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Stuttgart 21- Sumpf im“geschlossenen Datenraum”!

von Antje Amsteinam 23.11.20103294 mal gelesen3 Kommentare
Gießen | Die Bahn will die geologischen Gutachten zu Stuttgart 21 unter allen Umständen geheim halten. Die in den Schlichtungs- gesprächen geforderte Einsicht will sie nur in einem “geschlossenen Datenraum” gewähren, nur einzelnen Experten, die zuvor eine Vertraulichkeitserklärung unterschreiben müssen, die jegliche Nutzung der Erkenntnisse ausschließt. Genauer heißt es in diesem Vertrag, dass Informationen an niemanden, auch nicht an andere Teilnehmer der Schlichtung und auch nicht an den Schlichter Heiner Geißler weitergegeben werden dürfen. Zu- widerhandlung innerhalb der nächsten 30 Jahre ist mit einem Strafgeld von 500.000 € belegt. In der Schlichtung verwendet werden dürfen nur “aggregierte Ergebnisse”, die durch die Bahn freigegeben wurden. Das schließt eine sinnvolle, fachlich fundierte Diskussion über die Geologie in den Schlichtungs- gesprächen aus. Die Bahn weigert sich, Unterlagen zur Geologie sinnvoll bereitzustellen und wird hierin vom Land Baden-Württemberg unterstützt.
Geißler droht daraufhin mit dem Abbruch der Gespräche. Geologische Risiken dürfen kein Geheimnis sein. Die Öffentlichkeit hat Anspruch darauf.”
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Zur der ständig angeführten positiven Ökobilanz kann die Bahn weder Zahlen noch Fakten vorlegen. Die Experten verlieren sich in allgemeinen Betrachtungen zur Öko- bilanzierung des Bahnverkehrs. Damit geben sie die Aussage von Bahn und Land, dass es sich bei Stuttgart 21 um das ökologischste Großprojekt handelt, der Lächerlichkeit preis. Geißler fasste dies zusammen, dass K21 ökologischer sei als S21. Nachdem Geißler mehrfach bezweifelte, dass bei diesen Preisen eine andere Bebauung als “Klein-Manhattan” möglich wäre, führte Bürgermeister Hahn an, dass der bezahlte Preis nicht 1:1 weitergegeben werden müsse. Stocker stellte fest, dass hiermit Stuttgart 21 massiv subventioniert worden sei. Dies ist ein weiterer Beweis für die Verschleierung der realen Projektkosten. Rockenbauch legte dar, dass, wenn K21 statt S21 umgesetzt würde, durch eine Rückgabe der bei K21 verbleibenden Gleisflächen an die Bahn eine Möglichkeit, die vertraglich garantiert ist Stuttgart schuldenfrei wäre. Die Verschuldung der Stadt Stuttgart betrug zum 31.12.2009 417 Mio. Euro, die Rückgabe aller Grundstücke an die Bahn würde über 800 Mio. Euro erbringen. Während die Bahn die Risiken beim Tunnelbau für technisch beherrschbar hält und eine Gefährung des Mineralwassers "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" ausschließt, sehen Fachleute der Gegenseite ihre Befürchtungen nicht ausgeräumt. Die Bahn hat nach den Worten des Tunnelplaners Walter Wittke für Stuttgart 21 rund 1900 Erkundungsbohrungen vornehmen lassen. Aufgrund der daraus gewonnenen Erkenntnisse sowie der Erfahrungen bei anderen Tunnelprojekten in Stuttgart halte er die geologischen Risiken des Projekts für "vernachlässigbar", so Wittke. Für die als besonders problematisch geltenden Tunnelbohrungen durch den sogenannten unausgelaugten Gipskeuper durch diese quellfähige Gesteinsschicht verlaufen der geplante 9,5 Kilometer lange Fildertunnel vom Bahnhof zum Flughafen sowie die Röhren nach Feuerbach, nach Bad Cannstatt und Untertürkheim – habe man Vorkehrungen getroffen. Die Tunnel würden in Trockenbauweise gegraben, außerdem würden einzelne Bauabschnitte durch Abdichtungsmanschetten aus Beton gegen Wassereintritt geschützt. "Wir haben eine Doppelsicherung eingebaut - sozusagen Gürtel und Hosenträger", erläuterte Wittke. Bei den Tunnels nach Cannstatt und Feuerbach will die Bahn dem Druck durch quellendes Gestein mit eine Knautschzone vorbeugen, die Hebungen der Tunnelsohle ohne Schäden an der Röhre ermöglichen soll. Wittke dementierte auch Befürchtungen, wonach es beim Bau der geplanten ICE-Trasse Wendlingen- Ulm durch Karstgestein zu Wassereinbrüchen kommen könne. Eventuell auftretende Hohlräume in den Tunnels unter der Schwäbischen Alb würden mit Stahlbetonbrücken überspannt oder verfüllt. Für die Projektgegner machte der Tübinger Geologe Jakob Sierig deutlich, dass Wassereinbrüche beim Graben durch anhydrithaltige Schichten nie auszuschließen seien. Das Mineral Anhydrit quillt beim Kontakt mit Wasser auf wie Hefeteig; das umgebende Gestein kann dadurch sein Volumen um bis zu 60 