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TRAURIGE BILANZ EINER BAUSTELLE

Gießen | IG-Bahnhofstrasse ist schockiert über Absperrungsmaßnahme der Bahnhofstraße zur Westanlage und die substanzlosen Aussagen der Stadt Gießen zur termingerechten Fertigstellung der Bauarbeiten.
Trotz anderslautender Ankündigungen seitens der Stadt bleibt die Bahnhofstraße weiterhin teilweise gesperrt – Weihnachten fällt für die dort ansässigen Einzelhändler leider aus.


Am 09.12.2010 erreichte die IG-Bahnhofstraße der aktuelle Baustellen-Newsletter mit der Information, dass die Baustelle am 10.12.2010 unvollendet eingestellt wird und frühestens in Februar/März 2011 fortgesetzt wird.

Eigentlich sollten die Bauarbeiten in der Bahnhofstraße zwischen Reichensand/Schanzenstraße und Westanlage bereits am 19.11.2010 vollständig beendet sein. So lautete jedenfalls die vollmundige Ankündigung der Stadt noch im November. Einschränkungen durch die Baustelle für das Weihnachtsgeschäft seien daher nicht zu erwarten. Doch schnell wurde den Anwohnern klar, dass der angekündigte Fertigstellungstermin nicht eingehalten werden würde. Zu oft wurden anscheinend Bauarbeiter der Eurovia zu anderen, offensichtlich dringenderen Baustellen in Gießen abgezogen. Schließlich wurde der schleppende Baufortschritt auch von der Stadt erkannt und per eMail an eingeräumt, dass der Termin nicht zu halten sei.

Auf Nachfragen der IG Bahnhofstraße, wann denn nun mit der Fertigstellung und Öffnung der Bahnhofstraße zu rechnen sei, wurde in einem Gespräch mit dem für diesen Bauabschnitt zuständigem Mitarbeiter des Tiefbauamts Gießen der 10.12.2010 als definitiver Fertigstellungstermin der gesamten Baumaßnahme genannt. Hierin bereits eigeplant sei sogar schon eine ganze Woche als zusätzlicher Puffer, so dass auch die geplanten Bäume bis dahin noch gepflanzt werden könnten.

Mittlerweile ist klar, der Abschnitt der Bahnhofstraße zwischen Reichensand/Schanzenstraße und Westanlage bleibt bis auf weiteres Sackgasse. Statt der versprochenen Bäume wurden zum Entsetzen der Anlieger tonnenschweren Betonblöcken – die sehr stark an ein ehemaliges ostdeutsches Bauwerk erinnern – „gepflanzt“ und die Straße damit regelrecht abgeriegelt.
Der zwingende Notwendigkeit dieser Abriegelung muss allerdings hinterfragt werden. Eine Öffnung der Bahnhofstraße zur Westanlage für Rechtsabbieger wäre nach Einschätzung der IG-Bahnhofstraße in Zusammenhang mit der provisorischen Fußgängerampel vor den Hotels Köhler und Kübel ohne weiteres möglich gewesen.

Fraglich bleibt auch der sichtbare Erfolg der kostenintensiven Sanierung. Bislang kann man leider nichts von einer Aufwertung der Bahnhofstraße erkennen. Die neue Beleuchtung ist düster, die Positionierung der Laternen ausgesprochen ungünstig. Da der Lichtkegel nicht einmal bis zu den Bürgersteigen hinabreicht, werden lediglich die (nicht immer schönen) Häuserfassaden beleuchtet. Zwar haben die Laternen Reflektoren/Spiegel; diese sind aber - anders als vom Dezernenten des Tiefbauamtes, Herrn Thomas Rausch, behauptet nicht verstellbar und können daher nicht in Richtung des Bürgersteigs geschwenkt werden. Dies hat aber vielleicht auch etwas Gutes, denn das neue Pflaster scheint extrem schmutzanfällig zu sein und ist bereits nach wenigen Wochen unansehnlich geworden.
Auch die eingerichteten Ladezonen wirken nicht wirklich durchdacht. Sie sind mit nur 5m Länge viel zu klein geraten und können von LKW mit Auflieger, die Geschäfte in der Bahnhofstraße anfahren möchten, nicht genutzt werden.

Die IG-Bahnhofstraße ist enttäuscht, dass sich auch aus den bereits im August und Oktober geführten Gesprächen mit Frau Oberbürgermeisterin Grabe-Bolz und Bürgermeisterin Frau Weigel-Greilich, keine Reaktionen ergeben haben.
Das Desinteresse der Stadt zeigt sich nicht nur darin, dass es seither keinerlei Hilfsangebote oder sonstige Unterstützung gegeben hat. Nicht einmal weitere Gespräche sind angeboten oder gesucht worden und selbst Nachfragen zur aktuellen Situation der Anlieger sind ausgebleiben.
Im Gegenteil! Dutzende, vom Dezernenten des Tiefbauamtes, Herrn Thomas Rausch, allerdings noch im November dementierte Beschwerden, bei Mitarbeitern des Bauamts, auf den vierzehntägigen Baustellensitzungen sowie direkt beim Polier der Baufirma Eurovia sind weitgehend ungehört verhallt.

