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BAP wärmen sich in Gießen auf

Gießen | Für ein „Aufwärmkonzert“ war der Auftritt der Kölner Mundartrocker BAP am Freitagabend in der Gießener Kongresshalle ziemlich schnell am Kochen gewesen. Zum Start ihrer aktuellen „Radio Pandora“-Tour (bis 11. Juli 2009) haben die Mannen um Wolfgang Niedecken die ersten drei Gastspiele – Gießen war Nummer zwei – als so genannte „Warm-Ups“ deklariert. Aber die Band riss ihre 1100 Fans gleich mit den ersten Titeln mit. Bekannte Hits sowie Lieder des dieses Jahr erschienenen Albums „Radio Pandora“ standen auf dem über dreistündigen Programm. Ganze 30 Titel umfasste das Set – ohne Pause oder Zeit schindende Schwafelei. Die Akteure konzentrierten sich ganz auf ihre Musik und belohnten damit die Treue ihrer langjährigen Fangemeinde. Schließlich rocken BAP seit nunmehr 32 Jahren mit kölscher Zunge. Zwar ist nur noch Sänger und Rhythmusgitarrist Wolfgang Niedecken von der Gründungsbesetzung mit dabei, aber auch der mittlerweile ewige Mitstreiter Schlagzeuger Jürgen Zöller sowie die in den Neunzigern hinzugestoßenen Helmut Krumminga (Lead-Gitarre), Michael Nass (Keyboard) und Werner Kopal (Bass) geben nichtsdestotrotz mit
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ihren instrumentalen Sound den zumeist gesellschaftskritischen und den persönlich-empfindsamen Tönen Nachdruck. So haben sich auch Krumminga und Kopal bei den neuen Stücken als Songsschreiber hervorgetan. Und dieses „Radio Pandora“ funkt unverdossen seine Meldungen über die aus der mythologischen Büchse (der Pandora) entratenen Plagen der Menschheit, aber auch von der Hoffnung. Mit Hut bekleidet erzählt dann Niedecken singend wie ein Reisender von dem erlebten Unheil, den Ungerechtigkeiten und Ungereimtheiten auf der Welt. Die Lieder kommen zur Freunde der mehrheitlich über-30-jährigen Fans im alterwürdigen Rock-, Bluesrock- und Countryrock-Gewand à la Rolling Stones, Bruce Springsteen oder Bob Dylan zu Gehör. Sehr eindringlich und bewegend erklingen „Noh Gulu“, welches vom traurigen Schicksal der Kindersoldaten in Uganda berichtet, oder das zu mehr Toleranz auffordernde „Kron oder Turban“. Zeilen wie „Ob dä en Krohn dräät oder ’ne Turban,[...] Ob dä enn Rom wonnt oder enn Mekka, ob dä en Frau ess oder ’ne Kääl, [...] Ejal, wo dä her ess, Et kütt nit drop ahn. Et jeht nur öm Fairness, Respekt, hey, verstehste mich, Mann?“ sprechen für sich. Umgarnt von wilden Orgelläufen und beeindruckenden Gitarrenriffs seitens Krummingas kommt
ebenfalls „Diego Paz Wohr Nüngzehn“ daher. Niedecken erzählte zuvor, die dem Stück vorausgehende wahre Begebenheit: Ein Leuchtturmwärter auf einer kleinen Insel soll dem feindlichen Trupp frierender Invasionssoldaten erst einmal einen heißen Kaffee angeboten haben.
Doch auch das Wiederhören ersehnter BAP-Klassiker kam nicht zu kurz: Laut mitsingende, mitklatschende und sogar hopsende Fans waren beim Vortrag von „Alles em Lot“, „Aff un zo“ oder „Ne schöne Jrooß“ auszumachen. Aber ebenfalls durften Balladen wie „Kristallnaach“ oder das neue „Frankie und er“ nicht fehlen. Die Gießener Konzertbesucher kamen zusätzlich in den Genuss, die Gastmusikerin Anne de Wolff zu erleben. Denn die Geigerin, die einigen Songs wie „Rita, mir zwei“ oder „Bahnhofskino“ mit ihrem umspielenden Violinspiel mitunter eine Prise Folk einhauchte, geht demnächst mit dem Berliner Pop-Chanson-Duo „Rosenstolz“ ebenfalls als Begleitmusikerin auf Tour.
Mit tosendem Applaus holten die Zuhörer die Kölner zu einer ausgedehnten Zugaberunde zurück auf die Bühne, denn ohne „Verdamp lang her“ und der BAP-Version des Rory-Gallagher-Songs „A Million Miles Away“ wollte keiner nach Hause gehen.

 
 
 

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