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Krach schlagen statt Kohldampf schieben - auch in Gießen

von Thorsten Luxam 03.12.20101457 mal gelesen53 Kommentare
Gießen | Das Gießener Linksbündnis ruft auf zum Protest Gegen die Verschärfung der Hartz-IV-Gesetze. Am Montag, dem 6. Dezember, ab 17.00 Uhr bei den Schwätzern in Gießen wird sich das Gießener Linksbündnis an den bundesweiten Aktionen "Tage der Opposition" (die Gießener Zeitung berichtete:
http://www.giessener-zeitung.de/giessen/beitrag/41729/tage-der-opposition/) des Krach statt Kohldampf-Bündnisses beteiligen.

Hintergrund des Protestes: Die vom Bundestag abgesegnete Verschärfung soll im Bundesrat noch vor Weihnachten beschlossen werden. Eine ganze Reihe von zusätzlichen Verschlechterungen ist vorgesehen. Und alle Zwangsmaßnahmen wie 1-Euro-Jobs, Kürzungsdrohungen und Sanktionen sollen bestehen bleiben.

Um läppische 5 Euro – das sind 17 Cent pro Tag - sollen die Regelsätze für Erwachsene angehoben werden. Für Einzelpersonen auf 364 Euro. Für Zusammenlebende auf 328 Euro. Und für Kinder und Jugendliche gibt es gar keine Erhöhung. Dabei reicht der Anteil vom Regelsatz für Nahrung bei weitem nicht aus. Davon sich gesund zu ernähren, ist nicht möglich. Das ist wissenschaftlich erwiesen.

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Die Partei Die Linke wird im Bundesrat dagegen stimmen. Das ist sicher. Wie verhalten sich SPD und Grüne? Übeltäter der verheerenden Agenda 2010 mit Hartz IV sind diese beiden Parteien. Die Armutsspirale wurde von Schröder und Fischer damals in Gang gesetzt. Sie wird nun von Merkel und Westerwelle fortgeführt. So wurde bereits im November mit dem „Sparpaket“ das Elterngeld gestrichen. Und auch die Beiträge zur Rentenversicherung für Hartz-IV-Empfänger. Mit der „Schuldenbremse“ soll die völlige Zerschlagung der
Sozialsysteme programmiert werden.

Gemeinsam mit dem Aktionsbündnis Sozialproteste und weiteren Erwerbslosenorganisationen fordert das Gießener Linksbündnis als Sofortmaßnahmen:
· einen Mindestlohn von 10 Euro in der Stunde
· einen Eckregelsatz von mindestens 500 Euro im Monat
· eine Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohn- und Personalausgleich auf 30 Stunden in der Woche

In einem Flugblatt zur Aktion heißt es: "Wir verlangen außerdem: Den sozialen Grausamkeiten der Bundesregierung muss endlich ein Ende gesetzt werden! Die Krisenlasten dürfen nicht länger auf die Ärmsten der Armen abgewälzt werden! Das ist unser gemeinsamer Kampf. Weg mit Hartz IV!"

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Kommentare zum Beitrag

Dr. Manfred Klein
1.398
Dr. Manfred Klein aus Gießen schrieb am 03.12.2010 um 22:36 Uhr
"Davon sich gesund zu ernähren, ist nicht möglich. Das ist wissenschaftlich erwiesen."

Hast du eine Quelle für diese Behauptung?
Stefan Walther
4.537
Stefan Walther aus Linden schrieb am 03.12.2010 um 22:38 Uhr
Tja, zwei Menschen, ein Gedanke, du hast natürlich Recht:
ein Beitrag ist wesentlich besser als mein Kommentar an anderer Stelle!

und aktueller denn je:
unterstützt auch die Montagsdemonstranten in ihrem Protest gegen Hartz IV, Woche für Woche (bei jedem Wetter), 18 - 19 Uhr bei den " 3 Schwätzern"
Thorsten Lux
905
Thorsten Lux aus Gießen schrieb am 03.12.2010 um 22:39 Uhr
Stefan Walther
4.537
Stefan Walther aus Linden schrieb am 03.12.2010 um 22:41 Uhr
mal unabhängig von der Quelle Manfred:
komm doch mal runter vom "Elfenbeinturm" !
Thorsten Lux
905
Thorsten Lux aus Gießen schrieb am 03.12.2010 um 22:47 Uhr
Klar Stefan, solche Themen sollen endlich mal in den Medien ihren Platz finden dürfen - egal wem das quer kommt.

Und da sprichst Du etwas an, das vielen Menschen nicht bewusst ist und das von anderen konsequent totgeschwiegen wird: Dass die Montagsdemonstrationen noch immer stattfinden und es die Teilnehmer bei Wind und Wetter gegen diese Ungerechtigkeit auf die Straße zieht - bundesweit.

Und das gehört ja nunmal in die Vorweihnachtszeit: Denn das ist nicht bloß die Zeit in der viele Kinder besonders merken, dass ihre Eltern kein Geld haben, während andere dem kalendarisch verordneten Konsum frönen, es ist auch die Zeit in der sich der Beschluss der unsäglichen Hartz-Gesetze jährt. Das ist ja noch eine besondere Perspektive auf den Hohn der damaligen Regierung gegenüber armen Menschen: Dass dieser Beschluss ausgerechnet das Datum "24. Dezember" trägt - das ist das was der Regierung zum Heiligabend bzgl. der Ärmsten der Armen dieses Landes einfiel.
Christian Momberger
11.211
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 03.12.2010 um 23:20 Uhr
Danke Thorsten für den guten und wichtigen Artikel hier!
Dr. Manfred Klein
1.398
Dr. Manfred Klein aus Gießen schrieb am 03.12.2010 um 23:53 Uhr
Fakt ist, dass in Deutschland keiner hungern muss, außerdem gibt es doch noch die Tafeln, die zusätzlich Lebensmittel ausgeben... Ich verstehe da die ganze Aufregung wirklich nicht.

Man muss natürlich bei Instituten mit ihren Studien immer vorsichtig sein und die FKE genau unter die Lupe nehmen, d. h. ob sie wirklich objektiv ist, denn immerhin erhält man für jedes Kind die ca. 360 EUR. netto!

