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Neuer Bericht aus Kirgistan von Talant Asemov mit ersten Bildern

Kugelspuren von einer Kalaschnikov auf dem Auto des Schwagers
Kugelspuren von einer Kalaschnikov auf dem Auto des Schwagers
Gießen | Ich habe einen neuen Bericht aus Kirgistan bekommen.

Liebe Freunde,

mit meinem nächsten Mail werde ich Ihnen meine Fotos von unserer Stadt und dem Regierungsgebäude senden. Ich bin stolz auf mein Volk und bedanke mich für die Hilfe die das Volk geleistet hat. Hunderte einfache Leute stehen 3 Stunden in langen Schlangen vor dem Blutzentrum um Blut zu spenden. Tausende Menschen sind vor dem Regierungsgebäude um die Übergangsregierung zu schützen. Alle wollen irgendwie helfen. Ich habe heute eine 80 jährige Frau auf der Strasse beobachtet. Eine Russin, sie hat ihr ganzes Leben in Bischkek gelebt und ist mit Tränen in den Augen zum Regierungsgebäude gekommen. In der Stadt herrscht Chaos, überall liegt Müll und Abfälle, von den Plünderern hinterlassen. Die alte Frau kann kaum gehen und nicht wie andere laut schreien. Unterwegs nach Hause hat sie schweigend das Papier und die Plastikflaschen gesammelt und in die Mülleimer geworfen. Es war für mich sehr beeidrükend.
Viele Menschen sind immer noch auf der Strasse. Viele feiern den Sieg über die alte Präsidentschaft. Leider haben einige auch aus Freude über den Sieg zuviel Vodka getrunken. Die Meisten sind aber mit guter Absicht und guten Gedanken auf der Strasse.
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Aber leider haben nicht alle gute Absichten. Heute Nachmittag sammelten sich die Plünderer wieder um die Häuser der Regierungsleute auszurauben. Sie sind der Meinung dass dieser Besitz der reichen Leute dem Volk gestohlen wurde. Aber trotzdem ist es schrecklich und eine grosse Schande vor ganzen Welt. Bekannte Sportler und einfach Leute mit guten Herzen gründeten am Nachmittag die Volkspolizei. Heute Nacht wird es für uns alle noch spannend. Wenn wir es heute nicht schaffen das Plündern zu stoppen, dann werden morgen die Plünderer in jedes Haus eindringen. Das Fernsehen bittet die Bevölkerung die Volkspolizei zu unterstützen.
Gestern und heute Nacht und auch am Tag wurden viele Staatsbehörden leider geplündert und es wurde Feuer gelegt. Viele Geschäftsleute weinen heute, viele grosse und kleine Geschäfte sind vernichtet. Alle schimpfen über den alten Pr4sidenten und auch über die Opposition und auch über die Demonstranten. Sie sagen, man hätte noch fünf Jahre abwarten müssen, dann wäre der Präsident vielleicht freiwillig nach zweimaliger Wahlperiode zurückgetreten. Nein sage ich, in diesen 5 Jahren hat er mein Volk
das Auto des Schwagers
das Auto des Schwagers
in diese fürchterliche Situation gebracht, dass hundert tausende Menschen auf die Strasse gegangen sind um zu demonstrieren. Ich habe in vielen Berichten aus aller Welt von solchen Demonstrationen gelesen, meistens flüchteten die Leute sofort nach dem einsetzen von Tränengas und Schusswaffen. Aber gestern war es ganz anders. Niemand ist zurück gewichen. Es hat ca. 14 Stunden gedauert, 14 Stunden lang sind die Leute einer nach anderem von den Kugeln getroffen worden, aber niemand ist weggelaufen. Dies beweist den Mut meines Volkes. Oder man kann auch sagen, so sehr hat der Präsident das Volk zu Tode gequellt.
75 Tote und ca. 1000 Verletzten sind in den Krankenhäusern. Die neue Regierung hat jeder Familie von Todesopfern ca. 4200 Euro versprochen. Jede Familie hat schon 100 Tausend Som (1600 Euro) bekommen.
Jeder Verletzte wird von 10 000 bis 50 000 Som bekommen.
Nun schreiben wir einen Artikel über meinen Schwager – er war das erste Todesopfer und ein echter Held dieser Revolution, er war ein echter Patriot und Sohn des kirgisischen Volkes. Ausführlich werde ich über ihn morgen nach der Beerdigung berichten.
Mit herzlichen Grüssen aus Bischkek,
Euer Talant Asemov.
23.00. 08.04.2010.

Kugelspuren von einer Kalaschnikov auf dem Auto des Schwagers
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das Auto des Schwagers
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Talant berichtet
Talant berichtet 
Regierungsgebäude
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Kommentare zum Beitrag

Ullrich Drechsel
1.786
Ullrich Drechsel aus Gießen schrieb am 09.04.2010 um 15:13 Uhr
Einerseits habe ich große Hochachtung vor dem Mut der Menschen, die sich mit Blut und Tränen eine neue Regierung erkämpfen. Andererseits verstehe ich nicht, dass sich der Volkszorn auf so primitive Weise entlädt und Plünderer nicht einmal vor den kleinen Ladenbesitzern halt machen. Hoffentlich finden die Kirgisen nun den Weg in eine funktionierende Demokratie.
Adelbert Fust
5.315
Adelbert Fust aus Gießen schrieb am 09.04.2010 um 17:34 Uhr
Hallo Herr Drechsler,
ich bewundere auch solche Menschen die den Mut aufbringen gegen eine unmenschliche Regierung auch unter größter Gefahr vorzugehen. Dass es aber auch Menschen gibt die solche Situationen ausnutzen ist wohl nicht nur in in Kirgistan möglich. Zu oft habe ich bei ähnlichen Anlässen in anderen Ländern gleiche Verhaltensweisen feststellen müssen. Ich habe dies in Ghana im Juni 1979 Vorort von der Deutschen Botschaft miterleben können. Auch damals wurden von gewissen Bevölkerungsschichten Geschäfte und Häuser geplündert. Aber auch bei Katastrophen wie Erdbeben sind leider solche unschönen Plünderungen an der Tagesordnung. Die Plünderungen sind also kein kirgisisches Phänomen. Auch ich hoffe und wünsche dem Kirgisischen Volk das sie schnell wieder zur Normalität zurück finden und die Plünderungen schnellstmöglich in den Griff bekommen..
Adelbert Fust
5.315
Adelbert Fust aus Gießen schrieb am 09.04.2010 um 18:02 Uhr
Hallo Herr Drechsel,
ich habe oben in der Eile Ihren Namen falsch geschrieben.
Entschuldigung!
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) Adelbert Fust

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