Bürgerreporter berichten aus: Gießen | Überall | Ort wählen...

„Ich bin ein ganz normaler Typ“: „Der Graf“ von „Unheilig“ im GZ-Interview

Phänomen für seine Fans: Der Graf. (Foto: Universal Music)
Phänomen für seine Fans: Der Graf. (Foto: Universal Music)
Gießen | Das Telefon klingelt. 12.51 Uhr. Pünktlich. „Hier ist der Graf“, sagt er. Eine starke, sympathische Stimme. Seit über zehn Jahren ist er mit seiner Band Unheilig unterwegs. Und nun sogar in den offiziellen Charts. Am kommenden Samstag, 27. März, gastieren sie in den Hessenhallen in Gießen. Die GIEßENER ZEITUNG sprach mit „dem Grafen“ über die große Freiheit, Seereisen und das Leben in den Charts.

GZ: Mit dem „Grafen“ hast Du eine Kunstfigur erschaffen. Wie bist Du darauf gekommen? Und was bedeutet sie dir?
Der Graf: Ich nutze das Pseudonym, um mein Privatleben zu schützen und um eine Grenze zu ziehen. Aus dem Grunde liegt auch viel im Ungewissen über mich. Da kursieren schon die wildesten Gerüchte. Das ist aber okay. Meine Familie ist mir eben heilig. Denn sie ist mein Rückzugspunkt, um Kraft zu tanken.

GZ: Trotz all der Anonymität hinter dem „Grafen“ – Wie wichtig ist Dir die Nähe zu den Fans?
Der Graf: Das ist für mich das A und O. Wir machen viele Autogrammstunden vor den Konzerten oder gehen auch auf Autogrammstunden-Tour. Das genieße ich sehr, weil ich auch die Fannähe
Mehr über...
Der Autor hat diesem Beitrag leider keine Tags (Stichwörter) zugeordnet!
brauche und auch den Menschen sehen will, der die Musik gut findet. Ich will auch wissen, warum er sie gut findet. Das Schöne ist, dass ich, weil ja keiner weiß, wie es privat bei mir aussieht, selber bestimmen kann, wie weit ich dem Menschen gegenüber entgegen komme. Weil ich mich ja immer wieder zurückziehen kann.

GZ: Eure Konzerte sind zum Teil ausverkauft, die Single "Geboren, um zu leben" stieg bis auf Platz drei der Charts, das Album „Große Freiheit“ war sogar auf der Eins. Wie fühlt es sich an, dass „Unheilig“ heute die breite Masse anspricht?
Der Graf: Wahnsinnig. Es ist ein super Gefühl, eine wunderbare Bestätigung für uns alle. Wir haben nicht damit gerechnet, so einen Zuspruch von außen zu bekommen. Ich kann das, was im Moment alles passiert, gar nicht richtig realisieren. Ich fühle mich nicht anders. Ich bin immer noch so wie sonst auch. Wenn ich nach Hause komme, ist mein Leben wie sonst auch. Und ich bin ein ganz normaler Typ. Eine schöne musikalische Bestätigung. Ich mache das schon seit zehn Jahren. „Unheilig“ ist von klein auf gewachsen. In den vergangenen zehn Jahren haben wir uns von kleinen Hallen in große Hallen gespielt. Das darf man nicht vergessen.

GZ: Die Texte handeln oft vom Himmel und ähnlichen Symboliken. Bist du religiös?
Der Graf: Ich bin extrem religiös. Ich bete jeden Tag für mich, bin auch katholisch erzogen worden. Ich glaube auch daran, dass es einen Himmel gibt, dass es ein Paradies gibt und dass man sich irgendwann wiedersieht. Und auch, dass es Engel gibt.
Aber ich brauche keine Religion dafür, der ich mich unterwerfe, um zum lieben Gott beten zu können oder ihm näher zu sein. Ich muss auch in kein Haus gehen, wo man bestimmte Rituale macht. Wenn man meine Einstellung hat, ist man in den Augen aller Religionen ein Unheiliger, das kann man sogar in der Bibel nachlesen. Deshalb hab ich mich so genannt – weil es meine Einstellung zu Gott ist. Viele glauben, ich sei trotzig, aber ich sehe mich eher als religionsfrei an.

