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Wahltarife behindern Kassenwechsel Erhebt eine Krankenkasse Zusatzbeiträge, können Versicherte kündigen – per Sonderrecht. Aber Vorsicht: Wahltarife hebeln diese Regelung aus.

Gießen | Giessen, 16. April 2010 - Die Zusatzbeiträge von Krankenkassen sorgen für Aufregung unter den Versicherten: Entscheidet sich eine Kasse für diesen seit Anfang 2010 möglichen Schritt, eröffnet sie damit auch die Möglichkeit zur Kündigung; ein neues Kriterium für die Wahl einer gesetzlichen Krankenkasse ist entstanden.
Doch zeitgleich häufen sich auch die Fragen und Unstimmigkeiten unter den Versicherten. Denn nicht automatisch ergibt sich das Recht zur Kündigung: Immer mehr Anfragen registrieren die regionalen Beratungsstellen der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD) dazu. Hier ein Beispielfall aus Gießen.

Simone S. ist sauer. Ihre Krankenkasse hat erstmalig am 15. März 2010 Zusatzbeiträge in Höhe von acht Euro im Monat erhoben. Dem wollte Frau S. entgehen und hat von ihrem Sonderkündigungsrecht Gebrauch gemacht. Ende März dann die große Überraschung per Post: Die Kündigung ist ausgeschlossen. Frau S. ist noch bis Januar 2012 an ihre Kasse gebunden. „Das kann ich gar nicht glauben“, sagt sie – und wendet sich an die UPD-Beratungsstelle in ihrer Nähe.

Die Situation klärt sich für Frau S. nach
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Zusatzbeitrag (2)Wahltarife (1)Patientenberatung (21)
einem Gespräch mit UPD-Beraterin Sabine Burk auf – ändern lässt sie sich aber nicht: Frau S. hatte bei ihrer Krankenkasse einen so genannten „Selbstbehalttarif“ abgeschlossen. Gegen eine Prämie hatte sie sich verpflichtet, von Januar 2009 bis Januar 2010 einen Teil der Kosten ihrer Krankenbehandlungen selbst zu übernehmen. „Obwohl der Selbstbehalt zunächst für ein Jahr vereinbart war – das ist eine satzungsabhängige Tarifstufe der konkreten Krankenkasse, ist Frau S. drei Jahre gebunden“, erklärt die Beraterin. Der Grund: Beim Abschluss des Wahltarifs wurde eine Mindestbindungsfrist von drei Jahren an diesen Tarif und die Krankenkasse vereinbart. Gleichzeitig verzichtet der Versicherungsnehmer in dieser Zeit auf das Sonderkündigungsrecht. Dies war Frau S. entfallen.

Die gesetzlichen Kassen bieten solche und andere Wahltarife an und bewerben diese teilweise stark. Besonders gesunde und nicht chronisch kranke Versicherte können davon profitieren. Wer aber flexibel auf die Erhebung von Zusatzbeiträgen seiner Krankenkasse reagieren will, sollte auch die dreijährige Mindestbindungsfrist an die Krankenkasse beim Abschluss eines Wahltarifs im Blick behalten.

Tipp: Am 21. April 2010 findet der nächste UPD Experten-Chat zum Thema „Neue Versorgungsformen“ (Wahltarife, Bonusmodelle, hausarztzentrierte Versorgung) statt. Informationen dazu auf
www.upd-online.de/experten-chat.html.

Die regionale Beratungsstelle in Gießen erreichen Sie unter der Rufnummer 0641-301 33 45 zu folgenden Öffnungszeiten: Mo 15-19, Di 9-12, Do 9-15 und Fr 9-12 Uhr.

Der „Beratungsfall des Monats“, die Kontaktdaten aller UPD – Beratungsstellen sowie weitere Informationen sind im Internet unter www.upd-online.de oder über das bundesweite Beratungstelefon abrufbar. Dieses ist montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr unter der kostenfreien Rufnummer 0800 0 11 77 22 erreichbar.

Kommentare zum Beitrag

Simone Linne
5.041
Simone Linne aus Gießen schrieb am 16.04.2010 um 13:01 Uhr
Ich habe mich auch sehr über diese lächerliche Sonderzahlung geärgert. Riesenaufwand mit wenig Ertrag. Und selbst wenn man wechselt, wird einen diese Zahlung in 2011 vermutlich ereilen. Sollte das der erste Schritt hin zur "Kopfpauschale" sein?
Christian Momberger
11.303
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 16.04.2010 um 22:46 Uhr
Genau Frau Linne, es haben es erkannt! Genau das ist das Ziel: Einführung der Kopfpauschale und als erster Schritt Deckelung der Arbeitsgeberbeiträge zur Krankenversicherung bei 7,0%.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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Herzlichst, Ihr(e) Unabhängige Patientenberatung Beratungsstelle Gießen

von:  Unabhängige Patientenberatung Beratungsstelle Gießen

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Unabhängige Patientenberatung Beratungsstelle Gießen
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