Landwirtschaft im Rahmen der ungarischen EU-Präsidentschaft. „In diesem Jahr wurde in die ungarische Verfassung aufgenommen, dass keine gentechnisch veränderten Organismen in Ungarn angebaut werden dürfen,“ erklärte sie stolz.
Ansonsten gebe es leider viele alarmierende Neuigkeiten aus dem vergangenen Jahr zu berichten: Z.B. wurde während einer aktuellen Studie in Montreal/Kanada in 70% der Blutproben von neugeborenen Babies und ihren Müttern Reste von Bt-Toxin (ein Gift, das aus dem Bacillus Thuringiensis gewonnen wird) aus gentechnisch veränderten Pflanzen gefunden. Damit würde
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die Behauptung der Gentechnik-Befürworter widerlegt, dass gentechnisch veränderte Pflanzen keine DNS-Sequenzen im Aufnahme-Organismus, wie Fleisch- oder Milch-Rindern hinterließen. Tierische Produkte, die mit gentechnisch veränderten Futtermitteln entstanden seien, mussten bisher nicht einmal gekennzeichnet werden, beklagte Bardocz.
Auch die aktuelle EHEC-Epidemie war Thema der interessierten Zuhörer-Runde. „Das EHEC-Bakterium ist gegen sämtliche Antibiotika resistent,“ erläuterte Prof. Bardozc. „Ein Umstand, der nicht auf natürliche Weise entstanden sein kann, sondern nur als Ergebnis von mutwilliger Züchtung oder Unachtsamkeit,“ fährt sie fort. Schon 1974 hätte der Wissenschaftler James Watson, der für seine Entdeckung der Doppel-Helix-Struktur der DNS den Nobelpreis erhielt, vor dem gentechnischen Eingriff in Bakterien gewarnt; er sei unvorhersehbar und deshalb zu vermeiden, warf Inga Hocke, eine der OrganisatorInnen ein. Und trotzdem würden seitdem weltweit Bakterien mutiert, um damit gentechnische Konstrukte in Pflanzen und Tiere einzuschleusen.
„Auch 1.000 m Abstand zwischen Gentechnik- und konventioneller Landwirtschaft sind noch zu wenig,“ lautete das Fazit der Biochemikerin Prof. Dr. Susan Bardocz. „Eine Ko-Existenz ist eigentlich unmöglich,“ fasste sie die Liste von Kontaminations-Skandalen der letzten Jahre zusammen. Die großen Gentechnik-Unternehmen würden allerdings lieber das Stillschweigen von betroffenen Landwirten und Verbrauchern erkaufen, als bekannt gewordene Fälle vor Gericht zu vertreten.
Als VerbraucherInnen könnten wir in den Supermärkten konkret gentechnik-freie Produkte verlangen, um den Handel beeinflussen, empfahl Bardocz als Gegeninitiative. Auch sollten die Geld-Anlagen der Anwesenden auf Investitionen in Biotechnologie überprüft werden. Die Abgeordneten und Regierungsvertreter könnten mit Forderungen nach Gentechnik-Freiheit erreicht werden. Auch wissenschaftlichen Gentechnik-Versuchen im Freiland erteilte sie eine Absage.

Diese thematisch verwandten Veranstaltungen finden demnächst in der Colchester-Anlage im Rahmen der Labyrinth-Wochen statt:
27.6., 15 Uhr: „Wie radioaktiv ist ihre Bank?“ mit Robert Malessa
3.7. ab 10 Uhr: Thementag „Good food, bad food“ mit Infomarkt zu biologischer Landwirtschaft, gentechnikfreiem Mittagsbuffet und dem Film „Good food, bad food“
Das vollständige Programm finden Sie unter www.vhs-wetzlar.de

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Kommentare zum Beitrag

Bernd Zeun
5.128
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 20.06.2011 um 06:37 Uhr
Guter und wichtiger Beitrag.
Abstände zwischen Gentechnik-Feldern und konventionell bebauten sind vor allem bei Windblütlern völlig absurd. Die Pollen können sich durch die Luft weltweit verbreiten.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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Herzlichst, Ihr(e) Simone Ott

von:  Simone Ott

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