Nahe Mittelhessen-Gießen: Große E.L. KIRCHNER Schau in der KUNST-Hauptstadt FRANKFURTKirchners "Der Frankfurter Dom" von 1926. Mit Eisernem Steg, den E.L.K. bei seinen Frankfurt-Besuchen faszinierte. Der Maler-Architekt zeichnete und malte gerne Brückenbauwerke. (Kat. 130/S. 280.) Teil 2 (mit 36 Bildern): http://www.myheimat.de/gladenbach/kultur/nazi-entartete-kunst-terror-ex-expressionist-el-kirchner-und-der-neue-stil-teil-2-d512648.html (3) GRISEBACH, Lucius: ERNST LUDWIG KIRCHNER 1880-1938. Köln 1999. (4) GROPP, Rose-Maria: Ein Mann mit Nerven für das Neue. (Kirchner-Ausstellung im Städel): In Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 23.4.10. (5) RICHTER, Peter: Deutsche Schüsse in Davos. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung & FAZ v. 26.4.2010. ANHANG Lebenslauf Ernst Ludwig KIRCHNER 1880 E.L.K. wird am 6. Mai geboren in Aschaffenburg - als Sohn einer Papier-Chemikers; 1886 Umzug nach Frankfurt, dort Einschulung. 1889 Berufung des Vaters als Professor an die Gewerbeakademie, Chemnitz. 1890 E.L. besucht die Volksschule. 1901 Abitur in Chemnitz - Beginn eines Studiums der Architektur an Technischen. Hochschule Dresden; bringt sich das Malen bei. DODO, E.L.K.s Dresdner Lebensgefährtin: 1910/20 - "Stehender Akt mit Hut". Zur lebensgroßen Aktdarstellung schrieb K.: "rein, wei kaum ein anderes Aktbild unserer Zeit". Mehr Kat. S. 254. Diplomvorpüfung als Architekt. Zweisemestriges Studium "Lehr- und Versuchs-Atelier f. angewandte und freie Kunst", München. 1904 Aufgabe des Architekturstudiums. Sieht in München Dürer- und Rembrandt-Werke. Freundschaft mit Ernst Heckel. 1905 Prüfung zum Diplom-Ingenieur. Mitbegründer der Künstlergruppe "Brücke" (mit E. Heckel und K. Schmidt-Rotluff) in Dresden. 1. Brücke-Ausstellung Leipzig, Buchhandlung P.H. Beyer & Sohn. 1907-1909 Malt im Sommer Moritzburger Teiche bei Dresden. E.L.K. beginnt Holzskulpturen zu schnitzen. Sieht 1909 Matisse- & Cézanne-Schau in Berlin (Galerie Paul Cassirer). 1907 Entwicklung eines eigenen Stils. 1908 Fehmarn-Aufenthalt. Kontakt mit der Kunst der Fauves. 1910 Künstlergruppe "Brücke" zieht von Dresden nach Berlin. Mitglied im Deutschen Künstlerbund. Zeichnet Skulpturen im Völkerkunde-Museum in Dresden von den Paula-Inseln in der Südsee. 1911 Übersiedlung nach Berlin; Kontakte zur Kunstgruppe "Sturm"; Hauptthema seiner Bilder wird das Großstadtleben. Lernt Erna Schilling kennen und deren Schwester Gerda. 1912 Beteiligung an „Blaue Reiter“-Ausstellung in München & Berlin. Teilnahme Sonderbundausstellung (Fresko), Köln . Lernt Edvard Munch persönlich kennen.. 1932/37er Gemälde „Tanzende Mädchen in farbigen Strahlen“ (Kirchner Museum Davos). E.L.K. hat seine „Farbenlehre“ in farbflächenhafter Gestaltung visualisiert dargestellt. Der Maler-Architekt Kirchner lässt alles Farben-Getrennte z Erna wird seine Geliebte. Kirchner erhält Auftrag zur Chronik. 1913 Verfasst Chronik der Brücke - Auflösung der Künstlergruppe "Brücke"; Gemälde "Die Straße" und "Fünf Frauen auf der Straße". 1914 Meldung zum Militärdienst; Gemälde "Der Maler mit einem Mädchen". Lernt Oskar Schlemmer kennen. 1915 Militärische Ausbildung in Halle; Lebensangst; Gemälde "Der Maler als Soldat"; Zusammenbruch und Aufenthalt in einem Sanatorium im Taunus; Königstein 1917 Übersiedlung nach Frauenkirch bei Davos in die Schweiz. Morphium- und Veronal-Abhängigkeit. Kontakt mit Henry van de Velde. 