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„Wir denken an dich und bitten dich: Gib nicht auf!“

Barbara und Günther Wolke, Japan
Barbara und Günther Wolke, Japan
Gießen | Ein weiterer, aktueller Bericht von Barbara und Günther Wolke aus Japan

Herzlichen Dank für alle, die treu an uns denken, uns schreiben, für uns beten und mit ihren Spenden helfen, die große Not zu lindern. Es werden ja Unsummen gebraucht, um den Menschen im Katastrophengebiet wieder zu einem einigermaßen normalen Leben zu helfen.
Durch die Nachrichten sind wohl in Deutschland alle gut informiert. Allerdings haben wir den Eindruck, dass sich die meisten Nachrichten jetzt um das sehr beschädigte AKW in Fukushima drehen.

Hier nun ein paar Neuigkeiten von unserer Arbeit im Überblick:
Die Hilfstransporte in der letzten Woche liefen reibungslos. Die Hilfsgüter konnten gut an Ort und Stelle gebracht und abgeliefert werden. (Siehe auch den vorangegangenen Bericht von Lukas Berns)
Viele, viele Menschen sind noch immer in den Notunterkünften, was für die Menschen, die alles verloren haben, zusätzlichen Stress bringt. Die Notunterkünfte sind in der Mehrzahl Turnhallen von Schulen. Bis zu 200 Leute sind dort jeweils untergebracht. Inzwischen hat man versucht, durch primitive Stellwände so etwas wie Privatsphäre für die Einzelnen oder Familien zu schaffen.
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Ab nächste Woche sollen die Schulen so weit es geht ihren Unterricht wieder aufnehmen, d.h. dass die Notunterkünfte geräumt werden müssen. Manche Schulen sind so stark zerstört, dass die Kinder „umgesiedelt“ werden müssen. Dann ziehen auch die Angehörigen, so weit sie noch da sind, in eine der neuen Schule nahe gelegenen Notunterkunft um.
Inzwischen sind Ärzte und Krankenschwestern aus ganz Japan und ein Team aus Israel dabei, die Menschen in den Katastrophengebieten ärztlich zu versorgen. Die Ärzte vor Ort sind mit der Versorgung überfordert, außerdem haben sie seit Wochen kaum Zeit zum schlafen gehabt. Es gibt ja enorm viele alte Menschen unter den Überlebenden, und sie leiden besonders, weil sie keinerlei Hoffnung mehr haben.
In den Städten nahe dem AKW sind viele Häuser erhalten geblieben, aber die Menschen müssen ihre Städte auf unbestimmte Zeit verlassen, da die radioaktive Strahlung zu gefährlich ist.
Ca. ¼ der gesamten Bevölkerung ist in dem Katastrophengebiet ums Leben gekommen. In manchen Gebieten ist mehr als die Hälfte der Bevölkerung nicht mehr am Leben.
Die Aufräumarbeiten sind von Einzelnen nicht zu schaffen, z.T. türmt sich der Schutt über 10m hoch, und das über über Flächen von vielen Quadratkilometern.
Viele Fabriken sind total zerstört. Dadurch haben die Menschen keinen Arbeitsplatz mehr und die Produkte, die dort hergestellt wurden, führen zu Produktionsschwierigkeiten in anderen Werken, z.T. bis ins Ausland. Viele der Menschen in den Notunterkünften fragen sich, wo sie demnächst Arbeit bekommen können.
Das Katastrophengebiet ist zu großen Teilen landwirtschaftlich genutzt worden. Nun dürfen die dort angebauten Produkte wegen Verstrahlung nicht verkauft werden. Die Bauern, die also nicht direkt von der Katastrophe getroffen wurden, werden jetzt durch die nukleare Katastrophe um ihre Einkünfte gebracht.
Ein Fischerdorf, von denen es in der Gegend Hunderte gab, macht sich gemeinsam ans Aufräumen. Allerdings sind über die Hälfte der ehemaligen Bewohner tot. Was sie nicht bewegen können sind die schweren, riesigen Schiffe, die durch den Tsunami ans Land, auf Häuser, Berge usw. gespült wurden.
Die Hilfsbereitschaft im Land ist nach wie vor groß, z.B.: Eine Gruppe von Frauen näht Kopfkissen, versieht sie mit einer Botschaft und lässt sie in die Notunterkünfte bringen. Die Empfänger freuen sich sehr. Ein Junge der ein selbstgemachtes Kopfkissen bekam auf dem stand: „Wir denken an dich und bitten dich, gib nicht auf, streng dich an“ sagte: „Das ermutigt mich, jetzt will ich mich noch mehr anstrengen.“
Studenten kümmern sich um Kinder in den Notunterkünften, spielen mit ihnen, lernen mit ihnen. Es wird Gymnastik mit den Alten gemacht. Viele Menschen bringen mit Privatautos Essen zu den Notleidenden.
Aus vielen Gegenden Japans werden Feuerwehrleute in das Katastrophengebiet geschickt, um beim Aufräumen zu helfen, aber es fehlt einfach auch großes Gerät, um die Unmengen Schutt zu beseitigen.
Kinder bekommen aus allen Gegenden Schulranzen und Hefte, etc. geschenkt.
Eine Provinz in Japan, Niigata, die selber vor einigen Jahren ein enormes Erdbeben erlebten, stellt Unterkünfte für viele Menschen zur Verfügung. In vielen Städten Japans werden Wohnungen vom Staat, erst einmal für 1 Jahr mietfrei, Betroffenen zur Verfügung gestellt, so auch in unserer Gegend.

Wir Missionare sind noch dabei zu sortieren und sondieren, wie eine langfristige Hilfe von uns aussehen kann. Keiner von uns kann jetzt direkt aus der Arbeit weg. Aber wir sehen die Notwendigkeit, uns um diese Menschen zu kümmern, nicht nur durch Hilfstransporte.

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