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Gästebuch Bundespräsident Dr. Horst Köhler

von Thomas Kriebsam 01.06.20103412 mal gelesen8 Kommentare
Dr. Horst Köhler: WIKIPEDIA
Dr. Horst Köhler: WIKIPEDIA
Gießen | Über dreitausend, überwiegend verständnisvolle Einträge auf dem Gästebuch des ehem. Bundespräsidenten Dr. Horst Köhler .
Die Menschen in unserem Land scheinen den Schritt des Bundespräsidenten zu respektieren.

Warum tun dies eigentlich nicht die Berufspolitiker und die politische Presse in Berlin?

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Kommentare zum Beitrag

Thorsten Lux
905
Thorsten Lux aus Gießen schrieb am 02.06.2010 um 10:25 Uhr
Verständnis sollte man wohl ausschließlich dann kommunizieren, wenn man auch Verständnis hat. Und wenn ich den Medien glauben darf, dann ging es beim Rücktritt Köhlers darum, dass er einen Kommentar zum Afghanistan-Einsatz getätigt hat, der nicht auf ungeteilte Zustimmung stieß. Und das sollte ein Staatsoberhaupt wohl ertragen konnen, dass Meinungsäußerungen auch hinterfragt werden dürfen, und dass man dabei auch gänzlich anderer Meinung sein darf. Das klingt für mich nicht danach als könnte ich dafür Verständnis aufbringen. Verständnis heucheln mag ich nicht und negative Eindrücke zu dieser Aktion ins Gästebuch Köhlers posten ist auch nicht meine Sache. Insofern übe ich mich erfolgreich in Schweigen. Wenn das "die Berufspolitiker und die politische Presse in Berlin" anscheinend ähnlich sehen, habe ich dafür mehr Verständnis, als wenn sie Verständnis heucheln oder "nachtreten" würden.
Gunnar Dillmann
372
Gunnar Dillmann aus Biebertal schrieb am 02.06.2010 um 11:32 Uhr
Ich fürchte, Her Lux, da sind Sie selbst nicht richtig informiert über die Vorgänge. Herr Köhler hat (vielleicht unglücklicherweise nach einem Besuch in Afghanistan) eine Aussage zum Einsatz der Marine im Zuge der UN-Mission vor Afrika (Piratenüberfälle) und dem Schutz freier Handelswege gemacht.
Dies wurde ihm von der Presse fälschlich so in den Mund gelegt, als ob er den Afghanistan-Einsatz als "Wirtschaftskrieg" zweckmäßig gutheiße, der nach einem Sieg gegen die Taliban deutschen Unternehmen gute Handelsbeziehungen zu den Afghanen sichern solle.
Das wäre verfassungswidrig und ist für einen Bundespräsident natürlich völlig unmöglich. Beim Schutz ziviler Schiffe gegen Piraten sieht das anders aus.
Egal, ob Sie oder ich oder unsere Mitbürger den Einsatz in Afghanistan nun als den offiziellen "Kampf gegen den Terror" oder doch als unausgesprochenen "Wirtschaftskrieg" empfinden, darf die Presse auf keinen Fall eine Aussage des Bundespräsidenten in einen falschen Zusammenhang stellen, um ihn dann aggresiv anzugreifen.
Da habe ich volles Verständnis dafür, daß Herr Köhler Respekt vor dem Amt vermisst.
Thorsten Lux
905
Thorsten Lux aus Gießen schrieb am 02.06.2010 um 11:42 Uhr
Lieber Herr Dillmann,

sicherlich haben Sie damit Recht, dass ich in letzter Zeit Nachrichten bestenfalls "mit halbem Ohr" verfolgte. Das macht natürlich aus, dass ich weder die konkrete Aussage Herrn Köhlers kenne, noch das was die Presse darüber berichtete.

Insofern hiermit meinen Dank für die Hintergrundinformation.
Stefan Walther
4.455
Stefan Walther aus Linden schrieb am 03.06.2010 um 23:51 Uhr
Hallo Thorsten,
warum so schnell den Rückzug antreten? Dafür gibt es keinen Grund!

