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„Ich wollte den Menschen ein bisschen Freude bringen ...“

Barbara und Günther Wolke, Japan
Barbara und Günther Wolke, Japan
Gießen | Ein aktueller Bericht von Barbara und Günther Wolke aus Japan

Könnt Ihr Euch das vorstellen? Vor einer Notunterkunft im Norden Japans, wo knapp 200 Menschen „hausen“, stehen 20 Köche mit blitzendweißen Uniformen und ihren riesigen weißen Kochhüten. Was tun sie da? Der Chef eines großen französischen Nobelrestaurants aus Tokyo hat seine gesamte Küchenbelegschaft und die allerfeinsten Zutaten eingepackt und kocht für die Menschen hier ein exzellentes Menü, welches sie auf Einweggeschirr serviert bekommen. Es schmeckt allen hervorragend. Aussage des Küchenchefs: “Ich wollte den Menschen hier ein bisschen Freude im traurigen Einerlei bringen und einen gut gefüllten Magen“.
Nach dem starken Nachbeben vor ein paar Tagen, als plötzlich wieder Strom etc. nicht mehr funktionierten, tauchte auf einmal ein Lastwagen eines Holzofenherstellers aus Hokkaido (nördlichste Insel Japans) vor einigen Notunterkünften auf. Die Firma hatte kleine, einfache Öfen gebaut mit jeweils zwei Heizplatten für Wasserkessel und Kochtopf. Holz von den zerstörten Häusern gibt es ja mehr als genug. Nun können es sich die Bewohner warm machen
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und gleichzeitig heißen Tee, Suppe oder etwas anderes kochen. Die Männer stellten die Öfen auf und bauten sie zusammen. Große Freude und Dankbarkeit bei den Bewohnern der Notunterkünfte, denn in der Woche ab dem 10.4. soll es wieder kalt werden im Norden.
Ab und zu bringt das Fernsehen solche Ideen und Hilfe aus der Bevölkerung. Auch wie eine bekannte buddhistische Priesterin Flohmärkte veranstaltete um Gelder für die Hilfsbedürftigen zu sammeln. Leider kam bis jetzt noch nichts darüber, was die christlichen Hilfskräfte alles unternommen haben.
Wie tief bei uns Missionaren, ein paar hundert Kilometer vom Unglücksgeschehen entfernt, all diese Eindrücke sitzen weiß ich nicht. Ich jedenfalls träume jede Nacht irgendetwas davon, und das ganze Geschehen bedrückt mich sehr stark. Da ja auch täglich noch Nachbeben kommen, die natürlich im Fernsehen gemeldet werden, kommen auch wir nicht recht zur Ruhe. Es wurden jetzt zum ersten Mal auch schwach radioaktive Werte in unserem Trinkwasser gefunden. Möge der Herr es schenken, dass es nicht mehr wird.
Heute Morgen, am 19.4., brachten sie im TV, dass die von dem Tsunami zerstörte Fläche 561km² beträgt. Eine ungeheuer große Fläche. Es wird sehr, sehr lange dauern, bis da wieder „Normalität“
einkehrt. Als ob das Erdbeben und Tsunami nicht schon genug Leid gebracht hat - es kommt ja obendrauf noch die Sorge um das AKW und die Radioaktivität. So müssen viele Menschen, deren Häuser noch in Ordnung sind, auf unbestimmte Zeit ihr Zuhause verlassen. Viele Landwirte dürfen nichts mehr anbauen und verlieren damit ihre Existenzgrundlage.
Auch die Lage der Fischer ist notvoll. Viele haben ihre Schiffe verloren und dazu noch ihre Häuser. Ob es für sie einen Neuanfang gibt? Viele sind schon über 60 Jahre alt und haben keinerlei Rücklagen. Das betroffene Gebiet war außerdem das einzige Zuchtgebiet für Austern in Japan, von hier aus wurden die jungen Austern innerhalb Japans verschickt und dann an verschiedenen Stellen im Meer angebaut. Diese Austernzuchtbänke sind total zerstört. Weil das Meer total voller Müll liegt, wird der Wiederaufbau sehr schwierig.
So gibt es für die Menschen dort viele Nöte und Schwierigkeiten. Lasst uns nicht aufhören zu beten. Wir Missionare sind noch dabei zu sortieren und sondieren wie eine langfristige Hilfe von uns aussehen kann. Keiner von uns kann jetzt direkt aus der Arbeit weg. Aber wir sehen die Notwendigkeit uns um diese Menschen zu kümmern, nicht nur durch Hilfstransporte.
In der vergangenen Woche hatten wir eine Klausurtagung mit unserem Missionsleiter E. M. und seiner Frau in unserem „Feriendorf“ in den Bergen. In der Zeit haben wir die Nachbeben sehr deutlich gespürt, denn es liegt ja wesentlich näher an dem Katastrophengebiet.
Von dort aus haben Günther, R. B. und Ehepaar M. mit einem Auto, beladen mit Hilfsgütern, für zwei Tage das Katastrophengebiet bereist, um viele wichtige Leute zu treffen, mit ihnen zu sprechen und die Lage vor Ort einmal zu erkunden. Das war ein guter Anfang, aber weitere Gespräche müssen folgen, bis man die langfristige Wiederaufbauhilfe koordinieren kann.
Mein Traum ist es, das z.B. unsere kleine Gemeinde Oyamada, eine Gebetspatenschaft für eine zerstörte Gemeinde übernimmt. Für aktuelle Anliegen betet, die Menschen besucht, Hilfsgüter hinbringt, und nach Kräften mithilft, dass diese Gemeinde und ihre Leute wieder auf die Füße kommen. Ob das Wirklichkeit wird?

Hinweis: Die Fotos von den Zerstörungen im Raum Tohoku stammen von B. und G. Wolke

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