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„Die Uhr muss ticken“: Jan Seghers stellt seinen neuen Krimi vor

von Moritz Zamzowam 25.03.20101741 mal gelesen1 Kommentar
Jan Seghers liest und alle hören gespannt zu
Jan Seghers liest und alle hören gespannt zu
Gießen | Ein halbdunkler Raum, 120 gespannte Zuhörer, Kerzenschein und einzig eine ruhige, bedächtige aber ausdrucksvolle Stimme bricht die Stille. Sie spricht über zwei ungeklärte Mordfälle an Edelprostituierten, letzte Gedanken und Hoffnungen jener Frauen, über den Überfall auf einen mit Kunstwerken beladenen Kleintransporter und einen möglichen Zusammenhang zwischen all dem. Auch erzählt sie von einem Hauptkommissar, dem ein Schicksalsschlag zu schaffen macht und einer jungen Journalistin, die ihn bei der Aufklärung der Fälle unterstützt und selber mit persönlichen Problemen zu kämpfen hat.
Am Dienstagabend hat Krimiauto Jan Seghers, alias Matthias Altenburg, in einer knapp einstündigen Lesung in der Schul- und Stadtmediothek Lollar sein kürzlich erschienenes Buch „Die Akte Rosenherz“ vorgestellt. Das Werk erzählt vom vierten Fall des Frankfurter Hauptkommissars Marthalers und basiert auf zwei berühmten Mordfälle Frankfurter Edelhuren aus den fünfziger und sechziger Jahren. Dabei machte der Umstand, dass sie niemals aufgeklärt wurden die Geschichte für Seghers besonders interessant. Als Recherchequelle dienten dem
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Schriftsteller die Polizeiakten des Hessischen Hauptstaatsarchivs in Wiesbaden. Für ihn war es wichtig, keine luftgeborenen Geschichten zu erzählen. Denn, so Seghers, sei die Realität spannender als die Phantasie. Aber änderte er auf Grund von Persönlichkeitsrechten die Namen der Opfer und nahm ihr Leben nur als Ausgangspunkt, um daraus einen Kriminalroman zu stricken.
Das Schreiben eines solchen ist laut des gebürtigen Nordhessen nicht einfach. Man müsse eine spannende Handlung entwerfen, die realistisch und nachvollziehbar sei. Hinzu kämen glaubwürdige Figuren, die dem Leser sympathisch erscheinen, mit denen er in brenzligen Situationen hoffen könne. Schließlich müsse stets „die Uhr ticken“. Eine Gefahr müsse vorhanden, eine Frist gesetzt sein. Der frühere Journalist setzt den Krimi mit einer „guten Reportage“ gleich. Beide Formen sögen die Wirklichkeit an.
Vorbild für seine Arbeit sei der skandinavische Krimiautor Henning Mankell, der laut Seghers den europäischen Krimi erneuert hat. Das besondere an seinen Büchern sei die Abwendung von der amerikanischen Form. Trotz des großen Erfolgs von Kriminalromanen in Deutschland sieht Seghers die literarische Bildung auf einem absteigenden Ast. Man dürfe nicht die handwerkliche Fertigkeit des Lesens mit Textanalyse gleichsetzen. Es sei schwer, vielen Schülern heutzutage Texte von etwa Kleist und Büchner vermitteln zu können.
Er persönlich lese in seiner Freizeit sehr unterschiedliche Werke. Gerade habe er die Biographie Roland Kochs und ein Buch über den Watergate-Skandal beendet. Ansonsten lese er viele Krimis und Bücher, die mit seiner Arbeit zu tun haben. Außerdem habe er erst vor kurzem Theodor Fontane entdeckt.
Matthias Altenburg wuchs in Baunatal auf und studierte Literaturwissenschaften und Kunstgeschichte in Göttingen. Heute wohnt er in Frankfurt, sein letztes Werk hieß „Partitur des Todes“. Sein Pseudonym Jan Seghers ist eine Mischung aus den Namen Jan Ulrich und Anna Seghers. Zum einen, da er begeisterter Radsportfan ist, zum anderen als Tribut an die Schriftstellerin Seghers, deren Werke er in seiner Jugend sehr gerne las. Laut Seghers helfe das Pseudonym, in eine andere Haut zu schlüpfen und befreiter schreiben zu können.

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Kommentare zum Beitrag

Astrid Patzak-Schmidt
3.432
Astrid Patzak-Schmidt aus Gießen schrieb am 25.03.2010 um 18:31 Uhr
Auch ich habe die Lesung von Jan Seghers erlebt und war total begeistert. Da ich "Die Akte Rosenherz" bereits vorher gelesen hatte, konnte ich die vom Schriftsteller selbst vorgenommene Raffung natürlich sehr gut verfolgen. Seghers alias Altenburg hatte kein gedrucktes Buchexemplar zur Lesung mitgebracht, sondern eine sogenannte Strichfassung, ein Manuskript, das er speziell für Lesungen zusammengestellt hatte.
Mehr als 50 Minuten hörten die 150 Zuhörer gebannt zu und besuchten im Zeitraffer die unterschiedlichen Handlungsorte des Romans.
Natürlich stoppte der Autor in DEM Moment, wo es richtig spannend war. Klar, er will ja auch sein Buch noch verkaufen. Es ist schon jetzt, nur 3 Wochen nach seinem Erscheinen, auf Platz 13 der Spiegel-Bestsellerliste.

Übrigens ein neuer Tipp für alle Krimifreunde:
Am 23.04.2010 liest Andreas Franz in der Mediothek der CBES Lollar aus seinem neuen Roman "Eisige Nähe".
Den lese ich gerade... Rezension folgt!
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