Besonders ärgerlich und für die Anwohner unzumutbar ist, dass die von der Stadt zu verantwortende Absperrung dazu führt, dass sich selbst die Stadtreinigung weigert, diese Sackgasse zu befahren und die Anwohner zwingt, bei jeder Witterung Ihre Mülltonnen zu einer Sammelstelle an der Samen Hahn Ruine zu karren.
Aktuell noch viel gravierender ist allerdings, dass es zudem auch keinen Winterdienst für diesen Teil der Bahnhofstraße gibt und Schnee und Eis nicht geräumt werden.
So kommt es dementsprechend z.B. bei der Liebig-Apotheke zunehmend zu erbosten Beschwerden von Kunden über die schlechte Erreichbarkeit der Apotheke. „Es ist völlig unverständlich, dass kein Winterdienst die Straße freimacht, obwohl viele gehbehinderte und alte Menschen in die Straße müssen, die zu uns oder zu der hier ansässigen großen Arztpraxis wollen. Auch Krankentransporte in diesen Teil der Bahnhofstraße sind gefährlich oder gar nicht möglich.“, sagt Frau Hambek von der Liebig Apotheke.

Aus Sicht der IG Bahnhofstraße zeigen der schleppende Baufortschritt und die fragwürdige Absperrung sowie der nicht vorhandenen Winterdienst, dass die Stadt diesen Teil der Bahnhofstraße bereits „abgeschrieben“ hat. Und dies obwohl sich immer noch einige Geschäfte, eine Apotheke sowie eine Arztpraxis dort halten.
Die Schließung des alteingesessenen Bettenhauses Röhr zum Jahresende ist vielleicht nur der Anfang einer Entwicklung, die das Geschäftsleben in einem Teil einer Straße mitten in der Stadt auslöscht.

Eigentlich sollte man von den Verantwortlichen einer Stadt erwarten, dass sie die Infrastruktur ihrer Stadt stärken und den heimischen Handel mit Kräften unterstützen. Gießen ist dagegen ein sehr gutes Beispiel dafür, wie man ein Stadtbild immer mehr demontiert. Die Stadt scheint jedenfalls nicht auf Gewerbesteuerzahler der Bahnhofstraße angewiesen zu sein, und so werden sich nun auch noch dunkle, leere Schaufenster zu der Bauruine Samen Hahn gesellen und so das Straßenbild prägen.

Die Bahnhofstraße richtet nun Ihr Augenmerk auf die Fortsetzung der Baustelle und die Kommunalwahl im kommenden Frühjahr. Herr Rausch braucht sein Konterfei dann allerdings nicht mehr in der Bahnhofstrasse plakatieren - hier kennt man Ihn bereits gut genug!

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Kommentare zum Beitrag

H. Peter Herold
28.074
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 17.12.2010 um 18:19 Uhr
Lieber Herr Kriebs, mit Ihrem letzten Satz treffen Sie den Nagel auf den Kopf und ich bin wieder bei meinem Lieblingsthema. Samen Hahn ist Schuld daran, dass die Bahnhofstraße gesperrt wird. Dadurch soll wohl keiner diesen Gießener Schandfleck zu Gesicht bekommen ;-)

Aber haben Sie es nicht bemerkt? Die Stadt hat doch ein Weihnachtsgeschenk für die Bahnhofstraße gemacht. Man kann jetzt wieder in Ihre Richtung von der Westanlage her abbiegen ;-)
Thomas Kriebs
689
Thomas Kriebs aus Gießen schrieb am 17.12.2010 um 18:32 Uhr
Ja, und wie ich gestern Abend beobachten konnte, wird dies von einigen Verkehrsteilnehmern (u.a. Taxifahrern) promt genutzt, um illegal von der BHFstr. kommend in die Westanlage einzubiegen.
Bei soviel dreister Dummheit kann man nur noch mit dem Kopf schütteln!
Antje Amstein
6.024
Antje Amstein aus Gießen schrieb am 17.12.2010 um 22:49 Uhr
Vieleicht will ja Herr Rausch, die Innenstadt sterben lassen er hat ja den neuen Discotempel, wozu braucht die Stadt die Geschäfte in der Bahnhofst.?!
Jeden Tag kämpfen die um ihr Überleben, den Erhalt ihre Existenzen. Wer weiß was das wieder für eine Politik ist? Die Korruption regiert in Gießen oder warum geht das eine in 6 Monaten und das andere braucht ewig!
H. Peter Herold
28.074
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 18.12.2010 um 10:12 Uhr
Um beim Samen Hahn zu bleiben. Da kocht doch die CDU zur Zeit ein Süppchen! Oder wie soll ich sonst die Veröffentlichungen um das Reichensandgelände verstehen;-(
Bei den Falschabbiegern könnte doch die Polizei und die ist ja für den fahrenden Verkehr zuständig, abkassieren und das würde ich dann nicht als Abzocke bezeichnen ;-))
Christian Momberger
11.205
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 01.01.2011 um 18:25 Uhr
Danke für den interessanten und aufklärenden Artikel. Es in der Tat eine Schande, was Herr Rausch da und nicht nur dort macht. Dieser Mensch gehört sofort abgesetzt!
H. Peter Herold
28.074
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 02.01.2011 um 15:51 Uhr
geht leider nicht. Der wird uns noch lange erhalten bleiben;-((
Christian Momberger
11.205
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 02.01.2011 um 20:25 Uhr
Wieso. Wenn wir eine neue Mehrheit ohne die CDU bekommen ginge das schon. 2001 wurden die rot-grünen Dezernenten ja auch alle gleich abgewählt. ;-)
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