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NACHTGEDANKEN: Glückspiel

Gießen | Uns, dachte Orf, quälte eine unsichtbare Wunde:
Das Gefühl der Einsamkeit.
Aber gleichzeitig ahnten wir, daß es unmöglich war in die Einsamkeit des anderen einzudringen.
So wurde alles, was diese Liebe erreichte, zu einem Vorwurf. Denn immer fehlte uns etwas, auch wenn wir mit den Tränen kämpften. Aber, dachte Orf, mit der Zeit wurde auch mir klar, daß wir uns nicht mehr liebten. Wir liebten nur die Möglichkeiten, die wir uns boten. Oder haßten wir uns wegen der verpaßten Gelegenheiten?
Immerhin entwickelten wir immer wieder Strategien, um uns nicht zu langweilen. Warum also sollten wir uns nicht hassen, wenn es nur nicht langweilig war?
Eura jedoch verstand immer nur das, was sie verstehen wollte. Und so hatte sie zu allem eine Meinung. Man durfte sie nur nicht beim Wort nehmen.
Vielleicht, dachte Orf, konnte sie wirklich nur im Widerspruch leben.
„Du mit deinem Zukunftsgerede…“ nörgelte sie dann.
Eura dachte nicht an die Zukunft. So konnte ihr auch keiner die Zukunft nehmen:
„Wenn ich an unsere Zukunft denke, dann ist der Tod die attraktivste Vorstellung.“
Was sollte ich darauf antworten? dachte Orf. Und deswegen sagte ich dann nur:
„Wenn Du Dich verbessern kannst…“ und lachte.
Aber sollte ich deswegen nicht mehr an unsere Vergangenheit denken? Diese Vergangenheit war für mich nur eine andere Art der Gegenwart. Denn Eura war nicht tot. Wer aber nicht tot war, konnte jeder Zeit wiederkommen.
Dieser Gedanke aber konnte mich auch nicht mehr beruhigen. Deshalb multiplizierte ich oft dreistellige Zahlen, um Eura zu vergessen. Und manchmal dachte ich:
Man hätte unser Unglück auf eine Zahl setzen müssen, um es zu verspielen.

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Kommentare zum Beitrag

H. Peter Herold
27.969
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 04.11.2011 um 16:03 Uhr
Irgendwie verpasst man den Zeitpunkt ab dem es keine Liebe mehr gibt. Kurz davor hätte ein kleines Wort genügt, um sie wieder zu entfachen.
Im Nachhinein ist man/frau immer schlauer
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von:  Dr. Mathias Knoll

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Interessensgebiet: Gießen
Dr. Mathias Knoll
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