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Bauern-Sternfahrt macht Station in Gießen

von Simone Ottam 03.06.20111431 mal gelesen1 Kommentar
Die Bauern-Sternfahrt unterwegs
Die Bauern-Sternfahrt unterwegs
Gießen | 50 DemonstrantInnen und 16 Traktoren haben sich am Himmelfahrts-Donnerstag in Gießen auf den Weg gemacht für eine bäuerliche Zukunft. Die Demonstration war Teil der Bauern-Sternfahrt nach Berlin, wo verschiedene landwirtschaftliche und Umweltschutzverbände in einem Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel ihre Vorstellungen der zukünftigen EU-Agrar-Politik vorstellen werden. Die Sternfahrt besteht aus vier Routen, von denen zwei schon am 29. Mai aus Greetsiel in Niedersachsen und Auerberg in Baden-Württemberg gestartet waren. Der hessische Treck hatte am Donnerstag gerade seine erste Etappe von Hohenstein bei Wiesbaden zurückgelegt und wurde von einem guten Dutzend Schlepper aus der Region empfangen. Die Veranstalter waren überwältigt: "Mit so viel Zuspruch hatten wir nicht gerechnet." Und die Polizei hatte alle Hände voll zu tun, den Verkehr für diese geballte bäuerliche Phalanx zu regeln.

Die Demonstration zog als erstes vom Bahnhof vor das Uni-Hauptgebäude, wo Simone Ott das Biotechnologie-Profil der Universität kritisierte, weil die Wissenschaft auf dem Feld der Agro-Gentechnik nicht in der Lage sei, die
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Universität (93)Uni (45)Sternfahrt (3)Landwirtschaft (78)Landwirt (3)Gießen (2164)Gentechnik (34)BUND (46)BDM (1)Bauer (18)agro (2)agrar (5)AbL (1)
Verantwortung für die Folgen zu übernehmen. Außerdem würde bedauerlicherweise gerade im wissenschaftlichen Bereich unsauber und unsachlich gearbeitet, wie sie am Beispiel der DFG-Broschüre "Grüne Gentechnik" aufzeigte. Ein bundesweites Team um den hiesigen Ernährungswissenschaftler Prof. Krawinkel hatte diese Broschüre der zentralen Organisation zur Förderung der Forschung an Hochschulen in Deutschland analysiert. Sie stellte fest, dass sie „sachlich falsche Darstellungen enthält, wichtige verfügbare Erkenntnisse außer Acht lässt sowie einen Mangel an Ausgewogenheit und fachlicher Breite aufweist“. Ein unvoreingenommenes und objektives Studium sei unter solchen wissenschaftlichen Bedingungen nicht möglich, konstatierte Ott, und forderte die Universität auf, diese Missstände zu beheben.

Henrik Maaß, einer der maßgeblichen OrganisatorInnen der Bauern-Sternfahrt, der die Tour ab Gießen auch mit Traktor fährt, kennt das ganz anders: er studiert in Witzenhausen Ökolandbau. Auf dem Stadthaus-Vorplatz (in zivilgesellschaftlichen Kreisen inzw. Platz der Basis-Demokratie genannt) begrüßte er gemeinsam mit Katharina Besier, die von Wiesbaden bis Gießen gefahren war, die DemonstrantInnen. Dort fand ein Infomarkt der beteiligten Organisationen,
Henrik Maaß (AbL) bei der Abschlusskundgebung
Henrik Maaß (AbL) bei der Abschlusskundgebung
z.B. des BUND, statt. Bei kühlen Getränken und einer ökologischen Brotzeit diskutierten die Gekommenen noch intensiv über die Forderungen der Jungen Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (JAbL) und des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM), vertreten durch Stefan Mann, 2. Vorsitzender.

Mann machte deutlich, dass BDM und AbL nicht immer einer Meinung seien, sich aber bewusst entschieden hätten, diese Tour gemeinsam zu organisieren, weil es um entscheidende Weichenstellungen in der EU-Politik ginge, die man nur gemeinsam meistern könne.
Sie forderten faire Preise für bäuerliche Produkte, damit die Landwirte von ihrer Arbeit leben könnten. Zur Zeit würden Förderungen, gerade auf EU-Ebene vor allem großen Konzernen und großflächigen Betrieben zugute kommen. Das müsste sich bis 2013, wenn die neuen EU-Agrar-Richtlinien stehen sollen, ändern. Bäuerliche Landwirtschaft, leiste einen wichtigen Dienst für die Ernährung der Menschen, sorge für tiergerechte Haltung und erhalte die Umwelt, sagte Maaß. Industrielle Landwirtschaft dagegen, produziere auf Kosten von Mensch und Natur zu viele und ungesunde Lebensmittel, z.B. durch Agro-Gentechnik, erklärte Mann. Er rief die DemonstrantInnen dazu auf, beim Einkauf auf faire Preise und regionale Produktion zu achten, um in Deutschland eine Lobby zu bilden, die der Industrielobby Paroli bieten könne.

Am Freitag fährt die Bauern-Sternfahrt weiter nach Usseln zum Milch-Muhseum der Upländer Bauernmolkerei, wo wieder Gentechnik das Thema sein wird.
Alle weiteren Tourdaten, auch für die anderen Routen, Bilder, Berichte und Hintergrundinformationen gibt es auf www.bauernsternfahrt.de

Die Bauern-Sternfahrt unterwegs
Henrik Maaß (AbL) bei der Abschlusskundgebung
Traktoren passieren das E-Klo
Traktoren vor dem Universitätsplatz
Shake-hands der Landwirte vor dem Uni-Hauptgebäude, in blauem Hemd: Stefan Mann, 2. Vorsitzender des BDM
Verbraucher und Landwirte bringen gemeinsam die Wende
Run auf die Infostände
Kundgebung vor dem Stadthaus am Berliner Platz
Gentech-Tomate und -Mais des BUND
Katharina Besier (AbL) und Henrik Maaß (AbL) unterwegs

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Kommentare zum Beitrag

Christian Momberger
10.856
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 04.06.2011 um 13:06 Uhr
Ich mag mich nur anschließen, sowohl dem Artikel aus auch dem Kommentar von Rüdiger. Sehr gut auch, dass die Erkenntnis reift, dass man nur gemeinsam stark ist und was erreichen kann.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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Herzlichst, Ihr(e) Simone Ott

von:  Simone Ott

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