1918 Hauptthema seines Werkes werden schweizerische Landschaften. Bezieht mit Erna Schilling Bauernhaus in den Lärchen/Davos. Schreibt das „Glaubensbekenntnis eines Malers“. 1919: Hauptthemen Berglandschaft & Bergbauern-Leben. 1. Aufsatz unter dem Pseudonym Louis de Marsalle. 1921 Morphiumabhängigkeit überstanden. Gemälde "Davos im Schnee" und "Wohnzimmer"; Vater stirbt. 1923 Ausstellung in Kunsthalle Basel – Umzug in altes Bauernhaus auf dem Wildboden in Frauenkirch/Davos. 1924 Beginn der Zusammenarbeit mit dem Kunstschriftsteller Will Grohmann. 1925 Teilnahme Internationale Kunstausstellung, Dresden; Gemälde "Die Maler der Künstlervereinigung 'Brücke'". Sieht Werke Pablo Picassos in Zürich, besucht Frankfurt zweimal. 1925 - 1930 Macht einen Besuch bei Max Liebermann in Berlin. Rückreise über Frankfurt 1926. Rückschau der Kunstgesellschaft Davos: „Kirchner 10 Jahre in Davos“ (Ausstellung 1926). 1926 Beginn der abstrakten Malerei; Teilnahme Internationale Kunstausstellung, Dresden. Will Grohmann veröffentlicht 1. Monografie über Richters Gesamtwerk. 1927 Auftrag Ausgestaltung Festsaal Museum Folkwang in Essen, der nicht realisiert wird; Direktor Ernst Gosebruch wird 1933 durch Nationalsozialisten entlassen. 1922 - 1938 Zusammenarbeit mit der Weberin Lise Gujer; Bildteppiche & Kissenplatten entstehen nach E.L.K.s Entwürfen. Großer Hagemann-Teppich von 1928/32 im Städelmuseum. 1931 Ernennung zum Mitglied in der Preußischen Akademie der Künste, Berlin; Reise nach Frankfurt und Berlin. Bereitet 1932 große Retrospektive vor, die 1933 in Bern stattfinden wird. Im Katalog letzter Aufsatz unter Pseudonym L. de Marsalle. 1935 Abkehr von der Abstraktion. 1937/38 639 Werke werden 1937 als entartet aus den Museen in Deutschland beschlagnahmt. München: 32 Arbeiten Kirchners sind in der Ausstellung „Entartete Kunst“ zu sehen. K. wird aus der Preußischen Akademie ausgeschlossen. E.L.K. leidet unter der Diffamierung seiner Kunst, befürchtet Einmarsch der Wehrmacht von Österreich aus in die Schweiz. 1938 am 15.06. Selbstmord in Frauenkirch bei Davos unweit seines Hauses; zerstört vorher Druckstöcke & geschnitzte Objekte. Soll auf eigene Bilder geschossen haben. (ANHANG unter Berücksichtigung von Biografie-Daten im Katalog zur Städelschau, S. 289 ff. und von GRISEBACH, Lucius: ERNST LUDWIG KIRCHNER 1880-1938. Köln 1999 (S. 193 ff.).) PS: Siehe Beitrage mit BILDERGALERIEN – Hinweis zum Doppelartikel (2) NACHWORT für KUNST-Interessierte Dokumentation der Diskussion zum BILD mit der vom PFERD gestürzten REITERIN; Antwort Kurator Dr. Felix KRÄMER Dass das Bild von KIRCHNER mit geschlitztem Loch nicht (!) in der Baselitz-Manier gemeint ist, ergibt sich aus folgenden Indizien: Das Bild ist im "Neuen Stil" gemalt, hängt auch in einem dementsprechenden Raum im Städel. Ich entdeckte in der linken unteren Ecken ein kleines Loch im Bild, das in V-Form geschlitzt ist und durch Kratzen die Gestalt eines großen "K" ergibt. Der Buchstabe steht m.E. für Kirchner. Früher hat Kirchner Bilder mit E.L.K. signiert; z. B. im Bild der "Negertänzerin", das laut Katalog & Ausstellung mit "1910/20" datiert ist - aber auf dem Bild unten links mit "E.L.K. 05" signiert ist. Kirchner hat Bilder vordatiert, das weiß man. Die Gestalt des eines großen "K" ist auf dem Bild „Reiterin mit gestürztem Pferd“ vertikal gespiegelt gezeichnet, d. h. folgendes: Wenn man das Gemälde um 180 Grad dreht (auf den Kopf stellt), ergibt