Bürgerreporter berichten aus: Gießen | Überall | Ort wählen...

„Die Uhr muss ticken“: Jan Seghers stellt seinen neuen Krimi vor

von Moritz Zamzowam 25.03.20101495 mal gelesen1 Kommentar
Jan Seghers liest und alle hören gespannt zu
Jan Seghers liest und alle hören gespannt zu
Gießen | Ein halbdunkler Raum, 120 gespannte Zuhörer, Kerzenschein und einzig eine ruhige, bedächtige aber ausdrucksvolle Stimme bricht die Stille. Sie spricht über zwei ungeklärte Mordfälle an Edelprostituierten, letzte Gedanken und Hoffnungen jener Frauen, über den Überfall auf einen mit Kunstwerken beladenen Kleintransporter und einen möglichen Zusammenhang zwischen all dem. Auch erzählt sie von einem Hauptkommissar, dem ein Schicksalsschlag zu schaffen macht und einer jungen Journalistin, die ihn bei der Aufklärung der Fälle unterstützt und selber mit persönlichen Problemen zu kämpfen hat.
Am Dienstagabend hat Krimiauto Jan Seghers, alias Matthias Altenburg, in einer knapp einstündigen Lesung in der Schul- und Stadtmediothek Lollar sein kürzlich erschienenes Buch „Die Akte Rosenherz“ vorgestellt. Das Werk erzählt vom vierten Fall des Frankfurter Hauptkommissars Marthalers und basiert auf zwei berühmten Mordfälle Frankfurter Edelhuren aus den fünfziger und sechziger Jahren. Dabei machte der Umstand, dass sie niemals aufgeklärt wurden die Geschichte für Seghers besonders interessant. Als Recherchequelle dienten dem
Mehr über...
Lollar (396)Krimi (159)Jan Seghers (1)Buch (155)
Schriftsteller die Polizeiakten des Hessischen Hauptstaatsarchivs in Wiesbaden. Für ihn war es wichtig, keine luftgeborenen Geschichten zu erzählen. Denn, so Seghers, sei die Realität spannender als die Phantasie. Aber änderte er auf Grund von Persönlichkeitsrechten die Namen der Opfer und nahm ihr Leben nur als Ausgangspunkt, um daraus einen Kriminalroman zu stricken.
Das Schreiben eines solchen ist laut des gebürtigen Nordhessen nicht einfach. Man müsse eine spannende Handlung entwerfen, die realistisch und nachvollziehbar sei. Hinzu kämen glaubwürdige Figuren, die dem Leser sympathisch erscheinen, mit denen er in brenzligen Situationen hoffen könne. Schließlich müsse stets „die Uhr ticken“. Eine Gefahr müsse vorhanden, eine Frist gesetzt sein. Der frühere Journalist setzt den Krimi mit einer „guten Reportage“ gleich. Beide Formen sögen die Wirklichkeit an.
Vorbild für seine Arbeit sei der skandinavische Krimiautor Henning Mankell, der laut Seghers den europäischen Krimi erneuert hat. Das besondere an seinen Büchern sei die Abwendung von der amerikanischen Form. Trotz des großen Erfolgs von Kriminalromanen in Deutschland sieht Seghers die literarische Bildung auf einem absteigenden Ast. Man dürfe nicht die handwerkliche Fertigkeit des Lesens mit Textanalyse gleichsetzen. Es sei schwer, vielen Schülern heutzutage Texte von etwa Kleist und Büchner vermitteln zu können.
Er persönlich lese in seiner Freizeit sehr unterschiedliche Werke. Gerade habe er die Biographie Roland Kochs und ein Buch über den Watergate-Skandal beendet. Ansonsten lese er viele Krimis und Bücher, die mit seiner Arbeit zu tun haben. Außerdem habe er erst vor kurzem Theodor Fontane entdeckt.
Matthias Altenburg wuchs in Baunatal auf und studierte Literaturwissenschaften und Kunstgeschichte in Göttingen. Heute wohnt er in Frankfurt, sein letztes Werk hieß „Partitur des Todes“. Sein Pseudonym Jan Seghers ist eine Mischung aus den Namen Jan Ulrich und Anna Seghers. Zum einen, da er begeisterter Radsportfan ist, zum anderen als Tribut an die Schriftstellerin Seghers, deren Werke er in seiner Jugend sehr gerne las. Laut Seghers helfe das Pseudonym, in eine andere Haut zu schlüpfen und befreiter schreiben zu können.

Jan Seghers liest und alle hören gespannt zu
Jan Seghers liest und... 
 
 
Jan Seghers alias Matthias Altenburg beim signieren von Büchern
Jan Seghers alias... 
 

