Gießen | Die Gnade unseres Herrn…
Liebe Gemeinde,
Manchmal kann ich’s selbst kaum glauben,
von nun an Tag für Tag urlauben !
Gleicht das nun dem Paradies
oder ist es ein Verließ ?
Also eine Art Gefängnis,
wo man fast wie ein Verhängnis
sich befindet unverwandt ?
Man nennt es, glaub’ ich „Ruhestand“ !
Nun, ihr merkt’s schon zu Beginn:
letztendlich komm’ ich nicht umhin,
was ich prosaisch könnt’ berichten,
in dieser Predigt zu verdichten !
Als wir Dekane kürzlich kochten,
war’s so, dass alle darauf pochten,
dass meine Predigt heut’ zum Schluss
sich unbedingt doch reimen muss.
So war es eine Art Verpflichtung:
ein Stück Erkenntnis nun als Dichtung.
Jedoch die Dichtung spiegelt Wahrheit,
denn Gottes Wort, es spricht für Klarheit.
„Sei getrost und unverzagt,
auch wenn dich mancher Kummer plagt.
Denn auf allen deinen Wegen,
begleitet dich stets Gottes Segen !“
Dieses Wort galt Josua,
als er diesseits des Jordans war,
kurz vor dem verheiß’nen Land,
da man sich in der Lage fand,
dass Gottes Volk ganz offenbar
nach Mose ohne Führung war,
und Gott den jungen Josua
als ersten Mann dann ausersah.
Was Josua gar nicht erfreute,
weil er das hohe Amt doch scheute.
Zu schwer und groß schien ihm die Pflicht.
„Oh nein, das will und kann ich nicht !
Ich fühle mich als armer Tropf,
mir wächst das alles über’n Kopf !“
So hörte man ihn lauthals klagen,
Gott ließ ihn aber nicht verzagen.
Sein Zuspruch gab ihm Mut und Stärke
mit neuem Mut ging er zu Werke,
wenngleich auch Zweifel in ihm blieben,
die Ängste waren nicht vertrieben –
Auf Deutsch gesagt: er hatte Schiss,
die Zukunft war ganz ungewiss !
Das ist bis heute uns nicht fremd,
dass es an vielen Stellen klemmt.
Denn ganz egal auf welchem Feld,
zum Besten ist es nicht bestellt,
und Gründe gibt’s an allen Tagen,
verzagt zu sein und sich zu fragen:
„Wo geht wohl uns’re Reise hin
und was macht wirklich einen Sinn ?“
Exempel gibt es da zuhauf –
ich zähle manche jetzt gleich auf:
Dass es an vielen Ecken kriselt,
großwettermäßig nicht nur nieselt,
sondern vielmehr stark gewittert,
sodass die Wirtschaft dadurch zittert,
mit Folgen für das Individuum,
macht manchmal zornig, manchmal stumm.
2008 der Crash der Banken,
der brachte nicht nur uns ins Wanken,
auch wie die Spekulantenmeute
sich großer Freiheit frech erfreute.
Bis heute hält die Politik
europaweit bereit den Strick,
um Transaktionen zu bezähmen,
ob was geschieht ? – es ist zum Schämen.
Im Grunde wird da ungeniert,
von Wahl zu Wahl bloß noch taktiert,
anstatt, ich kann es nur betonen,
ausgerichtet an Visionen,
anstelle von Parteigezänke,
von Häme, Heuchelei und Ränke
das, was Not tut, zu erkennen,
die Dinge ganz klar zu benennen.
Was wir den Enkeln hinterlassen,
Schulden in Billionen-Massen,
die Frage der Gerechtigkeit
hierzulande und weltweit,
kommt die Wende hin zum Guten,
wenn hauptsächlich die Schwachen bluten ?
Klima, Umwelt, Energie,
welchen Weg geh’n wir und wie ?
Solche Fragen, die man kennt’,
zu umgeh’n ist dekadent .
Die löst man auch nicht auf die Schnelle,
außer – vielleicht – Herr Westerwelle.
In jedem Falle geht man fehl,
mit Wohltaten für’ s Klientel,
um dies entsprechend zu bedienen,
legt kurzerhand man Extra-Schienen
und hat danach nicht mal den Mut,
einzugesteh’n: „Das war nicht gut !“
Wahrlich Gründe zu verzagen
und Anlässe, sich zu beklagen.
Da darf die Kirche auch nicht schweigen,
wir müssen deutlich Flagge zeigen.
so wie Frau Käßmann es getan,
zum Kriege in Afghanistan,
und auch noch zu and’ren Themen
– keineswegs nur zu bequemen –
ist sie auf den Punkt gekommen,
hat kein Blatt vor den Mund genommen,
und das nicht als Freizeit-‚Sport,
der Ausgangspunkt war Gottes Wort.