Da gibt es bestimmt arbeitende Familien genug, die weniger Geld haben und mehr Nebenkosten, die die "armen" Hartz IV-Bezieher bezahlt bekommen...

Ich finde man sollte objektiver Berichten und nicht immer nur so einseitig, unter solchen Umständen, muss ich sagen, dass ich ruhig im Elfenbeinturm bleiben kann.

Stefan, man kann nicht nur den Aktionismus schönreden, man muss auch die Hintergründe durchleuchten, nicht einfach nur reden, wie es einem gerade in den "politischen" Kram passt...

Wolkenkuckucksheim und Land, wo Milch und Honig fließt, hey Leute kommt von eure rosaroten Wolke runter...
Christian Momberger
11.211
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 04.12.2010 um 00:03 Uhr
Vielleicht Herr Dr. Klein, sollte man ihnen mal das Einkommen auf Hartz IV-Niveau reduzieren und ihr evtl. vorhandenes Vermögen sperren, damit sie vielleicht endlich verstehen, worum es hier geht! ;-) Es mag ja sein, dass keiner in unserem Land an Unterernährung leiden muss, aber die Frage ist doch, wie ein Leben in Würde (Art. 1 GG verpflichtet uns doch dazu, dieses zu garantieren) jedem Bürger ermöglicht wird. Und genau das, ebenso wie die meines Erachtens ebenfalls unabdingbare gesellschaftliche Teilhabe (Bildung, Kultur, Sport, Vereine, etc.) wird durch Hartz IV und die aktuellen Regelsätze nicht ermöglicht! Und genau das liegt das Problem, das sie aber scheinbar in Ihrem philosophischen Elfenbeinturm nicht sehen oder sehen wollen.

Und was die Problem mit den Niedriglöhnen anbelangt, die sie ansprechen. Vielleicht sollte man mal über das Lohnniveau in Deutschland und dessen Entwicklung in den letzten Jahren bzw. einen Mindestlohn nachdenken. Wie wäre es denn damit Herr Klein. ;-)

Und was die Hintergründe angeht, so ist glaube ich Stefan und auch mir sehr wohl bewusst, um was es bei Hartz IV geht und was die Ziele dieser Gesetzgebung geht. Die Hintergründe von Hartz IV werden von den Kritikern und Gegnern sehr wohl gründlich durchleuchtet.
Thorsten Lux
905
Thorsten Lux aus Gießen schrieb am 04.12.2010 um 00:11 Uhr
"Fakt ist, dass in Deutschland keiner hungern muss"

Ach solange Fälle von Hungertoten die Ausnahme sind, ist noch "aales im Lot"? - ich glaube nicht, dass sie das tatsächlich so meinten, oder?

"außerdem gibt es doch noch die Tafeln, die zusätzlich Lebensmittel ausgeben... Ich verstehe da die ganze Aufregung wirklich nicht."

Solange es Selbsthilfegruppen gibt, die die schlimmste Not lindern, muss der Staat folglich nicht seinem Selbstverständnis nachkommen?

"Da gibt es bestimmt arbeitende Familien genug, die weniger Geld haben und mehr Nebenkosten, die die "armen" Hartz IV-Bezieher bezahlt bekommen..."

Und das bedeutet was? - dass Hartz IV zu hoch ist? - wissen Sie eigentlich wie viele dieser Hartz-Empfänger den ganzen Monat arbeiten gehen? "Aufstocker" nennt man das und es wirkt sich natürlich super auf die Statistiken aus. Es übt aber auch Druck aus auf die Löhne.

Denken wir mal nach: Wie viele Niedriglohnempfänger wollen wir denn noch haben und wie tief dürfen die Löhne noch sinken?
Da ist mir die Aufregung - und gerade die der Gewerkschaften - aber noch deutlich zu leise.
Dr. Manfred Klein
1.398
Dr. Manfred Klein aus Gießen schrieb am 04.12.2010 um 00:12 Uhr
Es gibt aber jetzt doch genau diese Vergünstigung in Form von Gutscheinen zu Bildung, Kultur, Sport, Vereine...

Letztlich kann jeder etwas aus sich machen, warum sollen also Hartz IV-Bezieher besser dastehen, als die Erwerbstätigen? Viele Branchen haben schon einen Mindestlohn eingeführt, teilweise sogar freiwillig, da heißt es abwarten, was daraus wird...
Stefan Walther
4.537
Stefan Walther aus Linden schrieb am 04.12.2010 um 00:16 Uhr
Fakt ist: es gibt Menschen, die in Deutschland nicht genug zu essen haben!
Auf Tafeln angewiesen zu sein verstösst gegen die Menschenwürde!

Dem Populismus Arbeitslose und Arbeitende zu spalten treten wir entschieden entgegen! ir sind sowohl gegen prekäre Beschäftigung, Niedrigstlöhne...als auch gegen Hartz IV - Sätze von denen man nicht leben kann!

Ich lehne Aktionismus ab!Gerade die analysierten Hintergründe, die Umverteilung von unten nach oben haben dazu geführt = Organisierter Widerstand / Protest hat mit Aktionismus rein gar nichts zu tun! 6 Jahre Montagsdemonstrationen in über 100 Städten in Deutschland hat wohl wenig mit Aktionismus zu tun! Aber dies nimmt man im Elfenbeinturm wahrscheinlich nicht wahr, nur dann, wenn es den Medien mal gefällt drüber zu berichten, wie z.B. bei der alljährlichen Groß-Demo in Berlin im Oktober, wenn überhaupt...

Ein Wolkenkuckucksheim wo nicht nur nur Milch und Honig, eher Dividenden, Boni, Abfindungen, Diäten...fließen, dies gibt es sehr wohl, nur auf unsere Kosten!
Christian Momberger
11.211
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 04.12.2010 um 00:19 Uhr
Sehr gut Thorsten und Stefan!

> Es gibt aber jetzt doch genau diese Vergünstigung in Form von Gutscheinen zu Bildung, Kultur, Sport, Vereine...

