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Letzte Folge (22): Der Schlammpeitzger

Gießen | Viele haben noch nie etwas vom Schlammpeitzger gehört. Ebenso wenig kennt man seine Namen „Qietschaal“, „Piepaal“ oder gar seinen hessischen Spitznamen, „Gewitterfurzer“.
Der aalförmige Süßwasserfisch lebt in schlammigen und sumpfigen Fließ- und Stillgewässern in Mittel- und Osteuropa, selten ist er auch in der Ostsee zu finden. In ganz Hessen bewohnte er ursprünglich nährstoffreiche Gewässer und bevorzugte sogar die stark verschmutzten Flüsse im Rhein-Main-Gebiet. Doch als 2003 wegen einer Zählung intensiv nach ihm gesucht wurde, konnten Naturschützer nur noch drei lebende Exemplare finden. Und diese drei Tiere aus dem Vogelsberg sind bis heute der einzige Beweis, dass der Schlammpeitzger in Hessen noch nicht komplett ausgestorben ist.
Dabei ist er robust. Er ist angepasst an extreme Lebensräume, lebt in Gewässern mit häufig niedriger Sauerstoffkonzentration. Seinen Sauerstoffbedarf deckt er zum Großteil über die Haut, aber er kann auch durch seinen Darm atmen. Er hat seinen Namen „Qietschaal“ erhalten, da er beim Ausatmen der verbrauchten Luft aus dem After quietscht.

Auch längere Trockenperioden überlebt
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er. Nachts saugt er sich voll Luft und tagsüber gräbt er sich tief in den Schlamm, lebt sogar in mit Mist angefüllten Gräben, daher weitere liebenswürdige Spitznamen, wie Pfuhlfisch, Mist- oder Pissgurn. Für die Wirtschaft ist er unbedeutend und selbst erfahrene Angler kennen den Fisch kaum, selbst Wissenschaftler beschäftigen sich selten mit ihm. So weiß man generell nur sehr wenig von dem Tier.
Leider konnte seine Anpassungfähigkeit nicht seinen Rückgang verhindern. Europaweit gilt er als „gefährdet“ und in Hessen als „vom Aussterben bedroht“. Doch der allgemeine Rückgang der Fisch- und Rundmäulerarten ist auch ein Hinweis darauf, dass die naturnahen Gewässer verloren gehen.
Der NABU Hessen nennt fünf Gefährdungsfaktoren für den Weiterbestand des Schlammpeitzgers: zum einen klagt er die veränderte und intensivere Form der Graben- und Gewässerpflege an, er kritisiert auch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln im Umfeld der Gewässer und Abkehr von der traditionellen Teichbewirtschaftung. Zudem gibt es erhöhte Aalbestände in traditionellen Lebensräumen und eine Verfälschung der Faunen findet durch Einbringung standortfremder Schlammpeitzger statt.
Seit 2005 versucht der NABU durch Ansiedlungsversuche die Art zu erhalten, im Vogelsberg verbuchte man erste Erfolge.

Schlammpeitzger haben eine runde Schwanzflosse und einen 20 bis 30 Zentimeter langen Körper. Ein schwarzer Streifen ziert die rötlich oder gelb gefärbte Unterseite. Insgesamt fünf Barteln wachsen rund um sein Maul und lassen ihn etwas skurril aussehen. Er ernährt sich von Muscheln, Insektenlarven und kleinen wirbellosen Bodentieren, Schnecken im Besonderen.

Systematische Einordnung:
Zoologisch heißt der Schlammpeitzger Misgurus fossilis, er gehört zur Familie der Schmerlen (Cobitidae).

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Kommentare zum Beitrag

Wolfgang Heuser
7.996
Wolfgang Heuser aus Gießen schrieb am 15.02.2009 um 00:04 Uhr
Sehr schöne Naturbeiträge im letzten Jahr, bin unter dem Stichwort NABU darauf gekommen, werde sie mir nach und nach mal ansehen! Sehr umfangreiche und sachlich gut geschrieben Artikel...

Gruß Wolfgang
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von:  KREATIVEs KA:OS

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