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NORDERNEY ( VIII )

Gießen | Aber auch aus einer anderen Himmelsrichtung umlauert der Tod, ein Mondkind, die Insel. Er kauert in der geballten Bewegungslosigkeit der scheinbar statisch zähen Masse des Meeres.
Nur wenn der Wind aufkommt, umweht sein weißes Haar die schwarzen, fiebrigen Augenhöhlen. Und kaum bäumt er sich auf, um harte Konsonanten aufs Land zu spucken, da bilden sich schon an den Dalben starke Strudel um seinen fiebrigen Auswurf.
Immer wieder bleckt er seine Schaumzähne, um dann mit breitem, selbstgefälligem Gähnen, das ein dumpfes Grollen nur mühsam verbirgt, in taumelnder Schwere den Hals der Insel, den Strand zu würgen.
Sein mondsüchtiger Verstand aber lässt immer wieder von der sicheren Beute ab, um den Reiz des Spieles nicht zu verderben. Ein Spiel, dessen Höhepunkt nahezu jedes Jahr in einem Fieberkrampf endet.
Nun, prosaische Menschen werden natürlich sofort den ehrwürdigen Isaac Newton anrufen und nach seiner Theorie verlangen. Wie kam er, der Newton, den Verkehrsregeln im All auf die Schliche?
Wie war das noch mal mit der Sturmflut? Ach ja, richtig ... Von derartige Aha-Erlebnissen lebt die Wikipedia.
Um also bei dem Spiel „Land & Meer“, „Leben & Tod“ nicht ständig den Kürzeren zu ziehen, rüsteten sich die Insulaner mit Slogans:
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„Wer nicht will deichen, muss weichen.“
Oder:
„Gott schuf das Meer, der Friese die Küste.“
Kurz, sie waren es leid, ihr Norderney der Nordsee kampflos zu überlassen. Also beauftragten sie 1705 holländische Deichexperten, die aus Rohrgeflecht Sand- und Wasserfänge anlegten, um so gleichzeitig den Wandertrieb der Dünen zu stoppen.
Da aber die Freiheitsfahne des Flugsandes mit pflanzlichem Leben durchwoben ist, werfen die Strandquecken und der Strandhafer schnell ihre Wurzel aus, so dass sich das unstete Sandkorn in ihrem Windschatten zur Embryonaldüne entwickeln kann.
Durch das weitläufige Wurzelwerk also entwickelte sich eine weiße Dünenlandschaft, die kaum noch überflutet wurde. Selbst der Salzgehalt des Dünensandes nahm mit der Zeit ab und der Niederschlag tat sein übriges.
Gleichzeitig saugt eine Süßwasserblase, die auf dem Meeresgrund schwimmt, den durch die Dünen filtrierten Niederschlag auf und sorgt auch heute noch für ein Trinkwasser, das den Tee auf Norderney zu einer Delikatesse werden lässt.
Nun endlich konnten die ersten Siedler ihre Katen errichten oder im Windschatten der Düne einen kleinen Acker anlegen.
Doch dann aber wurde plötzlich alles anders:

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von:  Dr. Mathias Knoll

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Interessensgebiet: Gießen
Dr. Mathias Knoll
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