Gießen | Da steppt ja mal wieder richtig der Bär auf dem schwarzen Kontinent!
Der Grund als Neutrum betrachtet ist schön. So viel ist in Afrika garantiert seit der Staatenbildung in den 1950ern und 1960ern nicht mehr passiert, geschweige denn in unseren Medien berichtet worden. Wo ich auch gleich wieder bei meinem Lieblingsaufreger angekommen bin: der Berichterstattungspolitik. In all den Jahren des Bürgerkriegs in Sierra Leone wurde zum Beispiel unter Garantie insgesamt weniger berichtet, als in drei Tagen friedlicher Revolution (!) in Tunesien. Eine Revolution, wie sie zuletzt wohl vor 21 Jahren stattgefunden hat, wird von der ganzen Welt beobachtet und vor allem der Westen freut sich einen Hecht, dass sich das Volk gegen dieses bööööse Regime endlich entgegenstellt, und das bis jetzt im Verhältnis fast ohne Schüsse. Das hat bis jetzt nur die DDR geschafft. Heutzutage ist das alles nicht mehr so einfach. Denn da wird ein fliegender Stein sofort zum Bürgerkrieg.
Aber das ist alles egal, denn das zurückgebildete Gehirn des Durchschnitts-TVisten weiß das nämlich gar nicht mehr, weil er sofort mit neuer Action angefüttert
werden muss. Ägypten sei dank. Auch hier scheren jetzt alle Wüstenbewohner aus dem Land der Pharaonen einen Herrscher dahin, wo er hingehört. Der Westen klatscht. Eine unerträgliche Sache. Heuchelei, Doppelmoral, Selbstverrat, das für dumm verkaufte weiße Volk wird es schon nicht merken.
Endlich kommt der böse, milliardenschwere und korrupte Onkel Hosni weg, schreit es vom White House, über den Elyséepalast, dem Bundeskanzleramt, der Downing Street No.10. Aber dem fetten Onkel über 30 Jahre die Milliarden in den Arsch blasen, das hat funktioniert. Was ist Stabilität wert? Wann ist Diplomatie mit doppelter Zunge noch erträglich? Wie lange werden es die Blogger aus Kairo noch schaffen, im Fokus der angegriffenen Kameras zu bleiben, bis der Schwenk weiter geht, nach Jemen, nach Jordanien, nach Syrien? Was die letzten Tage in Tunesien passiert ist, wissen garantiert nur die Wenigsten. Ich ehrlicherweise auch nicht. Vielleicht ist das auch besser so, so hat das tunesische Volk die Möglichkeit, ohne Reingerede von außen das eigene Glück selbst neu zu schmieden.
Die arabische Welt kommt politisch ins Wanken. Aber hat uns das wirklich in dem Ausmaß, was hier im westlichen Fernsehen produziert wird, zu interessieren? Muss und
Blöder Touri in Luxor.
darf man die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, wenn das ZDF einen Livestream von Al-Arabia einrichtet? Wenn die Tagesschau einen Liveticker hat, der minütlich aktualisiert wird? Wenn jeden Tag im Brennpunkt die gleichen Floskeln runtergebetet werden?
Da wo die Deutschen gerne Urlaub machen, müssen wir natürlich immer up-to-date bleiben, damit wir genau wissen, wann der erste Holidaybomber wieder direkt vom Reisbüro zurück nach Afrika fliegen kann.
Unsere Politik hat sich dreißig Jahre und länger nicht um die Belange der Bevölkerung in den absolutistischen Regionen gekümmert. Dann sollte Sie das auch jetzt nicht machen. Es ist unerträglich und zum Kotzen. Bestes Beispiel: Unser Außenminister Guido-no-one-can-reach-me-the-water-Westerwelle sprach über Mubarak noch vor weniger als neun Monaten von einer unersetzbaren Person im Nahen Osten. Jetzt, wo sich Israel in die Hose scheißt, weil ihr einziger wirklich langjähriger arabischer Friedenspartner den Bach runter geht, müssen sich natürlich die Vereinten Nationen einmischen. Mit anzusehen, wie sich ein Volk selbst aus dem Mist zieht und am Ende prahlen, dass die "Mächtigen" von außen maßgeblich zur Verbesserung der Lage beigetragen haben, erscheint hier nur typisch.
Zweites Beispiel: Barack Obama. Wo ist das Goldkehlchen der Worte? War einst sein Wahlkampf doch mehr von Think Tanks und Marketingberatern gesteuert, als wir alle dachten? Vor einem Jahr noch Große Reden in Kairo (!) geschwungen und jetzt versteckt sich der mächtigste Mann der Welt hinter seinem Schreibtischstuhl. Vielleicht ist er ganz glücklich, dass die USA ausnahmsweise einmal nicht der Auslöser von Unruhen im Nahen Osten sind.
