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Ein Holocaust-Überlebender lässt Geschichte in Gießen lebendig werden

von Ralf Tibusekam 27.10.20101332 mal gelesen2 Kommentare
Gießen | Um die Zukunft zu gestalten, muss man die Vergangenheit verstehen
Ein Holocaust-Überlebender lässt Geschichte in Gießen lebendig werden

Als die Nazis in Polen einmarschieren, ist Michael Stolowitzkys Vater gerade geschäftlich in Paris. Ihm gelingt es nicht mehr, seine Familie aus dem besetzten Warschau heraus zu holen. Ob er noch vom krankheitsbedingten Tod seiner Frau erfahren hat, weiß man nicht. Michael Stolowitzkys Vater sieht seine Familie nicht wieder, er wird in Auschwitz ermordet. Dieses Schicksal hätte auch dem dreijährigen Michael gedroht. Als jüdisches Kind hätte er ins Warschauer Ghetto ziehen müssen – was höchstwahrscheinlich seinen Tod bedeutet hätte. Doch davor bewahrt ihn Gertruda, die fromme katholische Kinderfrau der Stolowitzkys. Sie gibt Michael als ihr eigenes Kind aus, behütet und versteckt den Jungen durch die Kriegswirren. Um ein Versprechen an die Mutter einzuhalten, versucht sie Michael Stolowitzky nach Palästina zu bringen – und geht an Bord eines Fährschiffes, das auf jener Reise unter dem Namen Exodus traurige Berühmtheit erlangen sollte. Doch Gertruda kann das Überleben von Michael sichern.
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Stolowitzky (1)ricarda-huch-schule (15)Liebigschule (16)Lesung (252)Holocaust (11)Herderschule (23)Gesamtschule Ost (1)Brunnen Verlag (15)August-Hermann-Francke Schule (174)
Um die Vergangenheit lebendig zu machen und einen Nutzen daraus für die Zukunft zu ziehen – dafür reicht das Vermitteln von nackten Daten und Fakten nicht aus. Geschichte lebt von Menschen, von persönlichen Erfahrungen und Berichten. Ist Schlimmes geschehen, fällt dieses Berichten jedoch schwer. Der heutige US-Amerikaner Michael Stolowitzky hat Schlimmes in seinem Leben erfahren müssen. Er war Verfolgter des Nazi-Regimes. Seine Familie ist im Holocaust umgekommen. Sein Überleben grenzt an ein Wunder. Doch darüber hat Stolowitzky jahrzehntelang nie gesprochen. Es hat gedauert, bis er dazu in der Lage war.
Allerletzten Anstoß hat dazu vielleicht der israelische Anwalt, Journalist und Buchautor Ram Oren gegeben. Ihm erzählte Stolowitzky seine Geschichte – und Oren, der „israelische John Grisham“, machte sie zum Inhalt seines neuen Buches: „Für dich habe ich es gewagt. Ein Kind, ein Versprechen und eine dramatische Rettung“ (Brunnen Verlag Gießen und Basel 2010). Elie Wiesel, Friedensnobelpreisträger, der das Buch als einer der ersten las: „Diese wahre Geschichte ist mit beeindruckendem Talent und großer Spannung geschrieben.“
Nun ist Michael Stolowitzky unterwegs, um seine Geschichte, seine Lebenserfahrung zu vermitteln. Mitte November kommt Stolowitzky nach Gießen. Vier Schulen - August-Hermann-Franke-Schule; Ricarda-Huch-Schule, Liebigschule sowie die Gesamtschule Gießen-Ost - haben ihn eingeladen, um zu berichten, um die Geschichte lebendig werden zu lassen. Neben den Schulbesuchen wird er am Dienstag, 16. November 2010 im Netanya-Saal (Altes Schloss) um 18.00 Uhr einen Vortrag halten. Am Donnerstag, 18. November, gibt es um 20.00 Uhr in der Stadtbibliothek Gießen eine Lesung aus dem Buch mit anschließender Diskussion mit Michael Stolowitzky

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Kommentare zum Beitrag

Simone Linne
5.041
Simone Linne aus Gießen schrieb am 27.10.2010 um 14:20 Uhr
ich gebe zu, dass ich geschichte eh spannend finde. aber ich finde, niemand kann geschichte spannender vermitteln, als ein zeitzeuge! nutzen wir sie alle, so lange es sie noch gibt, lernen von ihnen und lassen uns fesseln und beeidrucken!
Christian Momberger
11.094
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 30.10.2010 um 18:11 Uhr
Da haben Sie völlig recht Frau Linne.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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