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„Klarheit ist das Zauberwort der Mathematik“: Prof. Albrecht Beutelspacher wird am 5. Juni 60 Jahre alt

(Foto: Mathematikum/Klaus Wegst)
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Gießen | Als er in Mathe mal eine Drei aus der Schule nach Hause brachte, „schimpfte mein Vater, weil er wusste, dass ich das eigentlich kann“, gesteht Prof. Abrecht Beutelspacher. Inzwischen steht er kurz vor seinem 60. Geburtstag am 5. Juni und sein Name ist in der deutschen Öffentlichkeit ein Synonym für Mathematik. Der Professor für Geometrie und Diskrete Mathematik an der Universität Gießen und Gründer des ersten deutschen Mitmach-Museums, dem Mathematikum in Gießen, wirbt unablässig für sein Fach. Für ihn sind die ernsthafte akademische Beschäftigung mit mathematischen Fragestellungen und die Popularisierung seiner Wissenschaft zwei Seiten einer Medaille.

„Den Menschen die Angst vor der Mathematik zu nehmen“, ist Beutelspachers Ehrgeiz, und dafür nutzt er verschiedene Kanäle: Zwei- bis dreimal in der Woche hält er Vorträge quer durch die Republik und ist begeistert: „Vor zehn Jahren wäre es doch noch undenkbar gewesen, dass eine Bank zum Kundenabend einen Mathematiker einlädt. Mathematik ist Alltagskultur geworden!“

Seit 2000 ist er Kolumnist der Zeitschrift „Bild der Wissenschaft“, seit 2007 moderiert er im
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TV-Programm des Bayerischen Rundfunks (br-alpha) immer wieder die Sendung „Mathematik zum Anfassen“. 25 Bücher hat er geschrieben, darunter „Lineare Algebra. Eine Einführung in die Wissenschaft der Vektoren, Abbildungen und Matrizen“, ein Bestseller unter Studierenden. Gerade druckfrisch erschienen ist „Beutelspachers kleines Mathematikum. Die 101 wichtigsten Fragen und Antworten zur Mathematik“. Darin erklärt er zum Beispiel, warum Null eine gerade Zahl ist: „Auch null Bonbons lassen sich an zwei Kinder verteilen, ohne dass ein Bonbon übrig bleibt.“

Wichtigstes Projekt neben seiner wissenschaftlichen und lehrenden Tätigkeit an der Justus-Liebig-Universität Gießen ist für Beutelspacher das 2002 von ihm gegründete Mathematikum. „Das ist die Popularisierungszentrale für Mathematik“, sagt er ohne Umschweife. 150 000 Besucher pro Jahr, das sind über 400 am Tag, lassen sich im Mitmach-Museum von der Vielfalt der Mathematik fesseln – in Seifenblasen, an der Kugelbahn, im Spiegelkabinett. Mit rund 100 „super Mitarbeitern“ sei das Mathematikum von Beginn an ein mittelständisches Kulturunternehmen und Leuchtturmprojekt für die Region gewesen, das seinen laufenden Betrieb ohne Zuschüsse finanziert. „Wir haben unsere richtige Größe gefunden. Nur immer zu wachsen, ist kein Rezept“, sagt der Museums-Chef, der sein Haus kontinuierlich weiterentwickeln will.

(Foto: Mathematikum/Klaus Wegst)
(Foto: Mathematikum/Klaus Wegst)
Ein besonderes Augenmerk legt Beutelspacher auf die Mathematik-Vermittlung an Schulen und auf die Lehrerausbildung. Vielen Menschen sei der Spaß an der Welt der Zahlen in ihrer Schulzeit verdorben worden, weil es im Unterricht meist nur um „richtig“ und „falsch“ gehe. Lasse man die Schülerinnen und Schüler selbst mehr ausprobieren und verdeutliche ihnen die Nähe der Mathematik zum eigenen Alltag, dann stärke sie den jungen Menschen das Rückgrat. „Mathe macht glücklich“, ist Beutelspacher überzeugt. Für seinen Weg scheint das jedenfalls zu gelten: vom Mathematikstudium (Nebenfächer Physik, Philosophie) in Tübingen, über Dissertation und Habilitation in Mainz, eine dreijährige Tätigkeit in der Forschungsabteilung von Siemens in München bis hin zur Professur in Gießen (seit 1988) und der Leitung des Mathematikums.

Der bevorstehende Geburtstag ist für Beutelspacher Anlass, über die 60 zu philosophieren. „Sie ist eine gute Zahl“, sagt er und nennt drei Aspekte: Schon 3000 vor Christus hatten die Babylonier (heutiger Irak) ein Zahlensystem auf der Basis von 60 entwickelt. Es ist heute noch in unserem Zeitsystem (1 Stunde = 60 Minuten) oder in der Darstellung von Winkeln (1° = 60 Minuten) zu finden. Zum Zweiten tauche die 60 immer wieder in der Geometrie auf: „Der klassische Fußball zum Beispiel hat in seinem Schwarz-Weiß-Muster 60 Ecken, an denen die Fünf- und Sechsecke zusammenstoßen. Außerdem ist die 60 gut aufzuteilen (in 1, 2, 3, 4, 5, 6, 10, 12, 15, 20, 30) und umgekehrt eine sehr in sich abgeschlossene Zahl. „Sie ist eine klare Zahl. Klarheit ist das eigentliche Zauberwort der Mathematik“, schwärmt Beutelspacher und fügt etwas Persönliches hinzu: „Mit 60 setze ich noch klarer meine Prioritäten und will nur Dinge tun, die ich hundertprozentig gut finde.“
Beutelspachers Zahlen und Auszeichnungen
1994 zeigen Prof. Albrecht Beutelspacher und Studenten die Ergebnisse eines Proseminars: Die Ausstellung „Mathematik zum Anfassen“ wird zum Erfolg und wandert bis heute durch Deutschland und Europa.
Als Beutelspacher im Jahr 2000 den Communicator-Preis des Stiftungsverbandes Deutsche Wissenschaft erhält, steckt er das Preisgeld von 100 000 Mark komplett in die Entwicklung des Mathematikums.
Am 19. November 2002 wird das erste mathematische Mitmach-Museum in Gießen im Beisein von Bundespräsident Johannes Rau eröffnet.
2003 erhält Beutelspacher die Ehrennadel der Deutschen Mathematiker-Vereinigung.

Der erste Deutsche IQ-Preis von Mensa Deutschland geht 2004 für die Einrichtung des Mathematikums an Beutelspacher. Im selben Jahr wird er mit dem Benedictus-Gotthelf-Teubner-Förderpreis ausgezeichnet.
Beutelspacher wird 2005 für den Descartes Prize of Science der Europäischen Union nominiert.
Zweimal, 2006 und 2009, wird das Mathematikum „Ort im Land der Ideen“.
2008 erhält Beutelspacher den Hessischen Kulturpreis für seine Bemühungen um die Popularisierung der Mathematik.

(Foto: Mathematikum/Klaus Wegst)
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