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Toller Abend rund um "Neue Deutsche Aphorismen" im LZG

EIisabeth Turvold und Alexander Eilers
EIisabeth Turvold und Alexander Eilers
Gießen | Alle, die glauben, dass ein Text mit Gehalt nur in Form eines 800 Seiten Schinkens gelingen kann, konnten sich bei der LZG-Lesung rund um „Neue deutsche Aphorismen“ vom Gegenteil überzeugen lassen. Aphorismen, das sind philosophisch anmutende Sinnsprüche oder „das kleinst mögliche Ganze“, wie Robert Musil es ausdrückte. Und dass diese auch in der Gegenwart existent sind, konnten gleich mehrere Aphoristiker dem überaus zahlreich erschienenen Publikum im K.i.Z. beweisen.

Durch den Abend führten Alexander Eilers und Tobias Grüterich, beide sind Mitherausgeber der im März 2010 erschienenen Anthologie „Neue deutsche Aphorismen“. Entgegen der Auffassung, es gebe heute überhaupt keine Aphorismen mehr, soll mit dieser Publikation sowohl die „Lebendigkeit des deutschen Gegenwartaphorismus“ als auch die Existenz junger Aphoristiker, die das Greisenalter noch nicht erreicht haben und dennoch das nötige Repertoire an Weisheit aufweisen, belegt werden. Insgesamt sind 91 Autoren aus der Schweiz, Österreich und Deutschland in dem Band verzeichnet. Drei dieser Autoren erwiesen den Besuchern die Ehre und gaben eine Kostprobe ihrer literarischen Schaffens.

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Den Anfang machte der Ingeborg-Bachmann-Preisträger Franz Hodjak aus Usingen. Mit pointierten Sprüchen wie „Glücksgefühle sind Schwächeanfälle des Bewusstseins“ oder „Vorurteile sind Erfahrungen, die man nicht gemacht hat“ sorgte er gleichermaßen für heitere wie nachdenkliche Stimmung. Nach diesem Einblick in Hodjaks Schaffen wurde das Mikrophon weitergereicht an Ulrich Horstmann, Literaturwissenschaftler an der JLU Gießen und Literat zugleich. Mit ausgewählten Beispielen aus seinem 2006 erschienenen Band „Hoffnungsträger“ (man betone, dass es sich beim Titel nicht, wie augenscheinlich um einen Substantiv, sondern um den Komparativ handelt) bewies er, dass ein Aphorismus nicht notwendigerweise durch Kürze brillieren muss. Die Aphorismen zeugen von einer bestimmten Selbstreflexion, die des Öfteren die Sprache und die Literatur selbst behandelt. Auch seine Profession scheint die literarische Arbeit zu beeinflussen – immer wieder spielen Anekdoten aus dem universitären Leben in den Aphorismen eine Rolle. Die dritte im Bunde war die aus Würzburg stammende Dichterin Sulamith Sparre. Die Sujets ihrer präsentierten Aphorismen zeigten einmal mehr, wie sich der Aphorismus zwischen Literatur und Philosophie bewegt: Sie thematisieren das Leben wie das Sein und üben Kritik an der modernen „Nonstop-Gesellschaft“, in der der Mensch als Rohstoff wandelt und gegen die Zeit zu kämpfen versucht. Nach einem Einblick in weitere in der Anthologie erschienene Aphorismen, die von den beiden Mitherausgebern Eilers und Grüterich vorgetragen wurden, gab es zum Schluss noch einen kleinen Überraschungsaufritt der im Publikum sitzenden Autorin Elisabeth Turvold, die ebenfalls einen beeindruckenden Beitrag zur besagten Anthologie geleistet hat.

Nachdem es dann noch die Möglichkeit zum Erwerb der vorgestellten Bücher und des persönlichen Gesprächs mit den Dichtern gab, konnte der überaus geistreiche und gelungene Abend gemütlich ausklingen.

EIisabeth Turvold und Alexander Eilers
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Tobias Grüterich führte durch den Abend
Tobias Grüterich führte... 
70 Besucher im sehr gut besuchten K.i.Z. (Kultur im Zentrum)
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Franz Hodjak aus Usingen
Franz Hodjak aus Usingen 
Ulrich Horstmann aus Marburg
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Sulamith Sparre aus Würzburg
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