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Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst? Ein dritter Gedanken-Anstoß zu Psalm 8.

Gießen | Wenn man auf einem Interkontinentalflug aus zehn Kilometern Höhe auf die Landschaft blickt, kann man noch Siedlungsstrukturen, Wüste und Hochgebirge erkennen, man kann Meer und Land unterscheiden und eventuell noch Verkehrswege verfolgen. Vom Menschen sieht man allerdings nichts mehr, jedenfalls nicht mit bloßem Auge.
Jemand hat einmal die menschliche Gesellschaft auf unserem Globus als ein wenig „Schaum“ auf der Erdoberfläche bezeichnet. Je weiter man weg ist von der Erde, von Lichtjahren wollen wir noch gar nicht reden, umso unwichtiger wird dieser „Schaum“. Vom Mond oder Mars aus betrachtet, erregt es niemanden mehr, was in Hessen und Umgebung so passiert. Womit Menschen sich herumschlagen, worüber sie klagen – grundlos oder berechtigt. Worüber sie sich freuen – über den Schaden oder das Glück anderer. Woran sie leiden – vermeintlich oder in Wirklichkeit. All das verflüchtigt sich in Raum und Zeit und Ewigkeit.
Könnte es uns helfen, wenn wir uns versuchsweise einmal ganz weit weg von uns selbst stellen würden, um herauszufinden, was wir tatsächlich „wert“ sind? Wäre unser Zahngold im Mund vielleicht am Ende
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das Wertvollste, was von uns übrig bleiben wird? Denn: Sind wir wirklich wichtig für den Fortbestand des Universums? Wozu werden wir denn überhaupt gebraucht? Wieso machen wir uns so wichtig und glauben, dass ohne uns die Welt hinter uns zusammenbräche?
Nun behauptet in diesem Psalm jemand – nein, das ist nicht irgend jemand, sondern der König David, ein wichtiger Mann der Antike – dass er seine eigene Wichtigkeit gar nicht aus sich selbst bezieht. Er hat offenbar diese göttliche Fürsorge, dieses göttliche Gedenken, so oft in seinem Leben auf ganz praktische Weise erfahren, dass er, der König, darüber ins Staunen – ja geradezu ins Schwärmen gerät. „Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt!“ Wen? Ja, den Menschen.
Der ferne und zugleich nahe Gott und Schöpfer, der in den Weiten des Universums genauso zu Hause ist wie im Mikrokosmos eines Bienenstocks, hat sich ein Gegenüber gesucht ... und geschaffen.
Was ist von dieser Göttlichkeit, die der Schöpfer in uns angelegt hat, noch übrig? Wie viel von dieser „Ehre und Herrlichkeit“ ist schon verplempert, indem es der Annahme zum Opfer fiel, dass es einen Schöpfer nicht braucht, um das grandiose Wunderwerk von Weltall, Erde und Mensch entstehen und sich entfalten zu lassen? Wie viel von unserer eigenen Göttlichkeit wurde in die Gosse getreten, indem Gott vermenschlicht und zum Gegenstand von Spott und Satire gemacht wurde? Es lohnt sich also, einmal wieder in die Weiten des Weltraumes zu sehen, um sich der eigenen Bedeutungslosigkeit bewusst zu werden. Danach ist man vielleicht auch bereit, wieder zurückzufinden zu dem, der einzig in der Lage ist uns mit einer ganz besonderen Menschen-Würde auszustatten, von der König David in diesem Psalm singt. Übrigens: David hat mehr als einmal erlebt, wie Gott ihn nach einem tiefen Fall wieder emporgehoben hat und die verlorene und beschmutze Würde gereinigt und erneuert wurde. Das sollte uns auch für uns selbst Hoffnung und zu denken geben.

Hier noch einmal der Bibeltext, auf den sich der Gedankenanstoß bezieht:

Ein Psalm Davids, vorzusingen, auf der Gittit.
HERR, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen, der du zeigst deine Hoheit am Himmel! Aus dem Munde der jungen Kinder und Säuglinge hast du eine Macht zugerichtet um deiner Feinde willen, dass du vertilgest den Feind und den Rachgierigen. Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast: Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst? Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt. Du hast ihn zum Herrn gemacht über deiner Hände Werk, alles hast du unter seine Füße getan: Schafe und Rinder allzumal, dazu auch die wilden Tiere, die Vögel unter dem Himmel und die Fische im Meer und alles, was die Meere durchzieht. HERR, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen!

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Kommentare zum Beitrag

Silvio Feld
18
Silvio Feld aus Gießen schrieb am 21.03.2011 um 10:18 Uhr
Vielen Dank für diesen mutmachenden Artikel!
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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