sich die Situation, dass das "K" nun in richtiger Gestalt (als K für Kirchner) oben rechts in der Ecke (über dem linken Ohr des Pferdekopfes) zu sehen ist. Möglicherweise hat E.L.K. das Bild nicht 1928/29, sondern später (evtl. kurz vor seinem Selbstmord) gemalt und auch (vielleicht !) vordatiert. Ich interpretiere das brisante Bild so: Das gestürzte Pferd steht für E.L.K. und die Reiterin für ERNA (Lebensgefährtin). Kirchner hatte um 1938 Selbstmordabsichten und er wollte, dass Erna ihm in seinen Freitod folgt. Erna wollte aber leben. Das Schlitzen der Leinwand und seinem Namenskürzel "K" ist ein aggressiver Akt gegen sich selbst (Selbstverstümmelung - vgl. Boderlinestörung). Im Maul des Pferdes hängen nach UNTEN (bei der gedrehten Ansicht - richtig!), die gerissenen "Zügel". In einer Gestalt, die das gestürzte - am Boden liegende Pferd - m.E. vielleicht hieroglyphisch symbolisieren. In der um 180 Grad gedrehten "richtigen Form" des Bildes fliegt "Erna" durch die Luft (Busen schräg nach links-unten gerichtet). Das Gesicht Ernas zeigt ein "Lächeln" mit herausgestreckter Riesen-Zunge, die gestaltmäßig im Brustbereich des Pferdes als Form widergespiegelt erscheint. Möglicherweise wiederholt sich auch das geschlitzte "K" gestaltmäßig im Kopf des Pferdes - 2 Ohren und Pferdemähne (mit verdecktem Auge). Unklar bleibt die helle flächige Hinterteilgestalt: vermutlich der Pferdesattel. Fazit: Das Bild (Kat. Nr. 138) gehört m.E. umgedreht aufgehängt; es kündigt Kirchners Freitod von 1938 an. Problem: Der Katalog zeigt eine Skizze 114d (S.193) zum Gemälde - Skizzenbuch 1921-23/25. Ergänzend ist zu sagen, dass E.L.K. auch Bilder der Städel-Ausstellung rechts oben signiert hat: z.B. Kat. 10 (1909/10), Kat. 3 (1910), Kat. 96 (von 1917/ nach 1930). Vordatiert hat Kirchner häufig; dass er die Skizze des Skizzenbuchs (1921-23/25) erst später zu dem Pferdereiterinnen-Gemälde nutzte, ist m.E. durchaus möglich. Es gibt ein weiteres Pferde-Reiterin-Bild, das in Salzburg ausgestellt wurde: Ernst Ludwig Kirchner : [anlässlich der Ausstellung Ernst Ludwig Kirchner, 31. Oktober 2009 - 14. Februar 2010, Museum der Moderne Salzburg] / [MdM Salzburg]. Lucius Grisebach. [Hrsg. Toni Stooss]. - [Köln] : DuMont, 2009. - S. 245 "Reiterin" 1931-32 (Kat. 41) - Öl Lw.: Im "neuen Stil" gemalt: erinnernd an die Malerei einer Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen; Vorbilder: Trennung und Überlagerung eines Bewegungsablaufs - kinematographische Zeiterfahrung - Serienbilder (MUYBRIGDEs "Animals in Move",1899 u. Bragalia) - Dynamismus des Futurismus - mit z.B. Giacomo BALLAs Gemälde „Bewegungsrhythmus eines Hundes an der Leine“ (1912) u.a.m. (Duchamps Akt z.B.). Auch das im Städel-Katalog kommentierte Gemälde "Schlittenfahrt" 1927/28 (S. 208/281) ist analog neo-"futuristisch" interpretierbar. Im Salzburg-Reiterinnen-Bild (siehe Bildergalerie): Ansicht des Pferdes sowohl von hinten als auch von der Seite (schwarz/schattenartig) - Drehung um einen rechten Winkel. E.L.K. vergleicht das Pferde-Hinterteil (rosa) mit dem einer Frau; Pferdeschwanz (Nabel ?) weggelassen. (Siehe 180-Grad-Drehung in der Nackten der rechten Tafel des Bildes "Badende Frauen" (Triptychon Kat.73).) "SO" (Sandra Oppmann) hat S. 282 von der dunkler grünen Fläche, die vom Kopf ausgeht, gesprochen (angeblich nicht zuordbar "in umgekehrter Perspektive"). Dieser wie ein Schatten wirkenden grünen Fläche ist