Gießen | Was passiert eigentlich hinter den verschlossenen Türen der Justus-Liebig-Universität (JLU), außerhalb von Hörsälen und dem täglichen Studiengeschehen? Richtig, an der Universität wird geforscht, was das Zeug hält. Die Ergebnisse dieser wissenschaftlichen Forschungen werden jedoch, wenn überhaupt, in Fachpublikationen in der entsprechenden Fachsprache veröffentlicht. Für Laien ist das oftmals unverständlich, zu komplex und zu kompliziert. Dabei haben viele aktuelle Forschungen doch unmittelbar mit unserem Alltag zu tun. Wissenschaft allgemein verständlich und transparent machen, das war Ziel des zweiten "Science Day" der JLU am Mittwoch im Großen Chemischen Hörsaal im Heinrich-Buff-Ring. Interessierte Bürger hatten an diesem "Nachmittag der Forschung" die Möglichkeit, sich über aktuelle Themen der Forschung an der Gießener Universität zu informieren. Der Nachmittag stand unter dem Motto "Ressourcen des Lebens" und bot einen Einblick in die Arbeit verschiedener Fachbereiche und Zentren der JLU. Durch das Programm führte Professor Karl-Heinz Kogel, Vizepräsident der Justus-Liebig-Universität.
Warum ist die Grippe
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eigentlich so gefährlich und was kann man dagegen tun? Diese Fragen beantwortete Professor Stephan Pleschka vom Institut für Medizinische Virologie in seinem Beitrag. Verständlich zeigte er auf, wie ein Virus aufgebaut ist, und wie es sich in die Zellen setzt. Er erklärte die Begriffe Epidemie und Pandemie (weltweite Epidemie, die zum gleichen Zeitpunkt ausbricht), und zeigte in diesem Zusammenhang die Grippepandemien des vergangenen Jahrhunderts auf, von der "Spanischen Grippe" 1918/19 bis hin zur "Hong-Kong-Grippe" 1968. Er erklärte ebenso, warum die Vogelgrippe für Menschen so gefährlich werden kann. Als Maßnahmen gegen Grippe zeigte Pleschka neben der Grippeimpfung verschiedene Medikamente auf, die aber zumeist nach einer Weile nicht mehr wirkten, da die Viren sich stetig veränderten und eine Resistenz entwickelten, wenn man sie direkt bekämpfe. Vielmehr müsse man die Viren blockieren, bevor sie sich anpassen könnten. Unter anderem habe Aspirin diesen Effekt. Ob und inwieweit damit die Grippe bekämpft werden könnte, sei aber noch nicht ausreichend erforscht.
"Warum sterben Arten aus?" war das Thema von Professor Volkmar Wolters vom Institut für Tierökologie und Spezielle Zoologie. Ein Thema, das spätestens seit Eisbär Knut in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt sei. Eine dramatische Entwicklung sei zu beobachten. "Es sterben mehr Arten jährlich aus, als neu geschrieben werden", so der Biologe. Ein Problem sei, dass man viele Arten, die ausstürben, zum heutigen Zeitpunkt gar noch nicht kenne. Wolters nannte die Gründe für das rasante Aussterben von Tierarten: Habitatverlust, Invasive (einwandernde Arten), Populationswachstum, Pestizide/Verschmutzung sowie Übernutzung. Übernutzung der Natur sei besonders in Regionen mit hoher Armut, etwa in Afrika oder Südamerika, ein Problem. Aber auch der Beifang in der Fischerei gefährde viele Arten, da hierbei auch bedrohte Arten, herausgefischt würden. Als Bespiel, dass sich eine gefährdete Art auch wieder im Bestand erholen kann, präsentierte Wolters die Saiga-Antilope, die um 1920 fast ausgestorben war. 1950 gab es dank Artenschutzabkommen wieder rund zwei Millionen Tiere, bevor man auf die Idee kam, die Hörner der Antilope als Ersatz für das Horn der Nashörner zu benutzen.
Weitere Themen an diesem Nachmittag waren "Kulturtechniken und ihre Medialisierung" von Professor Henning Lobin (Zentrum für Medien und Interaktivität), "Bewusstsein in der Magnetröhre (Dr. Ulrich Ott, Bender Institute of Neuroimaging) sowie "Private Akteure in bewaffneten Konflikten: Wie lassen sich private Sicherheits- und Militärdienstleister besser kontrollieren?" (Professor Thilo Marauhn, Professur für Öffentliches Recht, Völkerrecht und Europarecht). Professor Albrecht Beutelspacher vom Mathematischen Institut brachte außerdem die "Faszination Mathematik" näher. Abschluss fand die Veranstaltung mit einer Party mit hessischen Schmankerln im Interdisziplinären Forschungszentrum (IFZ).