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Für eine Welt ohne Atomwaffen! - Gießener gedenken des 65. Jahrestages des Atombombenabwurfes auf Hiroshima

Gießen | Im Rahmen der bundesweiten Aktion "Nacht der 100.000 Lichter" gedachten gestern Abend auch mehr als 100 Gießenerinnen und Gießener auf dem Kirchenplatz den über 250.000 Opfern der Atombombenabwürfe durch die USA auf Hiroshima und Nagasaki vor 65 Jahren. Zentraler Punkt der Aktion war auch die Forderung nach der Abschaffung aller Atomwaffen weltweit! Veranstaltet wurde die Aktion von der Gießener Friedensinitiative (GFI) gemeinsam mit anderen Friedensgruppen und Gewerkschaften.

Am 06.08.1945 warfen die USA die erste Atombombe, auf die japanische Stadt Hiroshima. Es war das erste Mal, dass eine Atombombe eingesetzt wurde.
Was jedoch kaum jemand weiß, die erste Atombombe wollten die Amerikaner eigentlich über Deutschland abwerfen. Nur dank der Tatsache, dass die USA bis zur Kapitulation von Hitler-Deutschland am 08.05.1945 noch keine einsatzfähige Atombombe zu Verfügung hatten, verhinderte diese Pläne und bewahrte so Deutschland vor dieser Katastrophe.

Durch das Programm an diesem Abend führte Rainer Schmitt von der Gießener Friedensinitiative, der der Pankratiusgmeinde für die Unterstützung der Aktion dankte. Zwischen den einzelnen Textbeiträgen gab es Musik von Georg Wolf, der von Freddy Becker am Akkordeon begleitet wurde. Peter Zerche rezitierte das 1945 geschriebene Stück "Sage Nein!" von Wolfgang Borchert und Pfarrer Bernd Apel sowie der Fraktionschef der Linken im Gießener Stadtparlament Michael Janitzky trugen kurze Gedichte und Texte, u.a. von Bert Brecht, vor. Ilse Staude zitierte aus den sehr interessanten Lebenserinnerungen von Herr Akihiro Takahashi, Zeitzeuge des Atombombenabwurfes von Hiroshima und ehemaliger Direktor des Hiroshima Peace Memorial Museums. Takahashi überlebte die Atombombenexplosion am 6. August 1945 - nur 1,4 km vom Hypozentrum entfernt - als 14 jähriger auf dem Schulhof seiner Junior High School. Eva Bergk rezitierte das Gedicht "Geometrie der Stille" von Günter Eich.

"Hauptredner" des Abends war Oberstleutnant a.D. Dr. Lothar Liebsch, Sprecher des Arbeitskreises "Darmstädter Signal", der einige Fakten und Zahlen zum Thema Atomwaffen und atomare Bedrohung darlegte.
Während des Kalten Krieges hätte die Sprengkraft aller Atomwaffen weltweit dazu ausgereicht die gesamte Menschheit mehr als 16 mal zu vernichten und auch heute betrage die sog. overkill capacity noch das vierfache der Weltbevölkerung.
In Gießen und Umgebung lagerten bis in die späten 1980er Jahre Atomwaffen der Amerikaner, so z.B. zwischen Alten Buseck und Daubringen, nahe Fernwald-Steinbach sowie im Gießener US-Depot in der Wieseckaue. Und immer noch gebe es in Deutschland Atomwaffen.
Wie er weiter berichtete, verfügen die USA derzeit über 18 Trident U-Boote von denen jedes einzelne 24 Atomraketen mit je acht Sprengköpfen mit einer Reichweite von über 7000 km an Bord habe. Die von jedem Trident-U-Boot mitgeführte äquivalente Sprengkraft übertreffe damit die Sprengkraft aller während des Zweiten Weltkriegs eingesetzten konventionellen Sprengstoffe. Auch Russland sei dabei, seine Flotte an mit Atomraketen bestückten U-Booten zu modernisieren.
Zum Abschluss seiner kurzen Rede schloss er sich der zentralen Forderung Friedensbewegung nach Abschaffung aller Atomwaffen an und forderte US-Präsident Obama auf, seinen Worten anlässlich seiner Rede in Prag im vergangenen Jahr Taten folgen zu lassen.

Zum Abschluss der Aktion wurde das aus vielen Kerzen gebildete Peace-Zeichen entzündet und läuteten die Glocken des Stadtkirchenturms als Zeichen der Mahnung und der Erinnerung an die Opfer des ersten Atombombenabwurfs vor genau 65 Jahren.

Das große Friedenszeichen aus Kerzen
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Georg Wolf und Freddy Becker
durch den Abend führte Rainer Schmitt von der Gießener Friedensinitative
Oberstleutant a. D. Dr. Lothar Liebsch
Das große Friedenszeichen, erstellt aus vielen einzelnen Kerzen
Der Fraktionschef der Linken im Gießener Stadtparlament Janitzky beim "anbringen" seiner Kerze
Das Friedenszeichen vor dem angestrahlten Stadtkirchenturm im Hintergrund
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Kommentare zum Beitrag

Stefan Walther
4.888
Stefan Walther aus Linden schrieb am 07.08.2010 um 17:47 Uhr
Hallo Christian,

du bist ja so was von "fix", sagenhaft! Besser hätte es auch keine(r) von uns machen können!!! vielleicht solltest du nochmal beruflich "umsatteln" :-)

- ich denke es war eine gut besuchte, beeindruckende und auch gut organisierte Veranstaltung!?
Christian Momberger
11.293
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 07.08.2010 um 17:55 Uhr
Danke für das Lob.
In der Tat war es eine "gut besuchte, beeindruckende und auch gut organisierte Veranstaltung".
Christiane Pausch
6.528
Christiane Pausch aus Gießen schrieb am 08.08.2010 um 14:50 Uhr
Hallo Christian,sehr informativer Artikel.Das war bestimmt eine gute Veranstaltung und..hast Du eine Kerze für mich mit aufgestellt??
Wir haben im Englischunterricht "Das letzte Ufer"gelesen,sollte zur Pflichtlecktüre werden um mal über die Folgen der Atomaren Gewalt nachzudenken.
Gruß Christiane
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von:  Christian Momberger

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Christian Momberger
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