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Mit Fledermäusen vom Klassenzimmer in die Natur - Exkursionsreihe der AG Säugetierökologie (JLU) begeisterte über 240 Besucher

Zwergfledermaus fliegt aus ihrem Quartier in der Mauer.(Foto:M.König)
Zwergfledermaus fliegt aus ihrem Quartier in der Mauer.(Foto:M.König)
Gießen | Unter den mitteleuropäischen Säugern sind Fledermäuse sicherlich die geheimnisvollste und gleichzeitig die gefährdetste Tiergruppe. Unbemerkt jagen sie schnell und geräuschlos Nacht für Nacht in unserer Umgebung und erbeuten dabei unzählige Mücken und andere „Plagegeister“. In Gießen fressen z.B. alleine die Wasserfledermäuse aus dem Philosophenwald pro Jahr über 250 kg Insekten im Stadtgebiet. Wegen ihrer speziellen Lebensweise gehören Fledermäuse außerdem zu den Leitarten des Naturschutzes und sind wegen ihrer Indikatorfunktion interessante Objekte tierökologischer Forschung.
Aber auch in der Öffentlichkeit stoßen Fledermäuse auf ein großes Interesse und faszinieren Jung und Alt. Aus diesen Gründen stellen sie ideale Naturlotsen dar, um ökologische Zusammenhänge vor naturschutzfachlichem Hintergrund zu verdeutlichen. Dies macht sich die Arbeitsgruppe Säugetierökologie an der Justus-Liebig-Universität (JLU) unter der Leitung von Prof. Dr. Jorge A. Encarnação zu Nutze und bemüht sich, auch durch außeruniversitäre Umweltbildung zum effektiven Artenschutz beizutragen. Vor diesem Hintergrund wurde zum Abschluss
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eines Studentenprojekts die öffentliche Exkursionsreihe „Fledermäuse als Naturlotsen“ in den letzten Wochen angeboten. In mehreren Exkursionen waren Interessierte dazu eingeladen, den Spuren der Jäger der Nacht auf jeweils zweistündigen Führungen zu folgen und mehr über die Biologie und Ökologie dieser interessanten Tiergruppe zu erfahren. Die hohen Besucherzahlen zeigten sehr deutlich das starke öffentliche Interesse an der außergewöhnlichen Lebensweise der Fledermäuse.
Im Vorfeld der Exkursionen wurden den Studenten von Prof. Encarnação die theoretischen Grundlagen und erforderlichen Kenntnisse zur Durchführung naturschutzfachlicher Exkursionen und Vorträge vermittelt. Darauf aufbauend leiteten sie eigenverantwortlich die Exkursionen und freuten sich über das große Interesse von über 240 Besuchern an den Fledermäusen in Gießen, Staufenberg und Kleinlinden. Mit Ultraschall-Detektoren und Scheinwerfern demonstrierten sie unter anderem Wasserfledermäuse, Zwergfledermäuse und Große Abendsegler den staunenden Beobachtern. Die Wasserfledermaus ist eine typische Fledermausart des Gießener Philosophenwaldes, die tagsüber die dort reich vorhandenen Spechthöhlen bewohnt. Ihre faszinierende und effiziente Jagdstrategie über Gewässern konnte
Staunende Besucher am Hoppenstein in Kleinlinden
Staunende Besucher am Hoppenstein in Kleinlinden
man während den Exkursionen in Gießen sehr gut beobachten. In Staufenberg kommen mehrere Wochenstubenkolonien der Zwergfledermaus vor, die Sommer für Sommer ihre Jungen in Gebäudespalten zur Welt bringen. Den Besuchern der dortigen Exkursion zeigten sie ihre schnellen und wendigen Jagdflüge in naturnahen Gärten und in der Nähe von Gewässern. In der Nähe der Lahn bei Kleinlinden wurde den Gästen der hohe Jagdflug des Großen Abendseglers demonstriert. Seine Quartiere bezieht er tagsüber unter anderem in den Baumhöhlen des Hoppenstein, den er verlässt, wenn die Mauersegler schlafen gehen.
Auf allen Exkursionen waren Kinder und Jugendliche zahlreich vertreten und fasziniert von den nächtlich fliegenden Kobolden. Daran ist zu erkennen, dass diese Artengruppe sehr gut zur Verdeutlichung ökologischer Zusammenhänge im schulischen Bereich geeignet ist. Die Entwicklung neuer Möglichkeiten der Vermittlung naturwissenschaftlicher Sachverhalte in der Umweltbildung im schulischen und außerschulischen Kontext stellt einen wichtigen Forschungsansatz der AG Säugetierökologie dar. „Ökologische Bildung muss angesichts der globalen ökologischen Krise ein grundlegender Bestandteil der Allgemeinbildung und der Erziehung sein“, so Encarnação. „Es reicht
Fledermäuse begeistern Jung und Alt
Fledermäuse begeistern Jung und Alt
nicht mehr, ökologische Unterrichtseinheiten zu entwickeln und Umweltbildung nur als fachlich-sachlichen schulischen Lerngegenstand zu betrachten. Für eine wirksame Umweltbildung muss die Schule geöffnet und zusammen mit der sie umgebenden Umwelt zum Lernort gemacht werden.“ Vor diesem Hintergrund werden zukünftig neben öffentlichen Exkursionen und Vorträgen auch Gruppenführungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene auf Anfrage von der AG Säugetierökologie durchgeführt und die Themen auch auf andere Artengruppen ausgeweitet. Interessierte können sich für nähere Informationen direkt an Prof. Encarnação und seine Mitarbeiter wenden.
Die Ökologie einheimischer Säugetiere wird von der AG Säugetierökologie an der Justus-Liebig-Universität in verschiedenen Forschungsprojekten wissenschaftlich untersucht und im Rahmen des Biologiestudiums vermittelt. Dabei spielt der Gießener Philosophenwald für die universitäre Fledermausforschung eine wichtige Rolle, wobei die Bestandsentwicklung von Wasserfledermäusen, Großen und Kleinen Abendseglern während der mehrjährigen Untersuchungspause im Mittelpunkt des Interesses steht. Prof. Encarnação hofft mit seinen Forschungsarbeiten Grundlagen und Instrumente für effektiven Artenschutz mit weiterentwickeln zu können. „Neben der Beantwortung grundsätzlicher Fragen zur Ökologie und Schutz von Säugetieren, sind zielführende Situations- und Gefährdungsanalysen für heimische Arten und ihre Lebensräume erforderlich“, so Encarnação. „Die daraus gewonnenen Erkenntnisse sind essentiell für Schutzkonzepte, Leitlinien und Empfehlungen zu artenschutzrelevanten Fragestellungen bei Maßnahmenplanungen und bei Eingriffen. Allerdings kann effektiver Artenschutz bereits vor der Haustür jedes Einzelnen beginnen“.

Zwergfledermaus fliegt aus ihrem Quartier in der Mauer.(Foto:M.König)
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Kommentare zum Beitrag

Ilse Toth
18.453
Ilse Toth aus Heuchelheim schrieb am 26.08.2010 um 19:58 Uhr
Fledermäuse sind faszinierend! Ein toller, informativer Bericht. Mein Enkelkind hat einer Fledermausexkursion in Rodheim Bieber teilgenommen und war völlig begeistert von den Tieren. Waren in der Vergangenheit oftmals als "Ekeltiere" verschrieen, so sind dank der Aufklärung vieler Natur- und Tierschützer Fledermäuse sehr beliebt.
Danke für diesen Bericht.
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von:  Tobias Erik Reiners

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Interessensgebiet: Gießen
Tobias Erik Reiners
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