Politische und medielle Beäugung ist wichtig. Aufzupassen, dass zumindest der Gesamtprozess der politischen Veränderung halbwegs menschenrechtlich über die Bühne geht, ist gerechtfertigt. Aber die Ausschlachtung der Tunesier, Ägypter, alle die danach dran kommen und sie dann wie Aas in die Ecke zu werfen und den Hyänen zu überlassen, ist unerträglich und des Fremdschämens wert.
"Die Medien müssen von Hysterie schreiben, um selbst statt zu finden. Ein großes Thema hält sich heute maximal drei Tage. Der Papst und der Holocaust wurden komplett raus gefegt durch Michael Glos und Guttenberg, die Tsunami-Berichterstattung dauerte fünf Tage, Dann wurde Moshammer erwürgt. Das kann ich Ihnen bei jedem großen Thema beweisen. Ich lebe ja davon."
(Harald Schmidt im Interview mit "mobil", Nr. 4/2009)
Sehr gut geschrieben. Ich glaube fast, dass es unseren Politikern gerade recht kommt, dass hier das Volk abgelenkt wird, abgelenkt von unseren persönlichen Problemen hier in Deutschland. Eventuell wird darüber die nächste Wahl hier bei uns in Bedeutungslosigkeit versinken;-(
Stimmt, leider könnte an der These gut was dran sein. Aber die Herrschenden bei uns sollten aufpassen, dass wir uns nicht die Tunesier als Vorbild nehmen. ;-)
Das wäre ja noch nicht mal was Neues. Jede Legislatur hat mind. 2 Möglichkeiten, unbeliebte Dinge durchs Parlament zu peitschen. Nämlich dann, wenn Fußball EM oder WM ist, da braucht es keine Aufstände irgendwo in der Weltgeschichte.
Warum in die Ferne schweifen ??? Wir haben hier genügend Probleme zu lösen,aber auch schöne Urlaubsregionen wie der Harz,Rügen,Bayrischer Wald,Nordfriesland,Ostsee,Lüneburger Heide oder die Rhön.
Und der größe Vorteil ist mann (Sie) bekommt das gewohnte Essen & Bier,muss sich nicht über das Essen im Ausland beschweren.Kann also den Urlaub in vollen Zügen geniesen (im Sinne des Wortes)
Und das Geld bleibt im Lande,fördert also das Bruttosozialprodukt...
Also wenn ich ins Ausland fahre, beschwere ich mich nicht über die Kultur und Gegebenheiten, sonst würde ich ja nicht dahin fahren oder? Außer ich wäre ein ignoranter Trottel, der es liebt sich zwei Wochen in einer Bettenburg einsperren zu lassen. (Individual-)Urlaub hat gerade den Reiz, nicht den täglichen Fraß von um die Ecke in sich rein zu schlingen.
Da wo ich Andenken kaufe, fördere ich die arme Gesellschaft, die oft nicht mehr als den Tourismus zum Überleben hat. Ich habe nämlich schon in Indien das Leben in vollen Zügen genossen...
Anmerkung: Ich war im April 2010 zu meinem 40 Wiegenfest auf der Dom.Rep.und habe dort die Verhältnisse gesehen,allerdings auch Leute die nach 12 Stunden Flug im Hotel am Buffee ihr "Wiener Schnitzel" oder Sauerkraut gesucht haben..--- Im Übringen stehe ich nicht auf Bettenburgen sondern eher auf kleine gemütliche Hotels..
Guter Beitrag!
nur zwei von ZAHLREICHEN Beispielen für die Heuchelei:
- die tunesische Partei BenAlis, die vom Volk verhasste RCD, war Mitglied der "Sozialistischen Internationale" und somit "Bruderpartei" u.a. der SPD! Erst jetzt, im Januar, wurde sie ausgeschlossen.
- aber auch die Regierungskoaltion ist keinen Deut besser: Mubarak, der sich gerne in Deutschland medizinisch behandeln lässt, wurde von Westerwelle als guter Freund bezeichnet.
Liebe Frau Stapf
ich wollte damit nur sagen, dass Hartz VI für einige Armut im Sinne von Armut wie sie in Deutschland bezeichnet wird, ist. Siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Armutsgrenze
Ja, Peter, diese Diskussion hatten wir jetzt schon zig-fach!
Fest steht doch: man findet immer jemanden dem es noch schlechter geht, sogar die Menschen in Tunesien!
darum geht es doch gar nicht, es geht überall, egal ob in den Industriestaaten oder in Entwicklungsländern, um die relative Armut, um die ständig weiter auseinandergehende Schere zwischen Arm und Reich, um die daraus erwachsende Ungerechtigkeit UND um die Unzufriedenheit UND um Widerstand! Der ist dann genauso bei uns, wie irgendwo sonst in der Welt, auch völlig berechtigt!
Liebe Frau Stapf, jder hat seine Meinung, jeder darf sie sagen. Der eine kann es besser, als der andere. Ich würde mir nie anmaßen jemandem Selbstherrlichkeit vorwerfen. Sollte trotzdem der Eindruck entstatnden sein, dann bitte ich hiermit um Entschuldigung.
