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Stuttgart 21- Die Kettensägen kommen ab Freitag!

von Antje Amsteinam 28.09.20105578 mal gelesen3 Kommentare
Fotografien: Klaus Gebhard "Schlosspark Stuttgart"
Fotografien: Klaus Gebhard "Schlosspark Stuttgart"
Gießen | Wann genau die Fällaktionen losgehen, sagten die Sprecher mit Verweis auf Sicherheitsaspekte nicht. Es wird befürchtet, dass sich die seit Monaten andauernden Proteste dann noch einmal verschärfen."Spätestens bis Ende Februar 2011 würden die Bäume aber fallen", sagte Wolfgang Dietrich. Als 'freiwillige Leistungen' der Bahn stellten Udo Andriof und Wolfgang Dietrich drei Maßnahmen vor, um zu signalisieren, wie ernst man die Sorgen der Bürger nehme. Den Angaben zufolge sollen für 1,5 Millionen Euro etwa 100 Bäume in der Nähe des Mineralbades Berg groß gezogen werden. Die Bahn AG möchte Setzlinge verschenken, die an anderer Stelle neu gepflanzt werden können und die Versetzung von rund 30 Bäumen mit einer Höhe von bis zu zwölf Metern. Sie sollen über den Schlossgarten verteilt neu angepflanzt werden. Für diese Umpflanzungsaktion stellt die Bahn AG nach Angaben von Projektsprecher Dietrich rund 60.000 Euro aus eigenen Mitteln bereit.
Gerade die besonders wertvollen alten Großbäume können technisch und biologisch bedingt nicht verpflanzt werden, sie sind nur durch einen Baustopp zu retten. Deshalb werden die ROBIN WOOD AktivistInnen und Parkschützer auch weiterhin vehement für ihre Bäume kämpfen.
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„Der Mittlere Schlossgarten im Herzen der Stadt ist nicht zu ersetzten, weder in seiner Funktion als Naherholungsgebiet noch in seiner ökologischen und klimatischen Funktion. Da helfen auch ‚Ausgleichsflächen‘ in den Randbezirken und außerhalb der Stadt nichts“, sagt Klaus Gebhard, Gründer der Parkschützer. „Um das Kronenvolumen, den Gasumsatz und die Filterfunktion eines einzigen Großbaums zu ersetzten, wären 2.000 junge Bäume notwendig!“Insgesamt sollen für 'Stuttgart 21' 282 Bäume weichen. Die Projektsprecher kündigten allerdings an, dass bei jedem Baum sorgfältig geprüft werde, ob er nicht doch erhalten werden könne. In der vergangenen Woche haben Aktivisten von Robin Wood bereits Baumhäuser in die alten Platanen im Schlossgarten gebaut. Die Polizei umstellt die Bäume um die Versorgung der ROBIN WOOD AktivistInnen zu behindern.

Der BUND deckte Behördenfehler beim Artenschutz zu Stuttgart 21 auf Berthold Frieß, Landesgeschäftsführer des BUND erklärte dazu: “Die wiederholte Sichtung von Fledermäusen und Juchtenkäfern im Bereich der Stuttgart 21-Baustelle scheint das EBA völlig kalt zu lassen. Statt zügig und entschlossen zu handeln, taktiert die Behörde und gefährdet so den Schutz der streng geschützten Arten.” Für den BUND lässt dieses Vorgehen nur einen Schluss zu: “Diese Schlamperei des EBA macht einen Abrissstopp notwendig”, forderte der Landesgeschäftsführer. Der BUND steht seit den ersten Sichtungen von Fledermäusen Ende August mit dem Eisenbahnbundesamt im Kontakt und hat seit zwei Wochen einen Rechtsanwalt zur Durchsetzung des Artenschutzes beim Bau von Stuttgart 21 engagiert. Rechtlich hat dies den Hintergrund, dass das Eisenbahnbundesamt zum Zeitpunkt der Planfeststellung davon ausging, das Artenschutzrecht sei auf planfeststellungsbedürftige Vorhaben nicht anwendbar. Diese Rechtsauffassung hat sich im Jahr 2006 als europarechtswidrig erwiesen. Gleichwohl wurden die erforderlichen artenschutzrechtlichen Untersuchungen bis heute nicht durchgeführt und die zur Realisierung des Vorhabens erforderlichen artenschutzrechtlichen Ausnahmegenehmigungen nicht erteilt.

Die Parkschützer führen am Freitag, 1. Oktober, ab 19 Uhr eine weitere Großdemonstration gegen Stuttgart 21 durch. Die Veranstaltung mit Reden, Musik und Demozug durch die Stadt beginnt und endet im Mittleren Schlossgarten. Das Motto der Großdemo ist „Unser Protest wird schärfer“

Die Polizei beklagte sich indes bei Innenminister Heribert Rech (CDU) über die ihrer Ansicht nach zu dünne Personaldecke. 'Wir gehen personell am Krückstock. Es geht nicht mehr', schrieb der Landeschef der Polizeigewerkschaft, Rüdiger Seidenspinner. Grund hierfür seien der Einsatz rund um die Proteste gegen 'Stuttgart 21', bei Fußballspielen, der anstehende Castor-Transport und die Bewachung von entlassenen Strafgefangenen aus der Sicherungsverwahrung. Seidenspinner forderte das Innenministerium auf, Unterstützung aus anderen Bundesländern anzufordern.
Innenminister Rech sagte, das sich das Land 'nicht scheuen' werde, auch in anderen Bundesländern anzufragen, ob sie befristet Unterstützung leisten könnten. Noch sei dies aber nicht nötig. Eine Prognose, ab wann dies der Fall sei, wollte er nicht abgeben.
Quelle:Parkschützer; ROBIN WOOD

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Kommentare zum Beitrag

Karsten Brunda
367
Karsten Brunda aus Lich schrieb am 29.09.2010 um 22:05 Uhr
Was für eine Schande, 5000 Setzlinge ersetzen nicht mal einen alten Baum,
an dem früher vielleicht einmal Friedrich von Schiller oder Johann Wolfgang von Goethe ihre literarische Werke verfasst haben.
Karsten Brunda
367
Karsten Brunda aus Lich schrieb am 29.09.2010 um 23:28 Uhr
Was noch viel schlimmer ist, Fledermäuse suchen ab August bis in den September ihre Winterquartiere, sie paaren sich und erkunden gleichzeitig geeignete Hängeplätze. Ab Oktober ist dann die Frage, fressen oder schlafen, sie bleiben dann entgültig in der Nähe ihrer Schlafplätze. Die armen Baumbewohner im Stuttgarter Schlosspark haben dann halt Pech gehabt.
Antje Amstein
6.008
Antje Amstein aus Gießen schrieb am 30.09.2010 um 10:12 Uhr
Nein, wir müssen kämpfen, dass darf nicht sein. Heute um 15:00 Uhr soll der Park gesperrt werden es wird wohl nicht friedlich bleiben bei dieser Übermacht von Polizisten!
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