Wieso, Herr Dillmann, nimmt Herr Köhler dann nicht Stellung zu den wirtschaftlichen Zielen in Afghanistan? Es ist nämlich keineswegs egal wie man zu dem Krieg in Afghanistan steht und erst Recht nicht als Bundespräsident... oder ist der Zugang zum Kaspischen Meer, die geplante Pipeline quer durch Afghanistan kein wirtschaftliches Ziel mehr? Mal ganz abgesehen von den, wie Sie es nennen, guten Handelsbeziehungen für die Zukunft sichern...wer glaubt eigentlich wirklich noch, dass dort ein Krieg gegen in erster Linie Taliban geführt wird? 5.000 bis 10.000 Taliban,gegen zehntausende Soldaten ( hochgerüstete Truppen) und weitere zehntausende Söldner in Privatarmeen...die Taliban wären längst besiegt! Es ist ein Krieg gegen das Volk, dass sich gegen die Besatzer wehrt.

- und Sie kennen sich aus in und mit Somalia? Kennen Sie das Schicksal der verarmten Fischer dort, deren Fanggründe von den selben Nationen und deren Flotten in Hoheitsgewässern von Somalia das Meer leergefischt haben, die jetzt mit Marine vor der Küste kreuzen? Wissen Sie wieviel Giftmüll dort im Meer verkappt wurde, in die Nahrungskette der Menschen kam und Krankheiten entstehen ließen, die vorher dort völlig unbekannt waren? Also, natürlich ist Piraterie zu verurteilen, aber nicht so! Wenn man nicht die Ursachen untersucht ist das Ganze ziemlich heuchlerisch!
Thorsten Lux
905
Thorsten Lux aus Gießen schrieb am 04.06.2010 um 00:16 Uhr
Hallo Stefan,

ich gebe zu, dass ich vielleicht zu viel Grundkenntnisse seitens der GZ-Leser vorausgesetzt habe, wenn ich denke dass alles was Du schreibst zwar zutreffend aber doch bekannt ist. Mag sein, dass dieser Glaube naiv ist.

Dennoch frage ich mich, inwiefern das mit dem Rücktritt des Bundespräsies zu tun hat. Wenn ich aus meiner persönlichen Informationslage Herrn Köhler etwas ankreiden könnte, dann ist das doch vermutlich eher seine wahrlich zerstörerische Leistung bevor er Bundespräsident wurde - nicht Kommentare bei denen vermutlich jeder gesagt hätte: Lass ihn eben reden. Insofern vergieße ich sicherlich keine Tränen bzgl. Köhlers Rücktritt... aber wo liegt meine Kritik? - darin dass irgendwer in seiner Funktion als Bundespräsident etwas sagte, das ich im genauen Wortlaut nicht vorliegen habe und deshalb nicht bewerten kann, oder darin, dass er zurücktrat? Der Mann ist weg von seinem Posten und das ist mir - in meiner Eigenschaft als jemandem der in ihm keine geeignete Person sah - zunächst einmal sehr recht.
Stefan Walther
4.455
Stefan Walther aus Linden schrieb am 04.06.2010 um 09:05 Uhr
Hallo Thorsten,

nein, viele Leser haben diese Grundkenntnisse eben nicht, dies darf für uns aber kein Grund sein überheblich zu werden oder diese Menschen zu belächeln!
- ein wahres Trommelfeuer seitens der Medien, um den Krieg in Afghanistan zu rechtfertigen hat aber nicht dazu geführt, dass die Menschen hinter dem Einsatz stehen! Das ist doch auch ein Erfolg, denn so dumm sind die BürgerInnen nicht, dass sie alles glauben...das heißt aber noch lange nicht, dass sie wissen um was es wirklich in Afghanistan (oder bei sonstigen Auslandseinsätzen) geht: Deutschland spielt auch wieder mit im Großmachtstreben, mittlerweile dritt-größter Waffenexporteur der Welt (!)...und wer kann sich heute schon noch an den Satz nach dem Ende des 2.Weltkrieges erinnern: "jedem Deutschen, der jemals wieder eine Waffe in die Hand nimmt sollte die Hand abfaulen!"?

