Bürgerreporter berichten aus: Gießen | Überall | Ort wählen...

Netzausbau 380kV behindert?

Gießen | Bürgerinitiativen und Umweltverbänden sollen am verzögerten Ausbau des 380-kV-Netzes schuld sein. Unsinn. Erstens können sie nichts verzögern oder gar verhindern, höchstens mit Klagen, wenn die Planung nicht den Gesetzen entspricht und eine nachvollziehbare Planrechtfertigung vermissen lässt. An wem liegt das dann? (Wurden schon mal planfestgestellte neue Startbahnen, Autobahnen, Müllverbrennungsanlagen, Justizvollzugsanlagen, etc. von Bürgerinitiativen und Umweltverbänden verhindert?) Zur Planrechtfertigung wäre zu begründen, inwieweit der 380-kV-Netzausbau, der angeblich für die erneuerbaren Energien, insbesondere den Windstromtransport von Nord nach Süd erfolgen soll, notwendig ist, wenn Kohle- und Atomstrom nicht im gleichen Umfang aus dem Netz genommen werden. Das soll doch das Ziel der Bundesregierung sein, oder? Dafür gibt es den gesetzlichen Einspeisevorrang für die erneuerbaren Energien. Soll der abgeschafft werden? Das ist zu befürchten. Wer die Laufzeiten der Atomkraftwerke verlängert, muss gegen den Einspeisevorrang der erneuerbaren Energien sein. Atomenergie soll eine „Brückentechnologie“ sein; wirklich?
Mehr über...
Windenergie (29)Onshore (1)Offshore (5)NETZ (13)Mecklar (2)Laufzeitverlängerung (6)Kraftwerk (3)erneuerbare Energien (29)Einspeisevorrang (1)dena (2)Brückentechnologie (2)Ausbau (2)380-kV (4)
Tatsächlich verstopft sie das Netz für die erneuerbaren Energien, wie der „Ausbaubedarf“ zeigt! Das Netz soll dem norddeutschen Windstrom und (!) unvermindertem Atom- und Kohlestrom dienen. Eine „Brücke“ mit Vorrang für Atomstrom, die für die erneuerbaren Energien gesperrt ist.
Der „Bedarf“ für 24 neue 380-kV-Leitungen wurde durch das Gesetz zum Ausbau von Energieleitungen (ENLAG) durch Abstimmung im Bundestag festgestellt; ohne detaillierte Bedarfsprüfung mit Lastflussdaten (Ist und Prognosen), nur aufgrund der dena-I-Netzstudie, die die erneuerbaren Energien, v. a. Windkraft onshore, klein rechnete. Die erwartete dena-II-Netzstudie scheint, wie Vorabmeldungen der FR zu entnehmen ist, das noch zu verstärken.
Deshalb hat der BUND, Bund für Umwelt und Naturschutz Hessen die geplante 380-kV-Leitung von Wahle (Niedersachsen) nach Mecklar (Hessen) als nicht dem vorgegebenen Zweck, des Windstromtransportes von Nord nach Süd entsprechend, abgelehnt. Außerdem fordert der BUND Hessen einen stärkeren Ausbau der Windkraftnutzung in Hessen, übrigens zu den halben Kosten wie der Offshore-Windstrom, insgesamt den dezentralen Ausbau der erneuerbaren Energien. Vor dem Hintergrund ist der 380-kV-Netzausbau zu prüfen.

Martin Krauß, Fernwald, BUND

Dies könnte Sie zum Thema auch interessieren

Hans-Georg Teubner-Damster, Peter Klug, Frank Ide und Thomas Kreuder bei der Vertragsunterzeichnung (von links nach rechts). Im Hintergrund Dr. Claus Brodersen.
Laubach und Grünberg schließen Städtebaulichen Vertrag über gemeinsamen Windpark
„Mit der Energiewende ist es wie mit dem Mobilfunk. Jeder möchte...
Wechsel in der Leitung von NETZ (von rechts nach links): Ingo Ritz übergibt die Geschäftsführung an Peter Dietzel, Niko Richter ist neuer stellvertretender Geschäftsführer. (Foto: Florian Albrecht)
Bangladesch-Organisation NETZ hat neue Geschäftsführung
(Wetzlar) Peter Dietzel ist neuer Geschäftsführer der Wetzlarer...
Diskutierten rege über Bangladesch und Entwicklungspolitik (von links nach rechts): NETZ-Geschäftsführer Peter Dietzel, Bundestagsabgeordnete Sibylle Pfeiffer (CDU), Ursula Landau von der CDU-Kreisgeschäftsstelle, Ursula Hiemenz und Niko Richter
Wetzlarer kämpfen wirksam gegen Armut - Bundestagsabgeordnete Pfeiffer im Gespräch mit NETZ Bangladesch
Die entwicklungspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion,...
„Jetzt werden wir jeden Tag satt“, Sahida Katun mit Ehemann und Enkel Mohammed Rahman bei der Kartoffelernte
Weltladen lädt zum Vortrag: Ein Leben lang genug Reis - Ernährungssicherheit in Bangladesch
Der Weltladen Gießen lädt ein zum Vortrag und Gespräch mit Kai Fritze...
Wirft den Grünen ideologische Verbohrtheit und Lobbypolitik zu Lasten von Mensch und Natur vor: FDP-Fraktionschef Wolfgang Greilich.
Greilich zur Kritik der Grünen am Landesentwicklungsplan: „Durch ideologische Verbohrtheit jegliches Augenmaß verloren“
Mit Vehemenz wies der Vorsitzende der FDP-Fraktion im Hessischen...
Tagung: Vielfalt in Bangladesch
Vom 24. bis 26. Mai 2013 findet eine öffentliche Bangladesch-Tagung...
Wetzlarer Hilfswerk NETZ Bangladesch finanziert Schutzbauten
Zyklon in Bangladesch: Menschen fliehen in Schutzbauten von NETZ
Einen sichere Zuflucht fanden 1150 Menschen während des tropischen...