die große gleichfarbige Grünfäche "oben im Bild" zuzuorden, die in/um den Körper von "Erna" verläuft. Von "Ernas" beiden Beinen müssten Schatten ausgehen. Im umgedrehten Bild ist die Grünfläche "harmonischer" ins Bildganze integriert perspektivisch zu sehen. Man meint, E.L.K. habe es "vergessen", die 3 orangefarbenen Flächen an der Pferdebrust und seitlich der Vorderbeine auszumalen. Der Steigbügel vor dem verschlungenen Hinterbeinpaar liegt beim "gestürzten" Pferd in umgekehrter Perspektive "richtiger"! Mutmaßlich hat E.L.K. das dynamische Reiterinnen-Bild bewusst doppelt/multi-perspektivisch gemeint gemalt. Ernst Ludwig KIRCHNERs Pferde-Reiterin (1931-32; Davos Kirchner Museum), das in Salzburg ausgestellt wurde, ist auch im Buch von Lucius Grisebach über KIRCHNER (Taschen Verlag, 1999) auf der Seite 186 abgebildet: Im Berner Ausstellungskatalog von 1933 schreibt E.L.K.: "Bei hellem Sonnenschein treten in der Fernsicht die Schatten als selbständige Formen aus dem Körper heraus und verbinden sich mit dem vereinfachten Umriss zu einer neuen Form. Die verschiedenen Ansichten, die beim Umgehen entstehen, sind zu einer einheitlichen Form verbunden." (Grisebach, S. 185. a.a.O.) Grisebach schreibt: "Während bei der Reiterin der Körper des Pferdes vor der Landschaft meisterhaft und intelligent in viele einander überschneidende Flächen aufgeteilt und zugleich in einer großen Flächenform zusammengefasst ist, verlieren sich die Figur der Reiterin und der Kopf des Pferdes in vielerlei motivischen Details - Augen, Lippen, Haare, ein Hütchen, zwei Arme und zwei Brüste -, die eben nicht abstrakt sind und daher wie Karikaturen wirken." G. verweist auf analoge "Widersprüche" im Bild "Farbentanz II" (1932-34 S. 187), das K. beschrieben hat (Zitat S. 185 Bildlegende). Interessant ist, was Hubertus FRONING im Katalog zur 1999er E-L-K.-Ausstellung im Davoser Museum/Folkwang Essen schreibt: "Reiterin" S. 140: Gosebruchs Ablehnung 1932: als indiskutabel - unzulänglich - peinlich - lächerlich (a.a.O. S. 106, 107). Ebenda auch zu analogen Stilmerkmalen, "Farbentanz" I & II. Zum Thema Schlitzen der Leinwand - Namenskürzel "K" als aggressiver Akt gegen sich selbst: Im Grisebach-Buch steht auf S. 198 zum Freitod 1938: "Verschiedene Zeitzeugen behaupten, er habe auch auf seine eigenen Bilder geschossen." In der FAZ schrieb ich über KIRCHNER, E.L.K.s Kreation einer dialogfähigen neu-modernen Syntax & Semantik zeige den „Versuch einer l’art-pour-l’art-Überwindung“: Es erkläre sich, warum E.L.K. kein „Expressionist“ mehr sein wollte. Er rückte tatsächlich dem Geist der Renaissance mit Albrecht Dürer – so wie er es betont hat – näher. Dass Neo-Renaissance-Modernität im Spätwerk des Künstlers in der Städel-Retrospektive vorgestellt wird, sei „lobenswert“: „Die kontrovers diskutierten Arbeiten im "Neuen Stil", die durch kompromisslose Flächigkeit und einen hohen Abstraktionsgrad überraschen, sind ars-evolutoria-verwandt“, schrieb ich in der FAZ. Zu ergänzen ist: Da Kirchners „neuer Stil“ im Verborgenen gehalten wurde, war er mir beim Schreiben meines EST (Symmetrie)-Grundlagenwerks unbekannt; ansonsten wäre ich auf ihn gestoßen. Über den Kubismus & PICASSO und dessen Philosophie, dessen Werk den Maler E.L.K. bei der „Neue-Stil-Erfindung“ beeinflusst hat, schrieb ich ausführlich. E.L.K. verglich sich mit PICASSO; gleichzeitig wollte er – wie er in der Brücke-„Chronik“ von 1913 schreibt -. „unbeeinflusst durch die heutigen Strömungen, Kubismus, Futurismus usw.