- ein "geeigenter" Bundespräsident, eine "geeignete" Person? Für wen? Es gibt sicher Nuancen, aber grundsätzlich ist dies doch völlig egal, ein von der Bundesversammlung (mit der Mehrheit von Schwarz/Gelb) gewählter Bundespräsident? Da ist mir der Vorschlag von Herrn Praschak (siehe Kommentar zur Piratenpartei) den Bundespräsidenten vom Volk wählen zu lassen doch wesentlich sympathischer.
Gunnar Dillmann
372
Gunnar Dillmann aus Biebertal schrieb am 04.06.2010 um 10:19 Uhr
Hallo Herr Walther,
jetzt sollten Sie aber einmal grundverschiedene Dinge auseinanderhalten. Es ging in dem Beitrag darum, ob man ein Staatsoberhaupt kritisieren darf und er Kritik einstecken können muss. Beides beantworte ich mit Ja, insofern die Kritik ehrlich ist. Im konkreten Fall (der nur die Spitze des Eisbergs war) hat man den Inhalt eines Interviews verfälscht dargestellt und dies ist extrem unfair und insofern sage ich das muss man sich nicht gefallen lassen.
Interessanterweise hat zwar die Presse das Interview geführt, der fraglichen Aussage aber ursprünglich keine besondere Bedeutung zugewiesen. Die professionellen Reporter hatten den Sinn der Aussage sehr wohl korrekt verstanden.
Dann ist das Ganze aber unqualifiziert und verfälscht in Internet-Blogs, Facebook und Twitter dargestellt worden und hat unglaubliche Dimensionen angenommen. Nach ca. einer Woche sind dann diverse Zeitungen wieder auf den Zug aufgesprungen.
Dies muss sich niemand gefallen lassen, denn es ist keine ehrliche Kritik.

Internet ist eine tolle Sache. Laut Grundgesetz haben wir Meinungsfreiheit (sofern sie nicht gegen die Rechte Dritter unfair verstößt) und jeder hat das Recht seine Meinung auch zu veröffentlichen. Das steht schon seit Jahrzehnten auf dem Papier, aber erst das Internet hat uns allen die Möglichkeit gegeben dies auch mit erschwinglichem Aufwand zu tun. Ein Riesenerfolg für die Demokratie.
Aber Fairness muss das oberste Gebot bleiben. Facebook, Twitter, etc... haben nun leider ihre Unschuld verloren. Schade.

Es ist eine ganz andere Sache (und hat mit dem ersten Beitrag von Herrn Lux nicht direkt zu tun), zu fragen warum und wie in Afghanistan, Somalia etc. deutsche Soldaten sind und handeln. Meine persönliche Meinung dazu habe (wollte?) ich oben bewusst offen halten und werde diese auch hier nicht öffentlich diskutieren.

Bei aller Kritik, die Sie Herr Köhler entgegenbringen, sollten Sie sich auch einmal fragen, warum das Volk seine Favoriten für die Nachfolge nicht selbst bestimmen soll. Abgesehen davon daß dies in der Verfassung sowieso nicht vorgesehen ist. Aber die Parteien könnten bei Ihren Vorschlägen ja auf die Umfragen hören.
Nein, Herr Köhler war unseren Politikern zu unbequem, weil er Dinge sagte, welche die Regierungsparteien nicht hören wollten. Man suchte nun ganz klar einen "Berufspolitiker aus den eigenen Reihen", keinen "Quereinsteiger" mehr wie Köhler es war.
Haben Sie eigentlich die Aussage Köhlers in Afghanistan mitbekommen, daß er den Soldaten dort sagte, er könne es verstehen, wenn sie den Einsatz "Krieg" nennen. Neben Köhler hat kein anderer Politiker neben Guttenberg das je so deutlich gesagt. Und das ist natürlich unbequem für die Politik. Vielleicht macht es Ihnen Herr Köhler ja doch ein wenig sympatischer.

Auch über die Lage in Somalia bin ich (glaube ich) informiert. Natürlich ist es das herrschende Elend, welches z.B. ursprünglich die Fischer zu den Überfällen motivierte. Heute sind es zum Teil millionenschwere mafiaähnliche Banden, mit Schnellbooten und schwerem Kriegsgerät, finanziert aus den Lösegeldern. Wieviel von dem erbeuteten Geld kommt eigentlich der notleidenden Bevölkerung zu Gute? Was glauben Sie?