Auch wenn davon irgendwas im Gesetz steht, ich habe noch nicht gesehen, wie das wirklich funktioniert und das die Menschen wirklich etwas davon haben, außer viel Bürokratie bei allen Beteiligten (GIAG, Vereine, Schulen, Hartz IV-Empfänger, etc.). Und von der Höhe ist es keinesfalls ausreichend!

> Letztlich kann jeder etwas aus sich machen,

Wenn er denn könnte. Besorgen Sie uns erst mal 5 Mio. reguläre und tariflich bezahle Vollzeitarbeitsplätze und dann können wir ja noch mal drüber reden, ob Ihre Aussage vielleicht Sinn macht. Die große Masse der Hartz IV Bezieher würde ja gerne Arbeiten, wenn Sie denn könnte.

> Viele Branchen haben schon einen Mindestlohn eingeführt, teilweise sogar freiwillig, da heißt es abwarten, was daraus wird...

Genau Herr Dr. Klein. Abwarten bis der Durchschnittslohn in Deutschland bei 7,- € oder weniger liegt, weil das Lohnniveau dank Hartz IV und Co. so massiv in den Keller gesunken hat und wir dann sogar günstiger alle alle Dritte-Welt-Länder ;-)
Sie können ja gerne auf die Wiederkehr des 19. Jahrhunderts warten, ich jedenfalls werde es nicht tun.
Dr. Manfred Klein
1.398
Dr. Manfred Klein aus Gießen schrieb am 04.12.2010 um 00:32 Uhr
Na, dann warten wir mal auf die Taten der Weltverbesserer, die nur meckern, aber keine Lösungen parat haben. Vielleicht sollte wirklich mal die Linke drankommen, ich bin sehr gespannt, was passieren würde...

Letztlich ist es so, dass wir in einem System stehen, was wenige Gewinner und viele Verlierer enthält, und solange dies Bestand hat und für wenige viel bringt wird sich auch nichts ändern, denn es gibt vermutlich auch Viele, die gar keine Änderung des System wollen, aber gerade diese Klientel hat die Macht, also schwere Zeiten für Weltverbesserer, die zu gutgläubig an schnelle Revolutionen glauben, eine Veränderung wird ein subtiler Prozess sein, der sich nur langsam, quasi ins Seinsgraden vollzieht und er, um mit Ernst Bloch zureden, auch in enttäuschter Hoffnung landen kann, fraglich ist dann, was man mit dieser enttäuschten Hoffnung anfängt...

Die Einsicht muss sich in den Regionen abspielen, die das "Weltkapital" beherrschen, ohne Einsicht kämpfen da selbst Götter vergebens!
Thorsten Lux
905
Thorsten Lux aus Gießen schrieb am 04.12.2010 um 00:34 Uhr
Weshalb eigentlich bloß Bildungsgutscheine? Lebensmittelgutscheine, Kleidungsgutscheine, Mietgutscheine währen doch auch gut geeignet um den Menschen zu vermitteln, dass man besser nachdenkt, ob man die einlöst und dabei die Gefahr eingeht über die "gewöhnliche Hetze" hinaus diskriminiert zu werden. Denn Kampagnen wie "Recht auf Faulheit", "Sozialschmarotzer" (erinnert mich immer an eine historische Bezeichnung) usw. usf. tragen natürlich ihre Früchte. Da fragt selten jemand wie das Leben ist, wenn der Arbeitsplatz gestrichen wurde, man alles veräußern muss wofür man sein Leben lang gearbeitet und gespart hat, der neue Arbeitsplatz nicht in Sicht ist, man seitens der Behörde bloß noch Adresslisten von Leiharbeitsfirmen bekommt, man den Politikern bloß noch als Feindbild dient, das man mediengerecht den Bevölkerungsteilen vermitteln kann, denen ihre Steuerabzüge weh tun,...

Ich bleibe dabei: Wer ohne eigene Not anderen nicht das Buch in der Hand, das Dach über dem Kopf, das Essen im Kühlschrank (...) gönnt, hat ein großes Problem - das sind aber nicht die armen Menschen, die es wagen im Rahmen der Gesetze weiterzuleben, obwohl es doch derzeit keinen existenzsichernden Job für sie gibt. Das mag "uneffektiv" gedacht sein, aber würde ich es anders sehen, hätte ich vermutlich ein größeres Problem mit mir selbst.
Stefan Walther
4.537
Stefan Walther aus Linden schrieb am 04.12.2010 um 00:50 Uhr
Jetzt wird`s doch wirklich konkret und interessant, Manfred!

wieso unterstellst du, dass wir nur "dagegen" sind, nur meckern, keine Lösungen haben? Die oben gemachten Forderungen sind doch positive Forderungen!? = ja, dies sind nur "Tagesforderungen", dies muss man auch betonen, und da scheiden sich oft die Geister!

du gibst selbst die Antwort, dadurch ändert sich natürlich nichts grundsätzlich, auch nicht wenn die LINKE dran wäre! Es ist auch eine reformistische Partei!

Ernst Bloch hat vollkommen Recht: es wird niemals eine schnelle Veränderung geben, niemals eine wirkliche Veränderung ohne oder gar gegen das Volk! Da muss man einen langen Atem haben...aber man muss auch Vertrauen in das Volk haben!
Dr. Manfred Klein
1.398
Dr. Manfred Klein aus Gießen schrieb am 04.12.2010 um 10:32 Uhr
...allerdings offenbar nicht umsetzbare, sonst hätte man das ja schon getan...
Antje Amstein
6.024
Antje Amstein aus Gießen schrieb am 04.12.2010 um 10:50 Uhr
Herr Dr.Klein, ich muß Ihnen widesprechen:Fakt ist, dass in Deutschland keiner hungern muss, außerdem gibt es doch noch die Tafeln, die zusätzlich Lebensmittel ausgeben... Ich verstehe da die ganze Aufregung wirklich nicht.
1.es gibt Menschen in Deutschland die hungern müssen, weil das Geld nicht ausreicht.Entweder sie heizen oder sie kaufen sich etwas zu essen!
2. Die Tafel kann nicht alle versorgen, in Gießen stehen ca. 300 Menschen auf der Warteliste.
Mit Gutscheinen werden die Menschen noch stärker stigmatisiert.
Dr. Manfred Klein
1.398
Dr. Manfred Klein aus Gießen schrieb am 04.12.2010 um 11:50 Uhr
Das Heizen bekommen sie seperat bezahlt, genauso wie Telefon, Fernsehanschluss, Miete etc.!
Stefan Walther
4.537
Stefan Walther aus Linden schrieb am 04.12.2010 um 11:52 Uhr
Manfred,
nicht "umsetzbare" Forderungen darf man nicht mit "noch nicht durchsetzbare" verwechseln, denn umsetzbar wären die Forderungen schon, nur ist das wie alles = eine Machtfrage!
Dr. Manfred Klein
1.398
Dr. Manfred Klein aus Gießen schrieb am 04.12.2010 um 12:38 Uhr
Vielleicht hilft euch der folgende link, wo ihr euch erstmal erkundigen könnt, bevor ihr euch nur rein emotional-unsachlich äußert (Motto: Hauptsache ist dafür sein, gegen etwas zu sein):