“ malen. Mein Symmetriebuch-Sachregister enthält zu „Kubismus“ 13 Seiten-Einträge: Über Cézanne & Urformen & Mehrfluchtpunkt-Perspektivität sowie „Vom Irrtum der Kunstphilosophie des Cézannismus-Kubismus“: siehe Kap. 11.8, 11.8.1., 11,8.2. (Abb. 553-560). In 12.4. erörterte ich PICASSOs und BALLAs sowie DUCHAMPs Versuche, Bewegung/Dynamik in die Malerei zu bringen: Abb. 630 und 631 mit Polyperspektivität und Dynamismus im mit 3 ganzfigurig-isolierten Bewegungsphasen gemalten Ölbild von 1969 („Lionel Hampton-Porträt“; auch Farbtafel V). Hierzu auch Giacomo BALLAs Gemälde „Bewegungsrhythmus eines Hundes an der Leine“ (1912) – ars evolutoria mutiert in der Bildergalerie. Zur Lösung des Problems, wie Bewegung zu malen war, nahmen die Futuristen Zuflucht zum Kubismus und der Fotografie. Die neue Technik des Röntgens, mit Bildern, auf denen undurchsichtige Körper durchsichtig wurden, förderte das Malen in kubistischer Transparenz und Überschneidung, die auch E.L.K. fasziniert haben muss. Bewegungsabfolgen einer Figur konnten die zeitliche Dimension in die räumliche übertragen. Der Körper hinterließ in der Luft eine Erinnerung an sein Vorübergehen; vgl. BALLA Hund-Bewegungsrhythmus mit Bildern des „Neuen Stils“ von E.L.K. Ars Evolutoria Synthese von Kunst & Wissenschaft: Georges Seurat in der SCHIRN; am 9. Mai in der Kunsthauptstadt zu Ende gegangene Schau. Siehe W.H. zu G.S. - googeln. Googelt man „ultramoderne transmoderne“ erscheinen am Monitor mehrere Hinweise zu a&s und der EST-Anthologie: Z. B. liest man: „Für eine objektive Künstler-Ästhetik warb ich in der EST-Anthologie: Evolutionäre Ästhetik forderte ich in ‚Antithese zu modernistisch-postmodernistischem Kulturkonservatismus’. Ich stellte dar (auch später in einer Vorlesung an der Uni Tübingen; siehe Bilderstrecke), dass „in Antithese zur Pop Art beispielsweise“, das Gedankengebäude einer NEO-MODERNE – ULTRA-MODERNE, TRANS-MODERNE – wirklich ein neues Konzept darstelle.“ („Seurat versuchte EVOLUTIONISIERUNG: wissenschaftliche Ästhetik“, begründete ich: http://www.myheimat.de/gladenbach/kultur/revolution-seurats-in-frankfurt-kunst-machte-einen-evolutionssprung-d255530.html ; von einem Bemühen um „wissenschaftliche Ästhetik“ kann man bei E.L.K. m.E. nicht reden.) E.L.K.s modernes STIL-Empfinden ist zwar kein ars-evolutoria-Vorläufer-Stadium, aber die Bemühungen E.L.K.s der Motiv-Findung und Farben-Findung ähneln einander: Für ein „international modernes Stilempfinden“ plädierte Kirchner 1933; er hatte bis 1934 eine Entwicklung zur Abstraktion durchgemacht, wie es Kirchner-Kenner Lucius GRISEBACH beschrieben hat: L.G. erläuterte, wie sich der Prozess der Bildfindung bei Kirchner vollzogen hat: Autonome KUNSTFORM ist bei E.L.K. nicht „Widerspiegelung, sondern bildnerisches Äquivalent der Naturform, das sich aus der Logik des Bildes erklären muss“. Zeichnung als „Hieroglyphe“ (E.L.K. – „exstatisches“ Erfassen von Bewegung) transponierte der Maler in Malerei und Druckgraphik; ein Nicht-Abbilden-Wollen, das zum Baustein „freier Schöpfungen aus der reinen Phantasie“ werden sollte. Was E.L.K. als „Form höherer Ordnung, als abstrakte Form“ verstanden wissen wollte, analysierte L.G. am Beispiel der „REITERIN“ von 1931/1332 (200x150 cm Davos Kirchner Museum; S. 185f. Bild S.186. Der „abstrakte“ Stil zeige sich auch sehr gut in „Die Reiterin“ (1931-32 – Kirchner Museum Davos) – Ausritt einer „Davoser Dame“. Farbentanz I & II zeigen eine „symbolistische Komposition“ (L.G.), die m. E. E.L.K.s „Farbenlehre“ widerspiegelt. (Vgl. Städel Kat. 152, S. 286, Holzschnitt.) Nach L.G. war für Kirchner eine nicht im Wirklichkeitserlebnis veränderte Form (Malewitsch, Picasso) „offensichtlich nicht denkbar“ (ebenda S. 235f.). Motivisch sind die Farbentanz-Variationen auf PICASSOs „La danse“-Gemälde von 1926 zu beziehen, das E.L.K. 1932 in Zürich sah. Zu KIRCHNERs „Reiterin mit gestürztem Pferd“ – Kurator Felix KRÄMER Was mir Herr Dr. Felix KRÄMER (Kurator der wichtigen E.L.K.-STÄDEL-Retrospektive) zum rätselhaften Gemälde ‚Reiterin mit gestürztem Pferd’ sagte (Telephonat 6/5/10): Mit dem Problem „Reiterin und Pferd“ hat sich das Städel-Team der E.L.K.-Retrospektive auch befasst: Es sei so, dass das „K“ von der Rückseite des Bildes eingetragen worden sei – dadurch erklärt sich die Spiegelung auf der Vorderseite. „Wir wissen nicht, ob das von Kirchner ist“, erklärte Dr. K. Wohl im Nachlass E.L.K.s, der nach Basel kam, sei es zur Einwirkung von hinten auf das Gemälde gekommen. Wie, wann und durch wen & warum das K-Loch entstanden ist, muss also noch erforscht werden. Dr. KRÄMER sagte mir, dass kein weiteres der Ölgemälde (E.L.K. schuf über 1000!) ein Loch zeige! Das Skizzenbuch-Bild zum Gemälde sei im Katalog (K. 114d) nachweislich richtig abgedruckt. (Vgl. meine a&s-Malerei hierzu.) Es sei denn, dass Kirchner das Skizzenbuch auf dem Kopf stehend in die Hand genommen hätte und die Skizze gezeichnet hat. Das gute, auch Herrn K. faszinierende Gemälde, sei übrigens bisher nie ausgestellt worden, habe auch sonst keine Berücksichtigung gefunden. Es sei nie publiziert worden, obwohl ja das Werkverzeichnis vorliege und es dort nach 1925 als Bild des „neuen Stil“ enthalten sei. Man habe aber bisher kein Interesse an dem Bild gezeigt. Das Thema Pferd & Reiterin taucht indessen mehrfach im Werkverzeichnis auf. KIRCHNER habe sicherlich mit der Möglichkeit des Umkehr-Sehens gespielt; also in der von mir postulierten Sicht-Weise. Doppeldeutigkeit stecke in der Semantik des Bildes wohl nicht, erklärte Herr Dr. KRÄMER seine Sicht der von mir aufgeworfenen Fragen & Bild-Interpretationen. Zum NAZI-Aufmarsch-Bild sagte Dr. K.: Er sei zusammen mit Dr. RICHTER (F.A.S. siehe oben) in Davos gewesen: E. KORNFELD, dem das Blatt gehört – 22.000 Zeichnungen schuf E.L.K.! -, präsentierte das Bild beim Treffen. Ein „ambivalentes Verhältnis“ habe Kirchner zum Nationalsozialismus gezeigt. Auf 2600 Seiten sei Kirchners kompletter Briefwechsel erschienen, dort könne man nachlesen, wie E.L.K. sich zunächst den Nazis anbiederte; bis 1935 gehe dies so. In den letzen zweieinhalb Jahren: Kirchner, der kein Jude war, habe Angst und Panik-Attacken bekommen, als die Nazis in Österreich einmarschierten. Nicht alle fanden Kirchner damals gut. Das Persönlichkeits-Profil Kirchners komme in den Briefen deutlich zum Ausdruck. Dies könnte Sie zum Thema auch interessierenNeu im MUSEUM DAVOS - Ernst Ludwig KIRCHNER: “Keiner hat diese Farben wie ich. Kirchner malt“ – (Sonderausstellung 4.12.11-15.4.12)Vom 4. Dezember 2011 bis 15. April 2012 überrascht das MUSEUM DAVOS...VERGESSEN SIE die dOCUMENTA (13): KUNST-FREUDE (MUNCH/Schirn Frankfurt) & „kunst“-ÄRGER (d13-Bakargieviade Kassel) – Prognosen für 2012. 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