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VERDUN – kleiner Exkurs ( 6 )

Gießen | Bismarcks große Leistung bestand darin, dass er mit diplomatischem Geschick potentielle Machtkoalitionen, die dem „deutschen Reich“ gefährlich werden konnten, unterlief. Deshalb verglich man ihn im weltpolitischen Zirkus auch mit einem Jongleur, der mit 5 Bällen gleichzeitig arbeiten konnte, während 2 Bälle ständig in der Luft waren.
Aber gleichzeitig vergaß Bismarck nie, dass der politische „Freund“ von Heute schon Morgen zum „Feind“ werden konnte. Somit war für ihn eine gut durchdachte Kontinentalpolitik wichtiger, als ständig mit den Waffen zu rasseln. Denn Bismarck war davon überzeugt, dass derjenige, der einen Krieg mit Pauken und Trompeten gewann, sich damit nicht automatisch einen verlässlichen Frieden einhandelte.
Aber die Zukunft ging über Bismarck hinweg. Denn Wilhelm II war inzwischen für die Nachbarn des „deutschen Reiches“ zum Synonym für „Militarismus“ geworden.
Aber auch der politische Zeitgeist der Nachbarstaaten empfand nicht mehr im „Selbstbestimmungsrecht“ das entscheidende Kriterium für Krieg und Frieden. Und in weiten Kreisen der übrigen Kontinentalmächte war man sich einig, dass die politische und militärische Führung einer Nation ihre historische Stunde verpasste, wenn sie nicht nach „Hegemonie“ strebte.
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Elsaß-Lothringen (1)1. Weltkrieg (9)
Man musste also nur noch die Lebensgrundlagen eines potentiellen Gegners zerstören und somit seinen Willen brechen. Aber gleichzeitig sorgte die jeweilige Propaganda, gehässig wie sie war, dafür, daß spätere Friedensverhandlungen fast unmöglich wurden. Zumal ein Sieg erst dann die Nation befriedigte, wenn der Gegner bereit war bedingungslos zu kapitulieren.
Und so vergaß auch Frankreich nie den Verlust von „Elsaß-Lothringen“, diesem Symbol verletzter Souveränität. Bei dieser schlecht verheilenden Wunde waren für Frankreich selbst Marokko, Westafrika, Madagaskar und Indochina, immerhin Kolonien, die man sich großzügig unter den Nagel gerissen hatte, keine Schmerz stillenden Trostpflaster.
Bevor sich also die französische Nation in Zukunft vom „Feind“ auch nur einen Zahn ziehen lassen würde, war man fest entschlossen den atavistischen Leitspruch, der die französischen Festungen um Verdun wie eine Klammer verband, zähnefletschend zu befolgen:
„Man lässt sich unter den Trümmern der Feste begraben, aber man ergibt sich nicht!“
„Dieser Art von Stellungskrieg,“ schrieb der Großvater in sein Tagebuch von der Front, „ beginnt mich zu zermürben. Ständig habe ich Angst vor dem nächsten Angriff. Und im Übrigen provozieren mich nicht nur die Läuse, sondern auch der Teufel führt Selbstgespräche.“

Kommentare zum Beitrag

Dr. Mathias Knoll
7.529
Dr. Mathias Knoll aus Gießen schrieb am 18.03.2011 um 22:49 Uhr
Ich bevorzuge "Schillerlocken"
Stefan Walther
4.191
Stefan Walther aus Linden schrieb am 19.03.2011 um 00:36 Uhr
kommt in diesem Zusammenhang auch noch was zur "Pariser Kommune"? würde doch passen? 140. Jahrestag der Gründung 18. März 1871!

sind zwar ne Menge Fakten...erinnert mich aber sehr an meinen "Geschichtsunterricht" in der Schule: die Geschichte der Herrschenden.
Peter Herold
26.300
Peter Herold aus Gießen schrieb am 19.03.2011 um 14:10 Uhr
Ihr Kommentar Herr Dr. Knoll quasi als Erwiderung, ist per se Klasse, aber besser wäre gewesen darauf garnicht zu antworten.
Peter Herold
26.300
Peter Herold aus Gießen schrieb am 19.03.2011 um 17:50 Uhr
Damit müssen Sie leben. Wenn Sie mir meine Kommentare vorwefen, dann sollten Sie die von Ihnen erstellten mal selber lesen.
Ich bemühe mich zur Zeit Ihren .... aus dem Weg zu gehen, aber es geht halt doch nicht, da Sie überall auftauchen.
Christian Momberger
10.949
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 20.03.2011 um 17:20 Uhr
Sehr interessanter Einwand Stefan. Dennoch finde ich den Text von Herrn Dr. Knoll grundsätzlich gut.
Aber wie wär's Stefan, Du schreibst mal was über die Kommune. ;-)
Stefan Walther
4.191
Stefan Walther aus Linden schrieb am 20.03.2011 um 21:38 Uhr
Verdun ist zwar auch nicht gerade "Gießen-spezifisch" :-), na ja und die Kommune? Ich weiss nicht wen es wirklich hier interessieren würde, mal schauen "wenn`s die Zeit erlaubt", das kann man nicht einfach mal so nebenbei machen, viel zu wichtig!
Peter Herold
26.300
Peter Herold aus Gießen schrieb am 21.03.2011 um 10:00 Uhr
Wenn es nicht zu lang ist, dann würde ich es gerne lesen.
Stefan Walther
4.191
Stefan Walther aus Linden schrieb am 21.03.2011 um 23:50 Uhr
Für lange Kommentare habe ich im Moment leider nicht die zeit, vielleicht hole ich es bei Gelegenheit nach, kannst mich ja gerne erinnern! Deshalb nur ne ganz kurze Beschreibung des Geschehens:

am 18. März 1871 erkämpften die Einwohner von Paris mit den Arbeitern an der Spitze die politische Macht. Die Pariser Kommune wurde von der französischen Reaktion mit Unterstützung preußischer Truppen nach 72 Tagen im Mai in einem Blutbad beendet. Trotz der im Endeffekt "Niederlage" würdigte u.a. Marx "den Heroismus der himmelstürmenden Kommunarden und sah in der revolutionären Massenbewegung, obwohl sie ihr Ziel nicht erreichte, einen historischen Versuch von ungeheurer Tragweite, einen gewissen Schritt vorwärts in der proletarischen Weltrevolution...."
In dem zusammenhang ein Tipp (gut zu lesen, als Roman):
"Die Himmelsstürmerin" von Jutta Ditfurth
Peter Herold
26.300
Peter Herold aus Gießen schrieb am 22.03.2011 um 13:46 Uhr
Danke.
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