http://www.sozialleistungen.info/hartz-iv-4-alg-ii-2/alg-ii-leistungen.html

Darin steht allerdings, dass Telefon und Fernseher nicht inbegriffen ist, dahingehend korrigiere ich mich entsprechend.
Stefan Walther
4.537
Stefan Walther aus Linden schrieb am 04.12.2010 um 17:15 Uhr
Wo kommt eigentlich dein Hass her gegen sozial Schwache?

Schmarotzer, Drückeberger, Faulenzer, Arbeitsscheue...???
Und das alles zu Lasten der arbeitenden Bevölkerung ???

Wenn du auf diese Hetze / Meinungsmache reingefallen bist, dann habe ich dich total überschätzt!

Die, die das System ausnutzen sind ganz andere, die die trotz Nichtstun in Saus und Braus leben!

Und wie hat eine kürzlich stattgefundene Untersuchung festgestellt: in Deutschland ist verstärkt ein Klassenkampf von oben zu bemerken, gerade in so genannten gebildeten Kreisen, bei Managern aber auch unter Intellektuellen breitet sich eine Überheblichkeit gegenüber Arbeitslosen und sozial Schwachen aus, die nutzlos für die Wirtschaft seien....

Keine Bange, die Spaltung wird nicht gelingen, nicht nur weil so mancher in Brot und Arbeit stehende weiss, dass er vielleicht schon morgen zu der Gruppe der Bedürftigen (Leiharbeiter, Zeitarbeiter, Hartz IV-Empfänger..) zählen könnte wenn es z:B. seinem Unternehmen einfällt Leute zu entlassen und er mit viel Glück vielleicht einen Job in der neu gegründeten Leiharbeitsfirma bekommt....

Nebenbei: ich habe zwei erwachsene Söhne, die beide schon gezwungen(!) waren von Hartz IV zu leben, also erzähle mir nicht weiter solch einen Stuss
Dr. Manfred Klein
1.398
Dr. Manfred Klein aus Gießen schrieb am 04.12.2010 um 17:23 Uhr
@Antje Amstein Jeder Hartz IV kann doch auch noch etwas dazuverdienen. Außerdem wird im Härtefall mehr gezahlt, man muss es nur mal richtig lesen. Auf der richtigen Seite waren Sie ja schon.

Ich hasse im Übrigen weder Reiche noch Arme, daraum geht es nicht, ich versuche einen objektiven Standpunkt zu behalten. Die, die als reich bezeichnet werden sind eben auch nicht nur die Prügelknaben der Nation, nur weil ander evtl. nichts aus ihrem Leben gemacht haben. Einfaches schwarz-weiß-Denken (Reich=ungerecht und böse; Arm= unverschuldet und gut) ist da völlig fehl am Platz.
Stefan Walther
4.537
Stefan Walther aus Linden schrieb am 04.12.2010 um 17:35 Uhr
Das ist die Illusion des typischen Kleinbürgers, er schwankt ständig zwischen denen, die den Fortschritt repräsentieren, die, die heute noch die Unterdrückten sind. Auf der anderen Seite will er natürlich seine Privilegien, die er als Kleinbürger (z.B. Selbständiger) hat nicht aufgeben, obwohl er weiss, dass er gegen die Großen keine Chance hat.

Doch, Manfred, darum geht es: es gibt keine neutrale Position, man muss sich (früher oder später) entscheiden wo man steht! Auf der Seite der, ich sag`s mal mit deinen Worten "der Armen oder der Reichen", oder so wie ich es ausdrücken würde: auf der Seite derjenigen, die für den Reichtum sorgen, oder auf der Seite derjenigen die sich diesen Reichtum aneignen, da wird sich keiner "raushalten" können!

Und für mich hat einer "nichts aus seinem Leben gemacht" der auf Kosten anderer lebt!
Oliver Egginger
298
Oliver Egginger aus Gießen schrieb am 04.12.2010 um 22:02 Uhr
Folgendes fand ich erschreckend und bevor es "de-publiziert" wird:
http://ard-hauptstadtstudio.de/inland/deutschezustaende100.html
Stefan Walther
4.537
Stefan Walther aus Linden schrieb am 04.12.2010 um 22:57 Uhr
Ja, Oliver, danke für den Link, diese Studie hatte ich gemeint...
756
D. Theiß aus Lich schrieb am 05.12.2010 um 02:47 Uhr
Was unsere Regierung treibt und an ihrer Spitze unsere in der Öffentlichkeit sehr beliebte Frau Ursula von der Leyen grenzt fast schon an Rassenhygiene, man treibt die Menschen in die Armut um sich gleichzeitig selbst zu bereichern, es wird nicht mehr lange dauern dann wird man den Menschen die keine direkte Leistung mehr erbringen können wohl auch noch die ärztliche Hilfe verweigern. Eine Partei die das große “C“ in ihrem Namen trägt sollte sich schämen.
Wenn man zudem noch die Beiträge von dem Herrn Dr. Manfred Klein liest, da könnte man gerade einmal k…...
Herr Klein können Sie sich vorstellen dass es auch Personen im Vogelsberg gibt die Hartz IV Bezieher sind, weit ab von einer Stadt, ohne Busverbindung, ohne Einkaufsmöglichkeit, ohne irgendwelche Sporteinrichtungen wofür es Gutscheine geben soll, da sind Ortschaften mit zum Teil unter 400 Einwohner und da schwören sie auf das hohle Gerede von unserer Regierung? Dass es naive Menschen gibt ist mir schon bekannt, aber das jemand mit einem
Dr. vornedran auch dazu zählt das enttäuscht mich schon, von einem Akademiker hätte ich doch etwas mehr erwartet.
Wie aber schon ein Vorschreiber treffend bemerkte, man müsste sie auf Hartz IV Niveau setzen und ihren Wohnsitz in ein Dorf im Hohen Vogelsberg verlegen (ohne PKW) ein Hartz IV Empfänger braucht ja kein PKW, zudem müsste ihre Wohnung noch 5 Quadratmeter zu groß sein. Dann könnten sie endlich einmal richtig froh sein.
Dr. Manfred Klein
1.398
Dr. Manfred Klein aus Gießen schrieb am 05.12.2010 um 09:00 Uhr
Eigenes Denken zu vertreten ist eben problematisch und man steht auch mitunter mit seiner Meinung alleine da, damit leben Philosophen schon seit Sokrates, das belastet mich inkeiner Weise.

