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„Alt und Jung gehören zusammen“: Christlicher Publizist gibt Ratschläge zum demographischen Wandel

Gießen | „Alte und Junge gehören zusammen und müssen die demographischen Probleme gemeinsam lösen.“ Das sagte Pastor Dr. h.c. Horst Marquardt im Rahmen einer Plenarveranstaltung an der Freien Theologischen Hochschule Gießen (FTH). Unter dem Titel „Alte und Junge“ brachte der Theologe und Journalist, selbst schon über 80 Jahre alt, den Studierenden auf abwechslungsreiche Weise die Problematik der alternden Gesellschaft nahe.
Der jungen Generation sei oft nicht bewusst, dass sie sich jetzt schon um ihre Altersversorgung kümmern müsse. Wer heute nicht früh mit Sparen beginne, werde im Alter nicht von seiner Rente leben können. Deshalb betont der Publizist: „Es wichtig zu wissen, was auf uns zukommt.“ Auf immer weniger Erwerbstätige kämen in Zukunft immer mehr Rentner. Großstädte entwickelten sich mit einigen Ausnahmen zu kinderfreien Zonen, die jungen Menschen zögen vom Osten und Norden in den Westen und Süden. Das habe zur Folge, dass einige Regionen schon bald einen überproportionalen Anteil an Rentnern haben werden. Seien 2002 noch auf 100 Erwerbstätige 44,3 Senioren gekommen, wären dies 2030 bereits 76. „2030 wird der typische Deutsche ein 50-jähriger sein.“
Auf absehbare Zeit bestehe die Gefahr, dass der Generationenvertrag nicht länger funktioniert. Bisher habe sich jede Generation darauf verlassen können, im Alter einmal von den Steuergeldern der nachfolgenden leben zu können. In unserer alternden Gesellschaft sei dieses Konzept jedoch immer schwerer aufrecht zu erhalten. Irgendwann könnte die Versorgung der Rentner für die Erwerbstätigen unfinanzierbar werden. Gesamtgesellschaftlich muss unbedingt etwas gegen dieses drohende Ungleichgewicht getan werden, fordert Marquardt.
Auch in christlichen Gemeinden ist der Generationenwandel zu spüren. Häufig bilde das Alter tiefe Klüfte zwischen den Mitgliedern. Die Altersgruppen hätten unterschiedliche Interessen, und das Seniorenprogramm habe zu oft nichts für Alte zu bieten, die noch rüstig und aktiv sind. In einer Kirchengemeinde sollte man also auch auf die Wünsche und Bedürfnisse der Älteren eingehen. Als ein gutes Beispiel für die Integration von Senioren nannte Marquardt das Konzept der „Lebensarbeitszeit“. In einigen deutschen Firmen haben Mitarbeiter im Ruhestand noch die Möglichkeit, freiwillig weiter für das Unternehmen tätig zu sein und können so noch über die Pensionsgrenzen hinaus ihre Erfahrung weitergeben.
Horst Marquardt leitete von 1960 bis 1993 den Evangeliumsrundfunk (heute: ERF Medien). 1970 startete er die evangelische Nachrichtenagentur idea. Er war lange Zeit im Hauptvorstand der Deutschen Evangelischen Allianz und ist Vorsitzender des Kongresses christlicher Führungskräfte.

 
 

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Kommentare zum Beitrag

Ullrich Drechsel
1.523
Ullrich Drechsel aus Gießen schrieb am 03.05.2011 um 10:00 Uhr
Vielleicht sind die folgenden Aspekte im Vortrag von Herrn Marquardt schon enthalten gewesen, aber ich möchte gern noch einiges aufzählen, was ich im Blick auf die Bewältigung der demografischen Situation für wichtig oder denkbar halte:
- Wir könnten hier im Südsudan noch viel mehr Experten gebrauchen, die in ihrem "Ruhestand" ihr Wissen und von ihrer Lebenserfahrung weitergeben. Genauso nötig ist das in vielen anderen Entwicklungsländern! Heißer Tipp: Mal bei CHRISTLICHE FACHKRÄFTE INTERNATIONAL in Stuttgart nachfragen.
- Ein Brückenschlag zwischen Jung und Alt könnten gemeinsame Dienste sein. Wir gehören zur Generation 55+ und arbeiten mit der Generation 18+ zusammen - das sind von CO-WORKERS INTERNATIONAL ausgesandte Freiwillige.
- Erfahrungen in Übersee könnten vielleicht auch dazu führen, dass man die eigenen Ansprüche und die wirklich nötige Absicherung im Alter noch einmal überdenkt. Gelebte Lebensqualität hängt nicht wirklich davon ab, dass man sehr, sehr alt wird.
Benjamin Misja
63
Benjamin Misja aus Gießen schrieb am 03.05.2011 um 12:33 Uhr
Danke für die weiterführenden Ergänzungen. Tatsächlich hat Vieles aus Herrn Marquardts Vortrag es aus Platzgründen nicht in den Artikel geschafft.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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