Dabei war sie durchaus verletzbar,
ist öffentlich nur schwer ersetzbar,
vorerst jedenfalls und leider,
doch wir kommen aus dem Schneider.
(Das heißt mit Schneiders Nikolaus
kommt die EKD da raus.)
Nicht allein die großen Krisen,
können vieles uns vermiesen,
so ist es nicht gerad’ bequem,
sich unsr’e Kirche anzuseh’n.
Da geht’s zumal in uns’rer Zeit,
vor allem um Glaubwürdigkeit.
„Was müsst ihr tun, was könnt ihr lassen,
wenn leerer werden Eure Kassen ?
Und hängt, was ihr ins Zentrum stellt,
letztendlich alles nur am Geld ?
Wie geht es in der Zukunft weiter ?
Das fragen nicht nur Außenseiter !
In der Tat, was wir verkünden,
wofür wir steh’n, worauf wir gründen,
wieweit der Glaube strahlt ins Leben,
für wen die Stimme wir erheben,
ob wir zu unsern Fehlern stehen,
mit Gottvertrau’n nach vorne sehen,
wie Josua das „Trotzdem“ wagen,
dann muss die Kirche nicht verzagen.
Im Gegenteil – mit Mut und Schwung,
kann sie sagen: „Wir sind Jung !“
Und dennoch gilt es, ganz sensibel,
stets ausgerichtet an der Bibel –
kluge Politik zu machen,
statt Strohfeuer nur zu entfachen,
nachhaltig und mit Überblick,
die Zukunft meistern – Stück für Stück,
und sowohl im Schrank die Tassen,
als auch die Kirch’ im Dorf zu lassen.
Dabei bedenken allermeist,
was Zukunft meistern geistlich heißt.
Dafür war vor Zeiten ja,
zuständig das LGA.
Ich kann’s um Grunde nur bedauern,
doch hilft es nichts, dem nachzutrauern.
Das LGA ist nicht mehr hier –
auf alle Fälle wünsch’ ich mir:
eine Kirche, die vermeidet,
dass sie die Verwaltung leitet.
Allerdings bleibt mir vertraut,
dass Gott selbst die Kirche baut,
und dass er nach wie vor verheißt,
den Tröster, seinen heil’gen Geist.
Der ist bei uns an allen Tagen,
die EKHN muss nicht verzagen.
Und dann die Ebene darunter:
das Dekanat, ist auch ganz munter.
Manches wurde da gegendert,
die Struktur bewusst verändert,
und zwar vor ein paar Jahren schon.
Das Zauberwort, es hieß „Fusion“.
wir sagten damals deutlich: „Nein,
da muss noch and’res möglich sein !“
Und hatten, so wie ich es seh’,
eine Kreativ-Idee.
Mit den Nachbarn Grünberg – Hungen
haben wir uns ausbedungen:
Zusammenarbeit, Neues – schon,
also AG und nicht Fusion.
Bewährtes ließ sich so erhalten,
und doch konnten wir gestalten,
unser Dekanat beleben,
zusätzlich Impulse geben,
und per Dekanats-Projekt
zeigen, was so in uns steckt.
Im Grunde gab’s nicht viel zu lachen,
wir mussten manchen Abstrich machen,
alter Zuschnitt musste weichen,
es hieß kräftig Stellen streichen.
Oftmals kam ich als Dekan,
eingeschnürt im Stellenplan,
zu erfüllen unser Soll
und bekam den Buckel voll.
Mit mir stak der DSV
echt im Sollstellen-Stau.
Der ist bis zu weit’ren Runden
zwischenzeitlich überwunden.
doch wir fragen uns schon bange:
„Wo endet wohl die Fahnenstange ?“
Finanzen und Personenzwänge,
verheißen eher noch mehr Enge.
Da heißt es: deutlich und beizeiten
auf keinen Fall Zufälligkeiten,
statt dessen Mut und Phantasie
und eine klare Strategie.
Wenn wir im Glauben Zukunft wagen,
dann brauchen wir nicht zu verzagen,
und müssen nicht Klein-Bonum sein,
allein sind wir gewiss zu klein.
Dagegen mit vereinter Kraft,
wird Unverhofftes auch geschafft.
Das haben wir zum Glück erfahren,
bei uns hier in den letzten Jahren.
Da hat zwar manches mal geholpert
und ab und zu sind wir gestolpert,
im Dekanat, in der AG,
aber vieles war okay.