Jedenfalls ist das kein Grund, sich dem unüberlegten Einheitsblabla anzuschließen, nur weil man dann keine Schelte bekommt und sich sogar unter "Gleichgesinnten" suhlen kann.

Die Zeiten, wo man die Leute in die Pampa verbannte sind leider vorbei, da muss ich Sie enttäuschen, Herr Theiß... aber dennoch empfehle ich Ihnen mal das selbständige Denken, so wie das Immanuel Kant vorschlug...
Stefan Walther
4.537
Stefan Walther aus Linden schrieb am 05.12.2010 um 09:42 Uhr
Nun Manfred, jedem seine Meinung, dies ist die eine Seite, aber sich mit Argumenten der anderen auseinandersetzen ist doch nicht zuviel verlangt!?

Es gibt sicher Ausnahmen, im Normalfall sollte man aber nicht stolz darauf sein als einziger eine andere Meinung zu haben! Vielleicht haben ja doch die anderen Recht, zumindest sollte man dies in Betracht ziehen und sich damit beschäftigen!

Und der überwältigenden Mehrheit dann abzusprechen, dass sie selbständig denken kann, ist die Arroganz des kleinbürgerlichen Intellektuellen, meist dann, wenn er nur noch seinen eigenen kleinen Freiraum verteidigen will....obwohl er genau weiss, dass er zwischen allen Stühlen sitzt!
Antje Amstein
6.024
Antje Amstein aus Gießen schrieb am 05.12.2010 um 10:42 Uhr
Herr Theiß, traurig aber war es gibt viele Alg II Empfänger auf dem Land. Viele von ihnen haben ein Leben lang gearbeitet und sind auf Grund von Krankheit oder weil sie zu alt waren ohne Job.

Herr Dr. Klein versteht uns schon,es ist die angst das einem gleiches wiederfahren könnte, deshalb wehren sich viele dagegen. Die kleine "heile Welt" ist unantastbar.
http://www.schulfach-ethik.de/ethik/Gymnasium/grundfragenethik.htm

Rentner die ihre Rentenpunkte, durch Langzeitarbeitslosigkeit verloren haben rutsche trotz Grundsicherung in die Armut. Die Grundsicherung wird nach SGB XII gezahlt hat aber die selbe höhe wie Alg II. Die Kranken und Alten können sich nur mit hohen Aufwand und verzicht auf Nahrung oder Medizin über Wasser halten.

Herr Theiß,"es wird nicht mehr lange dauern dann wird man den Menschen die keine direkte Leistung mehr erbringen können wohl auch noch die ärztliche Hilfe verweigern." durch die Gesundheitsreform ist dass seit Jahren schon "Gang und Gebe". Behinderte und schwerst Kranke finden oft keine Ärzte weil sie zu teuer sind. Termine für Lebenswichtige Untersuchungen werden verweigert oder auf viel später verschoben weil die Krankenkassenzugehörigkeit eine verkehrte ist. Ich bin in der AOK und nicht in einer Partei.
Unsere Regierung hat letztes Jahr versucht einen Teil der teuren Patienten zu selektieren siehe Schweinegrippeimpfung! Hat zum Glück nicht gut funktioniert. Sie haben sich dadurch selbst geschadet, viele haben einen Impfschaden und fallen dem System noch mehr zur Last.
Christian Momberger
11.211
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 05.12.2010 um 11:35 Uhr
Also auch finde die Kommentare eines Herr Dr. Klein ungeheuerlich und kann mich der mehrfach geäußerten Kritik und den Kommentare von Stefan, Herrn Theiß und anschließen. Auch ich verstehe nicht woraus Sie schließen Herr Klein, dass Herr Theiß nicht nachgedacht haben könnte bevor er hier etwas geschrieben hat. Vielleicht hat er sich sogar mehr (reale) Gedanken gemacht als Sie und ist eben schon früher zum Baum der Erkenntnis gelangt als Sie. Ich denke Stefan hat es treffend geschrieben, es ist nicht zu viel verlangt sich mit den Argumenten der Gegenseite auseinanderzusetzen. Und am Ende muss sich in der Tat jeder, auch Sie Herr Klein, entscheiden, auf welcher Seite er steht/stehen will. Denn die Klassengegensätze sind keineswegs entfallen, sondern immer noch und sogar verschärft da. Daher sollte sich jeder die Frage stellen, möchte er Kapitalist oder Antikapitalist sein, möchte er sozial oder a-sozial sein. Danke daher Herr Eginer für den Link. Die Ergebnisse der Studie erklären in der Tat das verhalten vieler Menschen hier in unserem Land und wohl auch dass eines Herr Klein.
756
D. Theiß aus Lich schrieb am 05.12.2010 um 12:46 Uhr
Hr. Dr. Klein, ich sehr wohl nachgedacht und was viel wichtiger ist ich habe Rückgrat und lasse mich nicht verbiegen, wenn sie auch ein Dr. vor ihrem Namen stehen haben so bin ich noch immer der Meinung, allein ein Dr. genügt nicht um solch einen Unsinn von sich zu geben.
Sie glauben wohl, alle, außer ihnen wären nicht in der Lage sich eine Meinung zu bilden, das sind wir schon, nur allein schon dadurch das manche Schreiber mehr Lebenserfahrung besitzen wie Sie, auch ein Hr. Dr. Klein muss es wohl schon bemerkt haben, das es in unserem Lande schon lange nicht mehr stimmt, das sich die so genannten Volksvertreter benehmen wie in einem Selbstbedienungsladen, sie dabei aber außer acht lassen was ihre eigentliche Aufgabe ist (das Volk zu vertreten) was aber wird getan? Die Kriminellen Manager werden unterstützt und es wird von unten nach oben verteilt, das dürfte aber manchem kleingeistigen nur recht sein.
Ihnen Hr. Dr. Klein wünsche ich von Herzen, dass Sie oder jemand aus ihrem näheren Umfeld einmal in den Genuss kommt mit einem Hartz IV Einkommen auskommen zu müssen und das Sie oder jemand aus ihrem näheren Umfeld sich dann auch noch mit der Krankenversorgung auseinandersetzen muss. (Zuzahlung für Lebenswichtige Medikamente)
Hr. Dr. Klein wer jetzt von uns nur das Einheitsblabla plappert dürfte hiermit erwiesen sein.
Es ist sicherlich sehr leicht mit einem mehrfachen Hartz IV Einkommen zum Sparen aufzurufen, sowie es unsere “Volksvertreter“ tun, nur ist dieses leider sehr Realitätsfremd.
Christian Momberger
11.211
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 05.12.2010 um 13:20 Uhr
Sehr gut Herr Theiß!! Ganz meiner Meinung!
Oliver Egginger
298
Oliver Egginger aus Gießen schrieb am 05.12.2010 um 15:43 Uhr
Hier der "Weihnachtsgruß" unserer Kanzlerin an die Hartz IV-Empfänger: http://tinyurl.com/2wc89jy

