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»Andere hätten sie genauso verdient wie ich«

Jutta Grabe 2006 bei der Demo gegen Studiengebühren
Jutta Grabe 2006 bei der Demo gegen Studiengebühren
Gießen | 81-jährige Jutta Grabe wird mit Hans-Böckler-Medaille ausgezeichnet

Die langjährige ehrenamtliche Gewerkschaftsfunktionärin Jutta Grabe aus Gießen wird am 29. Juni mit der Hans-Böckler-Medaille des Deutschen Gewerkschaftsbunds ausgezeichnet. Der Vorsitzende der DGB-Region Mittelhessen, Ernst Richter begründet die Wahl: »Jutta Grabe ist in Gießen eine Persönlichkeit des gewerkschaftlichen Lebens, die nicht nur während ihres Berufslebens, sondern auch als Rentnerin unermüdlich für soziale Gerechtigkeit streitet und für die Ideale der Arbeiterbewegung eintritt.«

Jutta Grabe wurde am 17.4.1929 in Mühlhausen in Thüringen geboren. Schon ihr Vater und Großvater waren als Möbeltischler im damaligen Holzarbeiterverband aktiv. Jutta Grabe machte 1945 mittlere Reife – drei Tage vor dem Einmarsch der Amerikaner. Dann lernte sie Industriekaufmann. »Das hieß damals noch nicht Industriekauffrau«, erzählt sie, »soweit waren wir noch nicht. Ich wurde dann auch Kaufmannsgehilfe.« Den Beruf übte sie aber vorerst nicht aus, denn sie brachte drei Töchter zur Welt und zog sie auf. Eine der Töchter ist die derzeitige Gießener Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz.

Nach der Scheidung von ihrem Mann musste Jutta Grabe den Familienunterhalt allein bestreiten. Sie begann als Verwaltungsangestellte in der Fachhochschule zu arbeiten. „Damals besuchte mich der zuständige ÖTV-Sekretär und sagte: »Na, biste schon in der Gewerkschaft?« Ich fragte, »muss man das sein? Aber ich nahm das Eintrittsformular und unterschrieb es.« Dann wurde sie ÖTV-Vertrauensfrau und ab 1976 für 20 Jahre Vorsitzende des Personalrats. »Das waren vier Männer und ich. Sie sagten mir, Jutta, mach du mal den Vorstand. Und ich machte es.«

Jutta Grabe war es schon immer wichtig, die gesellschaftlichen Verhältnisse besser zu gestalten. Das ist der Grund, aus dem sie sich gewerkschaftlich und friedenspolitisch engagierte und immer noch engagiert. Weit über das Ende des Berufslebens hinaus. Denn mit ihren 81 Jahren ist sie stellvertretende Vorsitzende des Seniorenrats Mittelhessen. Über die Hans-Böckler-Medaille, die höchste Auszeichnung des DGB, freut sie sich sehr. »Aber andere hätten die genauso verdient wie ich« sagt Jutta Grabe bescheiden, »die haben sich auch ein Leben lang engagiert.«

Seit Mitte der 90er Jahre besucht Jutta Grabe regelmäßig Schulklassen und berichtet als Zeitzeugin über den Faschismus. »Ich weiß noch, wie gegen Ende des Krieges die KZ-Häftlinge durchs Dorf getrieben wurden, das vergisst man nie. Davon will ich den Jugendlichen erzählen.«

Die Hans-Böckler-Medaille ist die höchste Auszeichnung, die der DGB und seine Einzelgewerkschaften vergeben. Hans-Böckler war 1949 der erste Vorsitzende des DGB. Mit der Medaille werden besondere Verdienste im gewerkschaftspolitischen Leben gewürdigt, insbesondere ein herausragendes ehrenamtliches Engagement.

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Jutta Grabe (1. Reihe mitte)
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Kommentare zum Beitrag

Christiane Pausch
6.381
Christiane Pausch aus Gießen schrieb am 28.06.2010 um 23:33 Uhr
Hut ab vor so viel Engagement und das bis ins hohe Alter!!Weiter so liebe
Frau Grabe,ich glaube das hält Sie und Ihren Geist jung!
Mit herzlichen Grüssen Christiane Pausch
Bernd Zeun
11.217
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 29.06.2010 um 17:23 Uhr
Interessante Persönlichkeit und ein guter Bericht darüber !
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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Herzlichst, Ihr(e) Christian Momberger

von:  Christian Momberger

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Interessensgebiet: Gießen
Christian Momberger
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