Dieses Problem ist sicher nur politisch zu lösen, indem man den Leuten hilft, aus dem Elend zu kommen. Das ist nicht die Aufgabe der Bundeswehr. Der Einsatz soll sich auf den Schutz der zivilen Schiffe beschränken, und diese vor den Piraten schützen. In Not zu leben ist eben auch keine Rechtfertigung Unschuldige zu überfallen.

Wie gesagt ich sehe sehr wohl daß das Problem nur an Land und zivil nicht-militärisch endgültig gelöst werden kann. Das ist und bleibt eine herausfordernde Aufgabe für die Weltgemeinschaft.
Stefan Walther
4.455
Stefan Walther aus Linden schrieb am 04.06.2010 um 14:39 Uhr
Hallo Herr Dillmann,
wir haben unterschiedliche Meinungen zu Herrn Köhler, na gut das ist halt `mal so. Ob Herr Köhler den Krieg Krieg nennt oder wie andere Politiker ihn nicht so nennt, spielt für mich solange überhaupt keine Rolle, solange er nichts gegen diesen Krieg unternimmt, wo soll der entscheidende Unterschied sein? Nur, völlig egal ob Herr Köhler Somalia oder Afghanistan oder sonst einen Einsatz der Bundeswehr meinte, Auslandseinsätze der Bundeswehr sind ohnehin schon mehr als fraglich und vor dem Kosovo-Einsatz noch undenkbar gewesen. Und Einsätze ( = und das ist Krieg) der Bundeswehr, um wirtschaftliche Interessen Deutschlands "zu sichern" sind nun mal lt. Grundgesetz verboten, nicht nur in Afghanistan...

und dass man Jeden (!) in einer Demokratie kritisieren darf darüber muss man erst gar nicht diskutieren. Was ist schon fair? Wieviele Zitate wurden schon verfälscht, aus dem Zusammenhang gerissen oder sogar Politikern in den Mund gelegt obwohl sie nie etwas zu einer Sache gesagt hatten...? Hätte Herr Köhler nicht den Beleidigten gespielt und von Respektlosigkeit geredet...sondern klargestellt, dass er nicht nur nicht Afghanistan gemeint hat, sondern dass es seiner Meinung nach in Afghanistan auch nicht um wirtschaftliche Interessen geht, wo wäre das Problem gewesen? Aber dies kann er nicht, da er es besser weiß, und da ist auch die Verbindung und deshalb sind es auch keine grundverschiedenen Dinge! Warum sollte man seine Meinung hierzu nicht öffentlich kundtun? Ca. 70 Prozent der deutschen Bevölkerung lehnen den Afghanistaneinsatz weiterhin ab, obwohl sie keine Bildzeitung, kein Fernsehen oder Radio zur Verfügung haben um diese Meinung zu verbreiten, also sollte man dies als kleines Gegengewicht zu den Medien überall tun wo man Gelegenheit dazu hat!

Ich hatte schon erwähnt, dass auch meiner Meinung nach Piraterie zu verurteilen ist ! (soviel zum fair sein, ich bin aber nicht beleidigt, ich stelle halt klar) Mir geht es nur um die Heuchelei einiger Mitverursacher des dortigen Elends. Und wenn man feststellt, dass in Somalia das korrupteste Regime der ganzen Welt herrscht und man dieses dann mit EU-Geldern und Ausbildern für Polizeikräfte unterstützen will, da fehlen mir fast die Worte. Sie haben Recht, Piraterie ist mittlerweile dort ein (internationales!) riesen Geschäft und man schätzt, dass maximal 10 Prozent der "Einnahmen" bei der Bevölkerung landen. Der Rest geht an Hintermänner im Ausland, in die Taschen der Piraten und in Investitionen für Schiffe und Waffen. Fischer, die zu Beginn lediglich Zölle zur Sicherung ihrer Lebensgrundlage erhoben hatten, spielen da schon lange keine Rolle mehr!
Und denen, die aus aller Herren Länder vor Somalias Küste kreuzen, geht es weder um Piraten noch um humanitäre Hilfe.
Hallo Lieber Leser
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von:  Thomas Kriebs

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