Wir haben – Gott sei Dank – erkannt:
Viel Gutes gibt’s hier auf dem Land
und viele Menschen, die bereit
zum Engagement sind mit viel Zeit..
Ganz egal ob sie es nun,
haupt- oder ehrenamtlich tun.
Für alle gilt zu jeder Frist,
dass Vielfalt unser Reichtum ist.
Hier darf ich kurz noch dies bemerken:
Das Wir-Gefühl gilt es zu stärken.
Wo das gelingt, wird sich ergeben
- es lohnt sich echt, danach zu streben -:
Das Dekanat ist immer wieder
mehr als die Summe seiner Glieder.
Und damit ist, quasi ein Trick,
die Gemeinde nun im Blick.
Sie ist die Basis von dem Ganzen,
jedoch auf jeder Hochzeit tanzen –
das geht nicht, wenn es je gegangen –
diese Spatzen sind gefangen.
Wenn knapper wird das Personal,
dann muss das Ziel sein allemal,
zum einen sich gut zu ergänzen,
zum anderen sich zu begrenzen,
weil Kirchenfrau und Kirchenmann
nun mal nicht alles leisten kann.
Das lässt sich in den Satz auch fassen:
„Gott segne unser Tun und Lassen.“
Zumal für die Gemeinden man
dankbar konstatieren kann,
dass immer noch trotz Gegenwind,
Arbeiter im Weinberg sind.
Menschen, die sich engagieren
und die sich keineswegs genieren,
für Jesu Sache ein zu stehen
und in den Gottesdienst zu gehen.
Wie Luther sagt: „Was Christum treibt,
das ist der Maßstab, der da bleibt,
denn uns’re Botschaft dient dem Leben,
so war es und so ist es eben,
so stehen wir auf gutem Grund,
und überzeugt tun wir es kund.
Natürlich gibt’s auch Grund zu klagen,
doch keinen Grund, gleich zu verzagen
und zu leiden manche Qualen,
weil uns treiben miese Zahlen.
Solange wir Gemeinde sind,
für Arm und Reich, für Mann und Kind,
solange wir Loblieder singen,
solang’ die Instrumente klingen,
wir Nähe leben und vermitteln
bei allem, was sich lässt bekritteln,
nicht nur auf eig’ne Kräfte bauen,
dann können wir nach vorne schauen
und zwar ohne zu verzagen,
als Gemeinde Neues wagen.
Neues wagen, zweifeln, beten,
unbekanntes Land betreten,
sich auf des Herrn Geleit verlassen,
ratlos sein und deshalb passen –
das war Josua bekannt
und doch – in das gelobte Land –
kam er und mit ihm Israel
und manche schauten ziemlich scheel,
dass nur ganz zarte Pflänzchen sprießen,
nicht Milch und Honig sich ergießen.
Bald schon mussten sie entdecken,
das Ganze ist kein Zuckerschlecken
und dennoch spürten sie aufs Neue:
Gott hält auch weiter uns die Treue,
er lässt, die, auf ihn bau’n, nicht fallen,
die Verheißung, sie galt allen:
Großen,. Kleinen, Frau und Mann,
und Josua – er ging voran.
Gewiß – ich bin nicht Josua,
doch innerlich bin ich ihm nah.
Ich durfte öfter vorne steh’n,
kein Zampano, doch mit Ideen,
geleitet von dem Grundprinzip:
Gott hat nicht nur Gewinner lieb
und Menschen bleiben Gottes Kind,
auch wenn sie nicht Weltmeister sind.
Menschlich hat Gott sich gezeigt,
sich uns in Jesus zugeneigt.
Geist von seinem Geist zu leben,
in seinen Dienst mich zu begeben,
zu spüren, wo uns Leben blüht,
darum hab’ ich mich stets bemüht.
Dank seiner Barmherzigkeit,
war’s für mich erfüllte Zeit.
Dabei blieb vieles bruchstückhaft,
da waren Grenzen meiner Kraft,
und Zweifel waren manchmal da,
so ähnlich wie bei Josua.
Wie er, so durfte ich erfahren,
in allen den vergang’nen Jahren:
Gott ließ mich niemals ganz verzagen,
„Danke“ kann ich da nur sagen.
Mit Hoffnung und mit Gottvertrauen,
dürfen wir nach vorne schauen,
ja eines, das gilt sicherlich,
für Dich und Dich und Dich und mich:
„Sei getrost und unverzagt
auch wenn Dich mancher Kummer plagt.
Denn auf allen deinen Wegen,
begleitet dich stets Gottes Segen !“
Amen
Und der Friede Gottes ….