Aussagen sind ggf. präzise oder unklar, begründet oder nur eine Meinung, emotional oder sachlich usw. usw., aber vielleicht auch mal richtig oder falsch! Da geht es in allen Fällen nicht um wertvoll oder weniger wertvoll, und erst recht nicht um persönliche Angriffe oder jemanden in seiner Meinungsfreiheit einschränken wollen!
Womit man aber IMMER rechnen MUSS: wenn man etwas sagt/schreibt, dann gibt es IMMER Menschen, die anderer Auffassung sind und die dann ggf. auch was schreiben (dürfen!). Und da geht`s nie um persönliches, um beleidigt sein, um selbstherrliche Reden schwingen oder ähnliches!
Nur, wenn man sich auf Meinungsfreiheit bezieht und die Meinung anderer nicht akzeptiert (es entscheidet der Schreiber, auch was er zu Hartz IV schreibt!)? Irgendwie nicht konsequent?
gut, lassen wir`s so stehen und die LeserInnen sich informieren :-)
jede(r) denkt doch zuerst immer seine Meinung sei die richtige, alles andere wäre doch Heuchelei! Es gibt halt mal falsche und richtige Meinungen, was ist daran so schlimm? Auch ich habe mich schon oft überzeugen lassen, dass meine Meinung zu einem Punkt/Thema falsch war, na und? Es kommt doch drauf an, ob man Argumente annimmt und seine Meinung dann dahingehend überprüfen will oder nicht, oder ob man sich "schmollend" in die beleidigte Ecke zurückzieht. Dies ist wie IMMER NICHT persönlich gemeint, dies kann auch mir jeder sagen wenn`s passt, gar kein Problem!!!
Wenn ich meine Meinung sage und das darf jeder, dann ist es meine meinung und ich muss die anderer akzeptieren. Wer entscheidet denn darüber ob eine persönliche Meinung richtig oder falsch ist?
Ich schreibe nur das, was mir richtig erscheint. Sind wir denn hier in einer Schule wo zensiert wird?
Ich dachte es ei mit diesem Theater Schluss gewesen! Da war schon mal jemand, dem alles was ich und teilweise auch andere schrieben nicht passte und der uns dann maßregelte.
Also von mir aus kann hier jeder schreiben was er will und ich kann meine Meinung abgeben, wobei ich nicht besserwisserisch Korrekturhinweise gebe.
Wenn ich etwas anmerke, dann sind es Hinweise auf Veröffentlichungen aus dem Internet, die manchmal, so zumindest nach meiner nicht maßgeblichen Meinung, hilfreich erscheinen.
Frau Stapf, ich denke, dies war eher auf mich gemünzt, mit der Aussage "wer entscheidet denn darüber ob eine persönliche Meinung richtig oder falsch ist"?
Nun Peter, man kann auch einfach Meinungen vertreten, so nach dem Motto: "Jeder sagt/schreibt mal was, dies ist dann die Meinung des Einzelnen...und das war`s dann". Gut, wenn Dir das genügt, dann ist es halt so! Ich habe zumindest den Anspruch über Meinungen sich anhand von Fakten auszutauschen, Meinungen (natürlich auch meine eigene!) zu überdenken und ggf. zu dem Schluss zu kommen: "vielleicht hat der/die andere doch recht?" Was macht ein Meinungsaustausch sonst für einen Sinn? Und manchmal gibt es auch ganz einfach Fakten, die ich nicht kenne und deshalb mit meiner Meinung dann falsch liege! Ich verstehe einfach nicht, was soll denn daran so schlimm sein, da fällt doch kein Zacken aus der Krone... aber für mich ist nun wirklich Schluss mit dem "Theater" ! (habe nur nochmal geschrieben weil ich denke, es ging hier um meinen nicht um Ihren Kommentar, Frau Stapf!)
Liebe Frau Stapf, man/frausollte jemanden nur arrogant bezeichnet, wenn ma ihn kennt oder um den Vorgang der angesprochen Bescheid weiß. Das soll jetzt nicht belehrend sein oder wuirken, aber man/frau sollte halt mit seiner Wortwahl auch vorsichtig sein.
Lieber Stefan, das war nicht gegen Dich nur so ganz allgemein gesprochen.
Also ich würde sagen es reicht. Das ist quasi in dieser Sache ein Friedensangebot und das ist ehrlich gemeint.
mal wieder ein klasse Beitrag Matthias, rechtzeitig, kompakt und umfassend!
Wer es sich leisten kann, sollte ab und wann mal ins Ausland verreisen um andere Kulturen kennen zu lernen und davon zu berichten...
Soviel unterscheidet uns nicht, außer die Umgebung in der wir groß geworden sind...
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!
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Diese Stadt liegt im Bundesland Brandenburg. In wenigen Autominuten...
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