Kommentare zum Beitrag

Stefan Walther
2.893
Stefan Walther aus Linden schrieb am 10.10.2010 um 08:32 Uhr
Danke für den Beitrag Herr Krauß !

Das ganze ist nicht nur Unsinn, es ist eine Frechheit, wieder einmal ein Beispiel wie gegen die Mehrheit Entscheidungen gefällt werden, wie im Interesse der Wirtschaft Politik gemacht = Hauptsache die Gewinne (hier "Extra"-Gewinne) in Milliardenhöhe....und mit nicht zu kalkulierendem Risiko! Und dann noch Bürgerinitiativen dafür verantwortlich zu machen...für wie "blöd" halten die Politiker eigentlich die Bevölkerung?

Nur, hier auch nicht auf "falsche" Freunde bauen: wer hat den Atomkonsens unterschrieben??? = man kann ja mal googeln :-))

"Brückentechnologie"? = eine Farce, ähnlich wie "Greenwashing"!

siehe auch mein Beitrag vom 28.08.10 "Kreislaufwirtschaft total"
Thorsten Lux
799
Thorsten Lux aus Gießen schrieb am 10.10.2010 um 20:17 Uhr
"für wie "blöd" halten die Politiker eigentlich die Bevölkerung?"

Anscheinend für SEHR blöd. Und ganz falsch scheinen sie da auch nicht zu liegen. Gerade gestern hatte ich mal wieder ein Gespräch nach dem Motto " rein jeglicher Sachkenntnis, aber hauptsache herumpöbeln". Da gewinnt der Leitsatz "wenn keine Ahnung het, einfach mal die Fresse halten" ganz neue Bedeutung. Da kann man mitunter ziemlich desillusioniert werden. Gerade wenn der betreffende "Gesprächspartner" keine Argumente gelten lassen will, sich sehr gut im Repräsentatieren veralteter Feindbilder gefällt und anschließend nochmal die "Extremismuskeule" auspackt. Diese Zeit kann man sich echt sparen, denn wer nicht denken will, der denkt eben auch nicht...

Aber zu rück zum Thema: Es ist immer schön, dass es immer mehr Leute gibt die sich Gedanken machen und sich kundig machen, bevor sie etwas kommunizieren. Und gerade bei diesem Artikel habe ich einige Dinge gelernt, die mir zuvor allenfalls dem Gefühl nach bekannt waren - aber die nicht von Faktenkenntnis unterfüttert waren.
Stefan Walther
2.893
Stefan Walther aus Linden schrieb am 10.10.2010 um 21:48 Uhr
ja, Thorsten, genau dies habe ich in meinem Beitrag "Kreislaufwirtschaft total" ausdrücken wollen: die Menschen wissen, dass an der Argumentation der Politiker und Energiekonzerne "was faul ist", nur sie werden oft vollgelabert mit Phrasen wie "Brückentechnologie" oder auch "die Umstellung der Energieversorgung auf erneuerbare Energien braucht Zeit" usw. usw. = und ohne einige Informationen zu haben...steht man dann wirklich schnell ziemlich "blöd" da, obwohl man genau weiss, dass sie lügen.

zu deinem "Gesprächspartner": man muss auch nicht alle überzeugen wollen, das ist dann wirklich frustrierend, manche wollen auch gar nicht überzeugt werden, wichtiger ist, dass die Menschen, die sich ehrlich informieren möchten (und das ist die große Mehrheit!) auch die entsprechenden Infos erhalten!
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) Martin Krauß

von:  Martin Krauß

offline
Interessensgebiet: Gießen
Martin Krauß
143
Nachricht senden
Aktuellste Beiträge des Autors:
Schwanenteich: statt fällen und roden, sichern und nachpflanzen!
Schwanenteich Baumfällungen Am Dammweg des Schwanenteichs sollen...
Kulturfrevel: über dem Wasser liegende Weiden entfernt
Landesgartenschau Es ist doch nicht zu fassen! Jetzt wurden auch die...

Weitere Beiträge aus der Region

OVG Schleswig: Atommüll-Lagerung am AKW Brunsbüttel rechtswidrig
Urteil hat Konsequenzen auch für andere Atomstandorte / ROBIN WOOD...
Russlandtag: Musik- und Theaterabend vom Deutsch-Russischem Zentrum Gießen
Vor 250 Jahren – am 22. Juli 1763 – erließ die russische Zarin...
INTERNATIONALE GEWERKSCHAFTSBUNDE (IGB) ruft alle Mitglieder/Innen zur Protestkundgebung.
den 21. und 22 Juni findet im Brasilien und Südkorea bei der...

Dieser Beitrag als Banner

Um diesen Beitrag als Banner auf deine eigene Homepage einzubinden, kopiere einfach folgenden Link und füge diesen Code in deiner Homepage ein.
Link:
Übrigens: unter "Meine Seite" findest du auch einen Banner zum Einbinden der letzten Beiträge, die du selbst verfasst hast.