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MONOLOG eines alten Schauspielers: ( VII )

Gießen | In meinem Leben hatte ich nicht immer ein Engagement. Na gut, sagen wir es so, wie es ist: Ich war oft arbeitslos. Und die letzte Bühne, auf der ich spielte, war ein Zimmertheater. Da gab es zwischen den Mülltonnen auf dem Hof nicht einmal einen Bühnenausgang.
Nun, als Mensch musste ich akzeptieren, dass derartige Lebenskrisen nicht spurlos an einem vorrübergehen.
In dieser Zeit also ging ich morgens oft mit meinem Hund zur Flußbrücke hinunter, um dort ungestört das Spiegelbild der Stadt zu belauschen. Meine Frau hatte sich schon lange von mir getrennt.
Während sich also die kleinen Wellen auf dem Fluß kräuselten, trieben die schweren Lastkähne langsam flussabwärts. Im Führerhaus stand der Kapitän und steuerte gelassen sein Schiff. Und auf dem Heckteil des Kahnes flatterte die Wäsche, während eine Frau mit dem Schlauch das Deck abspritzte. Diese Menschen brauchten auf ihrer Lebensbühne kein Scheinwerferlicht, dachte ich oft.
Schon als Kind bewunderte ich Menschen, die auf leichte Weise glücklich und selbstbewusst waren. Vielleicht wurde ich deshalb Schauspieler. Seitdem ist meine Realität die Phantasie.
Dabei versuchte ich in meinem Beruf immer ein Gleichgewicht herstellen zwischen dem, wie mein Leben war und wie es hätte sein können. Denn gleichzeitig war ich mir immer sicher:
Wenn man richtig gelebt hatte, war es doch egal, ob man nun morgen starb oder doch erst im nächsten Jahr.
Na ja, vielleicht ist es nicht leicht aus mir schlau zu werden, aber vielleicht war gerade das der Grund, warum ich immer mein Publikum liebte.

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Kommentare zum Beitrag

Stefan Walther
4.467
Stefan Walther aus Linden schrieb am 17.10.2010 um 14:24 Uhr
Da ich in einer Stadt am Rhein geboren und aufgewachsen bin, mein Vater einige Jahre seinem Beruf (Koch und Konditor) auf einem Rheinschiff nachging.... weiss ich, dass die "Romantik" des Kapitäns des Lastkahns eine trügerische ist, es ist in erster Linie harte Arbeit!
Ich bin da schon mehr für die Realität = das best mögliche aus dem Leben zu machen, weniger Phantasien hinterher zu träumen!?
Dr. Manfred Klein
1.398
Dr. Manfred Klein aus Gießen schrieb am 17.10.2010 um 16:04 Uhr
Für einen Entwurf der Zukunft sind Fantasien unbedingt erforderlich und ohne die Kunstwerke mit den denen die Künstler neue Welten und Denkweisen schufen bleiben unersetzlich; Praxis braucht letztlich doch eine Menge vorausgehende Theorie.
Stefan Walther
4.467
Stefan Walther aus Linden schrieb am 17.10.2010 um 21:35 Uhr
Nur, Phantasie und Theorie, dies ist für mich nicht das gleiche!

Theorie beruht auf Grundlage der Analyse der Praxis wird dadurch weiterentwickelt und muss sich wieder in der Praxis bestätigen - oder - korrigiert werden! Dies ist ein endloser dialektischer Prozess! Die Einheit der Widersprüche.
Das hat mit Phantastereien, oder mit Phantasie, für mich(!) nichts zu tun!
Dr. Manfred Klein
1.398
Dr. Manfred Klein aus Gießen schrieb am 17.10.2010 um 23:01 Uhr
Schade, dass du so denkst Stefan, ohne Fantasie geht leider gar nichts, selbst deine angesprochene Dialektik erfordert die kreative Fantasie (Kant nennt dies Spontaneität), lies es bei Ernst Bloch, J. W. Goethe oder auch F. Nietzsche. Auch schade, dass du in Buseck nicht teilnehmen kannst, das Thema werden wir nämlich noch haben...
Stefan Walther
4.467
Stefan Walther aus Linden schrieb am 17.10.2010 um 23:11 Uhr
Hm, Manfred, du weisst, ich kann Kritik vertragen, ich übe ja auch selbst genug, also = werde darüber nachdenken!
Ich habe nur generell so meine Probleme mit den Begriffen "Phantasie" und "Utopie", dies sind oft (nicht bei dir!) so die "Totschlagargumente" wenn man über andere Gesellschaftsformen diskutiert, wenn sich manche Menschen NICHT auf Theorie und Praxis einlassen wollen!

ja, mit der Teilnahme, das ist wirklich schwierig, liegt an der unregelmäßigen Arbeitszeit und an einem festen Freitagtermin, wäre trotzdem nett, wenn du mich "auf dem laufenden" hälst, irgendwann werde ich mir`s einrichten können!
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von:  Dr. Mathias Knoll

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