Gießen | Was früher für den Musikliebhaber die Oper war, ist heute für ihn das Musical. Jedoch beweist Guiseppe Verdis Oper "Otello", Samstag im Stadttheater Gießen Premiere feierte, dass sie durchaus noch zeitgemäß ist. In vier Akten erschuf Verdi 1879 ein komplexes Werk nach William Shakespeares Eifersuchtstragödie. Die Textfassung stammt von Arrigo Boito. Eine Uraufführung 1887 an der Mailänder Scala wurde ein voller Erfolg. Jetzt ist Verdis "Otello" in konzertanter Fassung im Großen Haus des Gießener Stadttheaters zu sehen. Gesungen wird in Originalsprache mit deutschem Übertitel. Jedoch darf man nicht glauben, dass dies weniger interessant sei, denn die Sänger in den Hauptrollen waren durchaus mit Leib und Seele in ihren Rollen. "Otello" ist ein Drama aus Hass und Eifersucht. Die Geschichte spielt in einer Hafenstadt auf der Insel Zypern gegen Ende des 15. Jahrhunderts. Otello, ein ruhmreicher Feldherr, der siegreich aus dem Krieg heimkehrt, lässt sich von Fähnrich Jago zur falschen Eifersucht verleiten. Jago legt Otellos bestem Freund Cassio falsche Worte in den Mund, legt eine falsche Fährte, nur weil er glaubt,
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bei der Beförderung übergangen worden zu sein und schürt damit Otellos Eifersucht. Zynisch wie Jago ist, spricht er von der Untreue von Otellos Gattin Desdemona und überzeugt diesen von einer heimlichen Liebschaft zwischen ihr und Cassio. Rasend vor Eifersucht tötet Otello seine Geliebte, die bis zuletzt ihre Unschuld beteuert. Doch dann kommt Jagos Intrige ans Tageslicht und auch Otellos Leben ist verwirkt - er begeht Suizid und stirbt an der Seite seiner toten, bleichen Frau.
Verdis Oper geht einem sehr nahe, denn es ist traurig, mit zu erleben, wie zwei Menschen, die so eng miteinander verbunden und deren Liebe so stark zueinander ist, so einfach von solch einer bösartigen Macht beeinflusst werden können. In den Hauptrollen sind drei herausragende Solisten zu hören. Als Desdemona ist die spanische Sopranistin Arantxa Armentia zu hören. Sie studierte Klavier und Gesang in Madrid und Karlsruhe und absolvierte Meisterkurse bei Teresa Berganza und Alfredo Kraus. 1999 bis 2006 war sie festes Esemblemitglied am Linzer Landestheater. Seit 2006 gehört sie dem Esemble der Hannover Staatsoper an, wo sie zuletzt als Micaela (Carmen) die Gräfin Mimi (Figaro) und Freia (Das Rheingold) zu erleben war. Armentia führte in vielen weiteren Europäischen Opern Gastengagements. In Gießen stand sie bereits als Liù (Turandot) auf der Bühne. Adrian Gans übernimmt den Part des Jago, mit seiner Mimik und seiner stimmgewalt verkörpert er überzeugend den Bösewicht. Er gehört zu den herausragenden Sänger der jüngeren Generation. Bereits während seines Studiums an der Manhattan School of Music erhielt er zahlreiche Preise und gewann unter anderem renommierte Wettbewerbe wie die "Operalia World Competition" Seine Karierre begann er an der Chautauqua Opera in New York. 2006 gab Gans sein Debüt als Escamillo in Carmen an der New Yorker City Opera. Er kann schon ein großes Repertoire aufweisen. Kip Wilborn übernimmt die anspruchsvolle Rolle des Negers Otello. Wilborn sang bereits an renommierten Opernhäuser wie der San Franzisco Opera, der Opéra National de Paris, der New York City Opera, der Houston Grand Opera, dem Theater des Westens Berlin, der Volksoper Wien, dem Aalto Theater Essen und beim Wexford-Festival. Zu seinem Repertoire zählen die zentralen Partien des italienischen und französischen Fachs, wie beispielsweise Pinkerton in Madam Butterfly, Rodolfo in La Boheme, den Don José in Carmen um nur einige zu nennen. Neben der Oper widmet er sich einem breit gefächertem Konzertrepertoire. In Gießen war er zuletzt als Turridu in Cavalleria Rusticana zu erleben. Auch in den weiteren wichtigen Rollen sind großartige Stimmen zu hören. So übernimmt die Figur des Cassio der Tenor John Carlo Pierce. Der Brasilianer José Gallisa die des Ludovico. Henrietta Hugenholtz, seit 2001 Ensemblemitglied des Stadttheater Gießens, ist Emilia. Stephan Bootz verkörpert Montano und August Schram den Rodrigo. Dirigent ist Carlos Spierer, die Chorleitung hat Jan Hoffmann, Chordirektor des Gießener Stadttheaters. Weitere Vorstellung im Großen Haus am Sonntag, 27. Juni, um 19.30 Uhr.