Wir müssen damit aufhören, immer von DEN Hartz IV-Empfängern zu reden. Dahinter stehen Menschen und jeder davon hat ein anderes Schicksal. Es ist ein sensibles Thema, das Allgemeinplätze nicht verträgt. Äußerungen wie die der Kanzlerin wirken daher nicht selten zynisch. Sie sind aber ganz bestimmt nicht zynisch gemeint!
Dr. Manfred Klein
1.398
Dr. Manfred Klein aus Gießen schrieb am 07.12.2010 um 13:31 Uhr
Sehen Sie, Herr Momberger, Kapitalismus ist wertneutral, es ist zunächst mal eine Wirtschftsform; durch den Wegfall der sog. sozialisten Staaten (um 1990) ist ein Wirtschaftssystem mutiert, was die sozialen Schranken immer mehr abbaut, dies betrifft aber nicht nur die Gruppe der Hartz IV- und Alg(-er).

Das Hauptziel eines Unternehmens (nämlich Gewinn zu maximieren) schägt immer mehr durch und auf der Strecke bleiben die Schwachen, dieser Trend wird sich weiter zuspitzen (Stichwort absackender Mittelstand).

Daraus resultiert das Problem, dass die Sozialkosten nicht mehr zu bewältigen sein werden, denn ganz oben auf der Liste der Regierung steht Schuldenabbau, kurz und gut, für sozialen Ausgleich bleibt da nicht viel über.

Die Situation ist auch nicht auf Deutschland begrenzt, sondern wir global ausgetragen und solange sich die Ungleichheit der Meinungen im Bezug auf Soziales und die Ungleichzeitigkeit des Wirtschaftsystems auf die Welt verteilt, können Sie Ihre Sozial-"gerechten"-Träume bestenfalls als "Tagträume des Aufrechten Gangs" (Ernst Bloch) ansehen...leider, leider, leider, kann ich dazu nur sagen...
Stefan Walther
4.537
Stefan Walther aus Linden schrieb am 07.12.2010 um 19:25 Uhr
Manfred, ich weiss nicht was du unter "wertneutral" verstehst.
Für mich ist der Kapitalismus in erster Linie ein Gesellschaftssystem, so wie es davor (wenn man von geschichtlichen Zusammenhängen ausgeht) der Feudalismus war, und, so behaupte ich, als nächste Stufe der Sozialismus (das müssen wir jetzt nicht diskutieren!) sein wird....

Ja, du hast vollkommen Recht, man darf das bei allem was man fordert (innerhalb des jetzigen Systems) nicht vergessen und verschweigen. Denn eine wirkliche Gerechtigkeit wird und kann es jetzt nicht geben! Trotzdem ist es richtig auch für Verbesserungen innerhalb dieses Systems sich zu engagieren und nicht einfach zu sagen "warten wir ab, bis wir den Kapitalismus abgeschafft haben". Denn dann wird gar nichts passieren, er verschwindet nicht von selbst, so wie das davor existierende Gesellschaftssysteme auch nicht taten!

Ja, sicher, es ist ein weltweit ausgetragener Konkurrenzkampf der Kapitalisten untereinander, längst spielen da Nationalstaaten nur noch eine untergeordnete Rolle. Das bedeutet auch, dass Kürzung von Sozialleistungen kein nationales Phänomen darstellen, in Europa sind sich z.B.alle Regierenden einig, die Krisenlasten auf Arbeiter, Rentner, Familien, Arbeitslose...sprich auf die sozial Schwächeren abzuwälzen.

Der Mittelstand wird bei Zuspitzung dieser Verhältnisse in großem Umfang in die Masse der sozial Schwachen gestossen.

Nur (wieder:-)) am Rande: der Sozialismus ist lange vor 1990 vorübergehend "gescheitert", aber auch hier gebe ich dir Recht: Die Herrschenden glauben sich heute (seit 1990) hinstellen zu können "Seht, das einzige System was überleben kann ist der Kapitalismus" = und damit wird alles, auch die Kürzungen im sozialen Bereich, begründet!