Prozent vergrößern. Insbesondere beim Fildertunnel, aber auch beim Tunnel nach Feuerbach werde es nach seiner Erfahrung "mit Sicherheit" zu Wassereinbrüchen kommen. Sierig sagte, im Raum Stuttgart seien bisher nur bei zwei der insgesamt 14 durch quellfähiges Gestein gebauten Röhren keine Probleme aufgetreten. Er warnte vor Mehrkosten durch aufwändige Tunnelsanierungen. Die geologischen Risiken für die Tunnelbauten des Bahnprojekts Stuttgart 21 sind laut einem Experten der Projektträger zu vernachlässigen. Das Problem der Tunnelarbeiten ergibt sich vor allem aus dem hohen Anteil des Materials Gipskeuper im Stuttgarter Untergrund. Kommt dieses mit Wasser in Verbindung, quillt es auf. "Wir werden dieses verhindern", sagte Ingenieur Walter Wittke für die Projektträger am Samstag in der sechsten Schlichtungsrunde zu dem Bauvorhaben. Er wies darauf hin, dass der Boden umfangreich erkundet worden sei. So seien für das Gesamtprojekt Stuttgart 21 etwa 1.500 Bohrungen durchgeführt worden. Auf der Seite der Projektgegner argumentierte Geologe Jakob Sierig jedoch, dass es bislang noch nie gelungen sei, einmal begonnene Quellungen zu stoppen. In einem solchen Fall würden für entsprechende Gegenmaßnahmen hohe Zusatzkosten fällig.
Ein weiteres Thema war die mögliche Gefährdung der Mineralwasser- vorkommen, von denen Stuttgart europaweit am zweitmeisten hat. Ingenieur Walter Lächler erklärte, dass die Tunnelbauten das Mineralwasser nicht berührten.Wie sicher sind die Mineralquellen? Die Gefahr eines Versiegens der Stuttgarter Mineralquellen durch den Bau der Betonwanne für den Tiefbahnhof besteht nach Ansicht des Bahngutachters Walter Lächler vom Ingenieurbüro Smoltczyk und Partner nicht. Der Abstand zwischen dem Tiefbahnhof und den Mineralwasser führenden Gesteinsschichten betrage 45 Meter. Das schrittweise Abpumpen des Grundwassers für die Baugrube und dessen anschließende Infiltration in den Boden stelle zudem sicher, dass der Druck auf die darunter liegenden Gesteinsschichten stabil bleibe. Nach Angaben der Projektgegner sieht der Planfeststellungsbeschluss für Stuttgart 21 vor, im Notfall Trinkwasser in die direkt über dem Mineralwasser liegende Gesteinsschicht zu pumpen; dies könne zu Verunreinigungen führen. Der Architekt Peter Conradi (SPD) sprach von "Pantscherei", Bahn-Justiziar Josef-Walter Kirchberg konterte, ein solcher Notfall sei "nicht zu erwarten". Für Tübingens OB Boris Palmer (Grüne) steht dennoch fest: "Bei unserer Alternative K 21 ist das Risiko gleich null." Überraschend präsentierte die Bahn gestern auch ein Dokument über die Statik des Bahnhofsturms aus dem Jahr 1914. Daraus gehe hervor, dass der mehr als 10.000 Tonnen schwere Turm nicht auf Holz-, sondern auf Eisenbetonpfählen steht. Die Projektgegner hatten bis dato unter Verweis auf eine bahneigene Festschrift zum 65-jährigen Bestehen des Bahnhofs argumentiert, der Turm sei auf 290 Eichenpfählen gegründet, die durch das Absenken des Grundwassers von Fäulnis bedroht seien. Dies gefährde die Stabilität des Bauwerks. Allerdings konnte die Bahn nicht von sich weisen, dass es - wenn auch kleine - Risiken gibt. Dabei hatte Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU) angekündigt, die Stadt würde bei einer solchen Gefahr aus dem Projekt aussteigen. Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) warb deshalb noch einmal für den Erhalt des Kopfbahnhofs: "Wenn man das Risiko vermeiden kann, sollte man nicht im Untergrund rumbohren. Bei einer konkreten Gefahr würde die Stadt notfalls auch einen “vorläufigem Baustopp” einfordern.
Quellen: Parkschützer;Stern

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Kommentare zum Beitrag

Christian Momberger
11.206
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 28.11.2010 um 22:32 Uhr
Danke für die vielen Infos. Die ein oder andere Absatzmarke hätte dem Artikel und dessen Lesbarkeit sicherlich gut getan. Und dann hätten sie auch bemerkt, das manches doppelt geschrienen wurde.

Der Bericht zeigt einmal wieder, dass die Bahn etwas zu verbergen hat, was bei Bekanntwerden sofort zu einem Stopp des Projektes führen wird.
Antje Amstein
6.024
Antje Amstein aus Gießen schrieb am 29.11.2010 um 09:03 Uhr
Danke, für die Kritik, ich übe noch! ;-)
H. Peter Herold
28.143
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 02.12.2010 um 15:44 Uhr
Geheimniskrämerei, was solls
Hallo Lieber Leser
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