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Gute Nachrichten aus dem Sudan

Wahlwerbung an einem Motorrad.
Wahlwerbung an einem Motorrad.
Gießen | Yei, Central Equatorial State
Am vorigen Sonntag (11. April) haben die mit Spannung erwarteten Wahlen im Sudan begonnen. Eigentlich sollten sie am gestrigen Dienstag zu Ende gehen. Aber wie in Afrika üblich: Es gab einige Konfusionen, logistische
Schwierigkeiten, unvollständige Wählerlisten, so dass man sich nun entschlossen hat, die Wahl um zwei Tage zu verlängern. Von wirklich demokratischen Wahlen ist man hier natürlich weit entfernt. Da aber das Ergebnis mit 99-prozentiger Sicherheit schon lange feststeht und fast alle
Volksgruppen damit leben können, muss das niemanden beunruhigen. Die vor allem von westlichen „Experten“ vorausgesagten Spannungen und Gewaltausbrüche sind deshalb – Gott sei Dank - ausgeblieben. Das ist
natürlich keine Garantie dafür, dass nicht noch irgend etwas Gewalttätiges passieren könnte. Aber vor allem die Menschen im Südsudan möchten sich gern in Ruhe auf die Volksabstimmung Anfang 2011 zubewegen. Momentan
läuft alles darauf zu, dass Nord- und Südsudan nach diesem Referendum, für das die jetzigen Wahlen als gute Übung gelten, als getrennte Staaten weiterexistieren werden.

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Kommentare zum Beitrag

Simone Linne
5.033
Simone Linne aus Gießen schrieb am 14.04.2010 um 16:03 Uhr
Wieder Nachrichten aus Afrika, vielen Dank Herr Drechsel! Und um so schöner, dass die Nachrichten so positiv sind! Aber eine Trennung in Nord und Süd? Ich gebe zu, dass afrikanische Politk nicht gerade mein Spezialgebiet ist, aber von der Trennung höre ich zum ersten Mal. Wird erwartet, dass die Trennung friedlich und zum Vorteil beider Landesteile geschehen wird?
Ullrich Drechsel
1.637
Ullrich Drechsel aus Gießen schrieb am 14.04.2010 um 19:13 Uhr
Guten Abend Frau Linne, danke für Ihren Kommentar! Die Trennung von Nord- und Süd-Sudan wird de facto schon seit Jahrzehnten gelebt. Als die ägyptisch-britische Verwaltung sich Mitte der 50er (im vorigen Jahrhundert) aus dem Sudan zurückzog, begann ein blutiger Krieg zwischen Nord und Süd, der – mit einigen Unterbrechungen – bis 2005 andauerte. Hauptgrund war, dass der arabisch-islamistische Norden den christlich-animistischen Süden als Reservoir für den Sklavenhandel nicht aufgeben wollte. Hinzu kam der Streit um Öl – denn gerade im noch nicht genau definierten Grenzgebiet zwischen Nord und Süd gibt es riesige Ölvorkommen. Auch bei dem andauernden Konflikt in Darfur geht es darum, wer am Ende an der Ölforderung beteiligt wird. Nun haben natürlich alle in- und ausländischen Mächte (v.a. China und auch europäische Konzerne), kein großes Interesse daran, sich ihre guten Ölgeschäfte von inner-afrikanischen Konflikten stören zu lassen. Insofern ist eine völkerrechtlich anerkannte Teilung des Sudan gut für alle – sowohl für die Bevölkerung als auch für die Geschäftemacher und die sudanesischen Machthaber, die sich auf beiden Seiten mit den Ölmillionen ihre Taschen füllen. Insofern ist das auch eine Art von Gerechtigkeit, die vielleicht zum Frieden führen kann. Es gibt übrigens schon seit Ende der 90er Jahre eine südsudanesiche Regierung, ein eigenes Parlament und eigene Verwaltungsstrukturen. Seit 2005, damals wurde ein Friedensvertrag zwischen der Nord- und der Südregierung geschlossen, ist diese Regierung innerhalb des Sudan anerkannt. Die Einnahmen aus den Ölverkäufen werden aufgeteilt – vielleicht nicht gerade gerecht in unserem Sinne, aber das scheint keinen Konfliktstoff mehr zu bieten. So werden sich die Sudanesen im Jahr 2011 vielleicht über die Teilung ihres Landes genauso freuen, wie wir Deutschen es bei der Wiedervereinigung getan haben. Ob und wie sich diese Lösung am Ende bewähren wird – da halte ich mich mit einer Prognose lieber zurück.
Simone Linne
5.033
Simone Linne aus Gießen schrieb am 15.04.2010 um 10:27 Uhr
An den Bürgerkrieg kann ich mich erinnern, es waren schreckliche Nachrichten. Aber die Hintergründe kannte ich nicht so genau (außer dieser religiösen Trennung), deshalb Danke!
Stefan Walther
2.809
Stefan Walther aus Linden schrieb am 16.05.2010 um 08:58 Uhr
Hallo Frau Linne,
um auch aus "erster Hand" informiert zu sein, und vor allem auch um die vielseitigen Ursachen des Konflikts zu kennen, empfehle ich Ihnen ein Buch: "Halima - Tränen der Wüste" (Halima Bashir) Weltbild. Hier wird auch die Doppelmoral, die Heuchlerei der "Friedenshüter" von NATO und UNO deutlich, die sich keinen Deut um die Bevölkerung in Darfur scheren .... die Geschäfte laufen ja... und dieses Buch zeigt auch deutlich: wie überall in der Welt gibt es Widerstand, auch hier wehrt sich das unterdrückte Volk!
Simone Linne
5.033
Simone Linne aus Gießen schrieb am 17.05.2010 um 12:59 Uhr
Hallo Herr Walther

Danke für den Tipp!
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

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Herzlichst, Ihr(e) Ullrich Drechsel

von:  Ullrich Drechsel

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Interessensgebiet: Gießen
Ullrich Drechsel
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