Aber, dass sie solche Mittel einsetzen müssen, dass sie im ständigen internationalen Konkurrenzkampf (bis hin zu Kriegen) stehen, dass sie die Völker gegen sich aufbringen...=dies zeigt auch ihre Schwäche und das ihre geschichtliche Daseinsberechtigung längst abgelaufen ist!
Dr. Manfred Klein
1.398
Dr. Manfred Klein aus Gießen schrieb am 07.12.2010 um 22:59 Uhr
Kapitalismus ist ein Wirtschaftssystem und kein Gesellschaftssystem (was immer auch ein Gesellschaftssystem ist), wertneutral ist es, weil es lediglich die Beziehung der Wirtschaftssubjekte untereinander regelt, das ist weder gut noch schlecht an sich.

Wobei ein W-System dann gut oder schlecht bewertet werden kann, wenn sich z. B. um eine Freie oder eine Soziale Marktwirtschaft handelt. In ersterer herrscht der freie Markt mit allseinen unangenehmen Wirkungen, während in der Soz. MW diese unterdrückt werden soll. Leider haben wir diese Reinform heute nicht mehr, denn das Wachstum der Wirtschaft kommt nicht jedem zugute.
Stefan Walther
4.537
Stefan Walther aus Linden schrieb am 08.12.2010 um 17:37 Uhr
Gut, Manfred, das sehe ich grundsätzlich anders:
durch die wirtschaftlichen Beziehungen, zum Beispiel im Kapitalismus, Arbeit und Kapital, werden auch zwangsläufig die gesellschaftlichen Beziehungen geregelt. Der Arbeiter ist abhängig vom Kapitalisten ohne den er nicht leben und überleben kann, er verkauft seine Arbeitskraft dafür und vor allem um dem Unternehmer seinen Profit zu ermöglichen....

Dies hat enorme gesellschaftliche Auswirkungen:
vieles kann sich dadurch der Arbeiter, und nicht nur er, einfach nicht "leisten" um am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Er verbringt in erster Linie sein Leben mit Arbeit und/oder der Suche danach.

Wieso ist das "wertneutral"? Es ist doch relativ einfach: für den Arbeiter ist das schlecht, für den Kapitalisten ist das gut (um bei deinen Worten zu bleiben) und wie heißt es: "Solange der Lohnarbeiter Lohnarbeiter ist, solange ist er nicht frei!"

Es gibt auch keinen grundsätzlichen Widerspruch zwischen der so genannten "sozialen" Marktwirtschaft und einer "freien" Marktwirtschaft!
Marktwirtschaft bleibt Marktwirtschaft, das Abhängigkeitsverhältnis ist das gleiche. Der Begriff der "sozialen" Marktwirtschaft ist eine Wortschöpfung der Nachkriegszeit, mehr nicht, und nicht umsonst haben große Teile der Gewerkschaften ihn als Irreführung über die tatsächlichen gesellschaftlichen Verhältnisse abgelehnt! In Zeiten der Hochkonjunktur gibt sich der Kapitalismus etwas "sozialer", es gibt ein paar Reförmchen von oben, in Zeiten der Krise (oder Nachkrisenzeiten) werden die Daumenschrauben angelegt und die Reformen wieder rückgängig gemacht oder sogar die Sozialleistungen noch weiter wie vorher zurückgefahren. Das Wachstum der Wirtschaft kam noch nie "jedem" zugute, nur dass die Schere zwischen arm und reich nicht soweit auseinander war! Der "freie" Markt hat noch nie, erst recht nicht heute, geherrscht, im Gegenteil, die Ausplünderung des Staates durch die Wirtschaft (Steuerrückzahlungen, Subventionen...) ist seit je her gängige Praxis gerade derjenigen, die am lautesten auf den "Sozialstaat" schimpfen, das ist pure Heuchelei!

Und zu guter letzt: es ist vor allem ein Gesellschaftssystem weil es immer in einem Staat um Machterhaltung und Ausübung geht, die wirtschaftlichen Verhältnisse sind nur ein Spiegelbild dessen. Wenn der Staat beschließt Milliarden für Banken und Konzerne bereitzustellen und gleichzeitig Sozialleistungen kürzt...dann geschieht dies im Auftrag des "Wirtschaftssystems" das mit allen Mitteln erhalten und gerettet werden soll.
Dr. Manfred Klein
1.398
Dr. Manfred Klein aus Gießen schrieb am 08.12.2010 um 18:01 Uhr
ich empfehle dir dringend ein Lehrbuch für kaufmännische Berufe, weil da bereits dieses betriebswirtschaftlich/volkswirtschaftliche Grundwissen bestens erklärt ist.

Wenn die soz. MW so schlecht war ist und sein wird, dann verstehe ich die Zahnlosigkeit des Tigers nicht, der sich Gewerkschaft nennt, aber wahrschinlich gibt's dort auch zu viele, die nur an sich denken und kassieren, anstatt auf die soziale Pauke zu hauen...
Stefan Walther
4.537
Stefan Walther aus Linden schrieb am 08.12.2010 um 20:34 Uhr
was ist das denn für eine überhebliche Antwort? Geh`n dir die Argumente aus?
die "Fachidioten", die Mode-Studenten der Betriebs- und Volkswirtschaft sollen mir/uns Wirtschafts- und Gesellschaftssysteme erklären? Die während ihres ganzen Studiums nie über das kapitalistische System hinaus studieren?
Schade, die Diskussion fing gerade an etwas an Niveau zu gewinnen...

Ja, von der Erkenntnis zur Aktivität ist es ein langer, für manche auch unbequemer Weg, aber deshalb muss es nicht falsch sein Aktivität zu fordern....und Ironie und Arroganz hilft da auch wenig. Es gibt sie, die die nur an sich denken und kassieren, das darf man nicht vertuschen, aber das sind doch nur Einzelne und keine Erklärung für die "Zahnlosigkeit". Man kann es den Menschen, auch in der Gewerkschaft, nicht verdenken denn sie sind ja so erzogen, viele warten, dass jemand (die Führung) etwas FÜR sie tut, statt selbst etwas zu tun....
Dr. Manfred Klein
1.398
Dr. Manfred Klein aus Gießen schrieb am 08.12.2010 um 21:59 Uhr
Das hat nichts mit Überheblichkeit zu tun, sondern mit der Wahrheitsfindung, dazu widerum gehört eine klare Verwendung von Begriffen.

