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Tear Down This Firewall!

Gießen | Ein Gastbeitrag von Rick Falkvinge, Mitbegründer der Piratenpartei in Schweden, bekannt als ein europäischer Aktivist für ein freies Internet und freien Zugang zu Informationen.

Das Original dieses Artikels veröffentlichte er am 29. Januar 2011 auf der Website falkvinge.net, einem bekannten schwedischen Blog über Netzpolitik und Bürgerrechte. Mit seiner Erlaubnis veröffentlicht die Piratenpartei Deutschland diesen Artikel in einer deutschen Übersetzung.

"Tear Down This Firewall!"

Die Verwertungsindustrie hat sie entdeckt, jetzt haben auch die arabischen Diktatoren sie entdeckt: Tunesien ist gefallen, Ägypten brennt, der Jemen, Albanien, der Sudan, Algerien und Syrien sind kurz davor, Feuer zu fangen. Wenn Menschen die Möglichkeit haben, sich zu vernetzen, werden sie keine Unterdrückung mehr akzeptieren.

Falls, oder besser wenn, in Ägypten die Revolution zum Erfolg führt, wird dies einen Dominoeffekt in der Arabischen Liga wie beim Fall der kommunistischen Staaten in Osteuropa in Gang setzen. All dies ist nur möglich geworden, weil die Bevölkerung über das Internet kommunizieren, sich organisieren, selber beobachten und berichten kann.

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In diesem Kampf gegen die Redefreiheit steht die Verwertungsindustrie Schulter an Schulter mit den Diktatoren dieser Welt mit ihrem Wunsch, Menschen willkürlich vom Internet abzuschneiden. Nun, genau das hat Ägyptens Präsident Mubarak gestern getan. Dies hat die Piratenparteien auf der ganzen Welt wieder einmal in ihrer Sichtweise bestärkt, dass ein unzensierter und bedingungsloser Zugang zum Internet ein Grundrecht sein sollte, so wie der Zugang zu Strom oder sauberem Wasser.

Der Grund liegt auf der Hand. Wie Michael Love so eloquent formulierte:

Im 21. Jahrhundert IST das Internet Kommunikationsplattform, IST Versammlungsraum und IST die freie Presse zugleich.

Man kann Rede-, Versammlungs- und Pressefreiheit nicht haben, ohne den unzensierten und nicht-überwachten Internetzugang als Menschenrecht zu fordern.

Viele Amtsinhaber kämpfen gegen diese Entwicklung an - ich möchte die Verwertungsindustrie hier nicht hervorheben; die Welt der alten Medien steht vor einer Schwelle, bei der es heißt: Pass dich an oder geh zu Grunde, so wie alle von Geheimhaltung abhängigen Regierungsbehörden (denkt da jemand an "Verteidigung"?), wie eigentlich jeder, der nur Informationsmittelsmann war, oder vom Informationsdefizit der Menschen profitierte.

Die Ironie trotzt jeder Beschreibung, wenn der schwedische Außenminister die ägyptische Regierung für Internetsperren kritisiert, offene und verdeckte Überwachung, Sittengesetze und das Verbot der Photografie anprangert, während die Justizministerin gleichzeitig genau solche Gesetze für Schweden erlässt. Vielleicht sollte man schlicht "heuchlerisch" dazu sagen. Es zeigt, warum wir für Rede-, Versammlungs- und Pressefreiheit - also den freien Zugang zum Internet - einstehen müssen.

Die westliche Welt sollte endlich Taten sprechen lassen. Wir können Diktaturen nicht glaubwürdig dafür kritisieren, Massenüberwachungstechnologien einzusetzen, wenn westliche Behörden diejenigen waren, die Telekommunkationsunternehmen überhaupt erst aufgefordert haben, diese Technologie in ihre Infrastruktur einzubauen. Es ist an der Zeit für Politiker aufzuwachen und das große Ganze zu erkennen.

Ich beende dieses Posting mit einem besonderen Lob an die Menschen hinter Tor (https://blog.torproject.org) und Telecomix (https://www.telecomix.org), die Tag und Nacht daran gearbeitet haben, die Kommunikation in Ägypten und anderen Ländern aufrecht zu erhalten. Diese Helden unserer Generation sind das genaue Gegenteil der scheinheiligen Politiker.

Oder mit Worten aus den späten 1980ern, als genau solche Entwicklungen in Osteuropa aufkamen:

Tear down this firewall!

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Original Artikel: http://falkvinge.net/2011/01/29/tear-down-this-firewall

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Kommentare zum Beitrag

Antje Amstein
6.024
Antje Amstein aus Gießen schrieb am 30.01.2011 um 17:19 Uhr
Sehr schön, danke für den Beitrag!
Stefan Walther
4.380
Stefan Walther aus Linden schrieb am 30.01.2011 um 17:48 Uhr
Ja, guter Beitrag, kein Widerspruch!

- im Detail kann man aber diskutieren:"wenn die Menschen die Möglichkeiten haben sich zu vernetzen, werden sie keine Unterdrückung mehr akzeptieren"? Sicher, die Möglichkeit der Vernetzung ist ein großer Fortschritt, aber nicht ausschlaggebend ob die Menschen Unterdrückung akzeptieren oder nicht. Hierfür gilt immer noch: wenn die Herrschenden nicht mehr in der alten Weise regieren können und die Menschen nicht mehr in der alten Weise leben wollen, dann werden sie keine Unterdrückung mehr akzeptieren! Ob mit oder ohne Internet-Vernetzung!
Und, die Piratenpartei unterstützt die Revolution(en)? = sehr schön!

Danke Herr Praschak für den Link, auch wenn dies (noch?) kein Beitrag zur Kommunalwahl ist!
Ralf Praschak
846
Ralf Praschak aus Gießen schrieb am 30.01.2011 um 18:21 Uhr
Nun es sind eben die Worte und Gedanken aus Schweden von Rick Falkvinge. Deren Idee der Piraten hat sich auch schon in über 40 Länder dieser Welt verbreitet: http://int.piratenpartei.de/Pirate_Parties_International

In Tunesien ist einer der neuen Staatssekretäre Blogger und Mitglied der dortigen Piraten. Wir engagieren uns eben weltweit für Bürgerrechte und nicht nur vor Ort.

Die Möglichkeiten der Vernetzung bieten erst die Chance die mediale Zensur totalitärer Staaten durch Reichweite und Geschwindigkeit zu überwinden. Ist erst mal eine kritische Anzahl von Menschen aktiviert, springt der Funke weiter und es entwickelt sich die gewohnte Eigendynamik.

Ohne Internet sind die Ereignisse in Tunesien und Ägypten nur schwer vorstellbar. Dies zeigt sich ja an der Ausdauer dieser Regime in den letzten Jahrzehnten.
Christian Momberger
11.116
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 20.02.2011 um 01:42 Uhr
Vielen Dank für den guten Artikel!
Ralf Praschak
846
Ralf Praschak aus Gießen schrieb am 20.02.2011 um 11:39 Uhr
Wer mehr von Rick lesen mag, kann ihm einfach auf Twitter folgen:
http://twitter.com/Falkvinge
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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