Dies könnte Sie zum Thema auch interessieren

Landrätin Anita Scheider
Wohnraumversorgungskonzept für Teilraum Nord - Allendorf (Lumda) , Buseck, Lollar, Rabenau, Reiskirchen und Staufenberg
Am Dienstag den 15.08.2017 um 18.00 Uhr wurde im Bürgersaal am...
Meine spanische Freundin Rosa am Stand für den Tierschutz
Flohmarktstand zugunsten des Tierschutzes
Am Sonntag, den 18. Juni findet von 10 bis 16 Uhr ein Großflohmarkt...
Die Lumdatalbahn kann den Wohnungsmarkt schnell entlasten
Die Zahl der Pendler nimmt seit fast zwei Jahrzehnten stetig zu. Die...
Sie kommen!
Tour der Hoffnung macht auch in Lollar Station
Um die 200 Radler waren heute unterwegs für den guten Zweck und...
Der ICE ist das Flaggschiff, nicht nur bei der DB
Schlappe für die Bewohner der Lumdaniederung. Taktverkehr auf der Lumdatalbahn mit zusätzlichem neuen Haltepunkt in Lollar
Nach anfänglichen Hoffnungen auf eine endgültige dauerhafte...
Buchtipp: „Stimme der Toten“ von Elisabeth Herrmann
Selbstmord in einer Bank. Als die Tatortreinigerin Judith Kepler...
Mit dem Lumdatalbahn-Verein von Lollar an den Mittelrhein mit attraktivem Fotowettbewerb
Bahn-Erlebnis-Tag mit großer Sonderfahrt und attraktivem...

Kommentare zum Beitrag

Astrid Patzak-Schmidt
3.415
Astrid Patzak-Schmidt aus Gießen schrieb am 25.03.2010 um 18:31 Uhr
Auch ich habe die Lesung von Jan Seghers erlebt und war total begeistert. Da ich "Die Akte Rosenherz" bereits vorher gelesen hatte, konnte ich die vom Schriftsteller selbst vorgenommene Raffung natürlich sehr gut verfolgen. Seghers alias Altenburg hatte kein gedrucktes Buchexemplar zur Lesung mitgebracht, sondern eine sogenannte Strichfassung, ein Manuskript, das er speziell für Lesungen zusammengestellt hatte.
Mehr als 50 Minuten hörten die 150 Zuhörer gebannt zu und besuchten im Zeitraffer die unterschiedlichen Handlungsorte des Romans.
Natürlich stoppte der Autor in DEM Moment, wo es richtig spannend war. Klar, er will ja auch sein Buch noch verkaufen. Es ist schon jetzt, nur 3 Wochen nach seinem Erscheinen, auf Platz 13 der Spiegel-Bestsellerliste.

Übrigens ein neuer Tipp für alle Krimifreunde:
Am 23.04.2010 liest Andreas Franz in der Mediothek der CBES Lollar aus seinem neuen Roman "Eisige Nähe".
Den lese ich gerade... Rezension folgt!
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) Moritz Zamzow

von:  Moritz Zamzow

offline
Interessensgebiet: Gießen
Moritz Zamzow
135
Nachricht senden
Aktuellste Beiträge des Autors:
Winterurlaub mal anders mit den "Alpenhoppern"
Woran denkt man bei dem Wort Winterurlaub? An eine warme...
(v.l.n.r.) Bauamtsleiter Sven Nagel, Bürgermeister Thomas Brunner, Planer Thomas Runzheimer, Jörg Conrad (Geschäftsführer der Baufirma) und Dietmar Moos vor dem Bürgerhaus in Wißmar
Bürgerhaus in Wißmar soll Neubauqualitäten erhalten
Das Bürgerhaus in Wißmar wird bis Oktober energetisch grunderneuert....

Weitere Beiträge aus der Region

Seminar im Tierheim - HÜNDISCH
Am Montag, den 13.11.2017 fand im Tierheim Gießen eine gut besuchte...
Samstag, 18.11.2017, 20:00 Uhr Blues-Range in der Vitos-Kapelle Gießen
Bluesrange spielen Blues und Bluesrock von Robert Johnson über die...
Ausbildungsmarktbericht für den Landkreis Gießen
Seit Oktober 2016 wurden im Landkreis Gießen insgesamt 2215...

Dieser Beitrag als Banner

Um diesen Beitrag als Banner auf deine eigene Homepage einzubinden, kopiere einfach folgenden Link und füge diesen Code in deiner Homepage ein.
Link:
Übrigens: unter "Meine Seite" findest du auch einen Banner zum Einbinden der letzten Beiträge, die du selbst verfasst hast.