Wenn das für dich anders rüberkam tut es mir Leid, es ist nicht wertend gemeint!
Stefan Walther
4.537
Stefan Walther aus Linden schrieb am 09.12.2010 um 19:32 Uhr
Okay, angenommen!

nur, ich lasse mich nunmal nicht auf diese vorgegebenen Begriffe festlegen wenn sie meiner Ansicht nach falsch und irreführend sind.
Dr. Manfred Klein
1.398
Dr. Manfred Klein aus Gießen schrieb am 10.12.2010 um 02:08 Uhr
Wenn man etwas erklären bzw. verständlich machen will, müssen die Begriffe klar und der Sache angemessen verwandt werden, das ist basale philosophische Arbeit und Exaktheit.
Stefan Walther
4.537
Stefan Walther aus Linden schrieb am 10.12.2010 um 07:51 Uhr
Manfred, du solltest andere Meinungen akzeptieren, nicht teilen...

die "soziale" Marktwirtschaft ist eine Irreführung, dabei bleibe ich, wie so viele..

und, ein letztes Mal: ich lasse mir von bürgerlichen "Wissenschaftlern" keine Begriffe vorschreiben wenn ich sie für falsch halte

nebenbei, "gelernt" habe ich den Beruf des BüroKAUFMANNS :-)
Dr. Manfred Klein
1.398
Dr. Manfred Klein aus Gießen schrieb am 10.12.2010 um 13:21 Uhr
Es geht nicht darum, was die soz. MW war ist und sein wird, sondern um den Begriff, dass sie sicher nicht mehr den Stellenwert genießt, den sie einmal hatte, ist klar, habe ich ja auch angedeutet.

Ich will Meinungen nicht nur akzeptieren, sondern auch von ihnen lernen, dazu muss aber das Verstehen an oberster Stelle stehen, obwohl man, mit Wittgenstein gesagt, nie wissen kann, ob der andere verstanden hat...
Stefan Walther
4.537
Stefan Walther aus Linden schrieb am 10.12.2010 um 15:37 Uhr
Es geht mir/hier nicht nur um Begriffsbestimmungen, den Inhalt zu diskutieren wäre etwas was uns/die Leser viel mehr voranbringen könnte!

Du weichst meinen/unseren Fragen und Feststellungen mit "Definitionen" aus:
- gibt es den Widerspruch "Arbeit und Kapital" denn in (deiner) der "sozialen" Marktwirtschaft nicht?
- haben die Kapitalisten nicht schon immer, z. B. durch Subventionen, den Staat (sprich mit unseren Steuergeldern) geplündert?
- ist der Staat mit seinem Gewaltmonopol nicht dazu da die herrschenden Verhältnisse aufrecht zu erhalten, sprich die politische und wirtschaftliche Macht der Konzerne und Banken zu sichern?

Na gut, dann mal etwas anders bezüglich "Wahrheitsfindung" und "philosophische Arbeit":

Die Frage, ob dem menschlichen Denken gegenständliche Wahrheit zukomme - ist keine Frage der Theorie, sondern eine praktische Frage. In der Praxis muss der Mensch die Wahrheit, d.h. Wirklichkeit und Macht, die Diesseitigkeit seines Denkens beweisen. Der Streit über die Wirklichkeit des Denkens - das von der Praxis isoliert ist - ist eine rein scholastische Frage.
( Thesen über Feuerbach, MEW 3.5)

Es ist die alte Illusion, dass es nur vom guten Willen der Leute abhängt, die bestehenden Verhältnisse zu ändern...Diese ideelle Erhebung über die Welt ist der ideologische Ausdruck der Ohnmacht der Philosophen gegenüber der Welt. Ihre ideologischen Prahlereien werden jeden Tag durch die Praxis Lügen gestraft.
( Die deutsche Ideologie, MEW 3.363)
Dr. Manfred Klein
1.398
Dr. Manfred Klein aus Gießen schrieb am 11.12.2010 um 08:52 Uhr
Das lässt sich mit einem Satz sagen: Der Fehler ist unser jetziges System, aber wer vermag es zu kippen?
Stefan Walther
4.537
Stefan Walther aus Linden schrieb am 11.12.2010 um 14:26 Uhr
Gute Frage!

Es wird, wie bei vorangegangenen (gekippten) Systemen auch, keine Veränderung ohne oder gar gegen das Volk geben. Man muss Geduld und Vertrauen haben.
Christian Momberger
11.211
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 01.01.2011 um 16:30 Uhr
In der Tat eine sehr gute Frage Herr Dr. Klein, denn tatsächlich ist der Fehler das System! Ich denke alles braucht seine Zeit, aber langfristig wird die Veränderung hin zu einem besseren System kommen. Stefan hat also recht.
Oliver Egginger
298
Oliver Egginger aus Gießen schrieb am 02.01.2011 um 20:36 Uhr
Das Problem ist nur, dass Herrn Dr. Klein ein deutlich anderes System vorschweben dürfte als Ihnen Herr Momberger. Immerhin bietet unser jetziges System die Möglichkeit Konflikte zivilisiert auszutragen.
Stefan Walther
4.537
Stefan Walther aus Linden schrieb am 02.01.2011 um 20:51 Uhr
Was die Meinung von Manfred (Dr.Klein) betrifft, Oliver, da wäre ich mir an deiner Stelle nicht so sicher :-))

für ihn sind es "Visionen" wie für viele Philosophen, das heißt aber noch lange nicht, dass er nicht auch für ein gerechteres System wäre! Allein der oft erwähnte Ernst Bloch unterstreicht dies.

beantworten kann Manfred dies natürlich nur selbst, aber: nicht zu voreilig, und vor allem nicht "über den Kopf des Betroffenen hinweg", urteilen :-)
Walther Süßkind
1.144
Walther Süßkind aus Heuchelheim schrieb am 03.01.2011 um 20:25 Uhr
Herr Walther mit ihrer meinung bin ich nich eiverstanden.
Olivers meinung finde ich gut.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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Herzlichst, Ihr(e) Thorsten Lux

von:  Thorsten Lux

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Thorsten Lux
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