GZ: „Große Freiheit“ ist erneut ein Konzeptalbum. Warum lieber Konzept als Standard?
Der Graf: Ich brauche das, wenn ich schreibe, damit ich selber einen Rahmen habe. Ich brauche ein Konzept. Bei dem Vorgängeralbum „Puppenspieler“ war es das Konzept des Spiels, der Bühne, des Theaters. Bei „Große Freiheit“ ist der musikalische Rahmen die Seefahrt. Es geht um das Meer und ein Schiff als Synonym für einen Menschen, der auf eine Reise geht, auf der Suche nach Abenteuern. Und es geht darum, die Welt zu entdecken und die große Freiheit genießen zu können. Die Lieder sind einzelne Geschichten, die auf der Reise des Lebens passieren.

GZ: Wieso das Thema „Seefahrt“? Wie kommt man darauf?
Der Graf: Weil es ein wunderbares Konzept ist und man es mit vielen Bilder bespielen kann. Gerade die Reise als Seefahrt. Jeder war schon mal am Meer, jeder kenn die Bilder von Sturm, von Wellen, von Flut und von Ebbe. Da kann man musikalische Bilder aufbauen mit bestimmten Wörtern und Texten. Und beim Zuhörer Bilder im Kopf erzeugen.

GZ: Wo siehst Du die musikalischen Wurzeln von „Unheilig“?
Der Graf: Meine musikalischen Wurzeln sind, ganz klar, in der schwarzen Gothic-Szene. Da waren die ersten Menschen, die auf unsere Musik aufmerksam geworden sind und da ist mein Zuhause. Besonders die schwarze Szene ist ein nicht geschlossener Kreislauf. Die ist offen für alles. Und im Augenblick ist es so, dass viele Menschen, die vorher noch gar nichts damit am Hut hatten, durch die Musik darauf aufmerksam werden. Das find ich schön, es zeigt, die Musik schlägt Brücken. Man kann die Menschen vereinen, indem man sie durch die Musik vereint.

GZ: Gibt es Bands mit denen eure Musik vergleichbar wäre? Oder sogar Vorbilder?
Der Graf: Vorbilder, nein gar nicht. Ich finde viele Bands toll. Bin musikalisch multitasking-fähig. Ich höre fast alles - außer Marschmusik. Und finde auch alles recht gut. Ich habe aber keine speziellen Sachen. Ich finde „Rammstein“ gut, ich finde Grönemeyer gut, Filmmusik, Peter Fox, um mal ein paar zu nennen. Das sind so Richtungen und Musiker, die mir immer irgendwie etwas geben und mich ansprechen. Aber ein spezielles Vorbild habe ich nicht.

GZ: Ihr habt früher zum Teil auch englischsprachige Musik gemacht. Wie kam der Wandel?
Der Graf: Unser erstes Album war halb und halb. Aber das Feedback auf die englischen Stücke war von Seiten der Fans nicht so hoch, wie auf die deutschen. Ich habe damals die Lieder mit Grant Stevens zusammen geschrieben, der Australier ist. Da war es okay, wenn man englische Texte schrieb. Aber kann nicht so gut Englisch. Ich kann am besten schreiben, in der Sprache in der ich nun mal träume, und das ist Deutsch.

Phänomen für seine Fans: Der Graf. (Foto: Universal Music)
Phänomen für seine Fans:... 
 

Kommentare zum Beitrag

Sabine Glinke
5.280
Sabine Glinke aus Wettenberg schrieb am 24.03.2010 um 09:42 Uhr
Gelungenes Interview. Kommt sehr sympathisch rüber, die düstere Type.
Tanja Kremser
215
Tanja Kremser aus Laubach schrieb am 24.03.2010 um 19:22 Uhr
und ich wäre am samstag ja sooo gerne in giessen.....
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) KREATIVE KA:OS

von:  KREATIVE KA:OS

offline
Interessensgebiet: Gießen
KREATIVE KA:OS
3.191
Nachricht senden
Aktuellste Beiträge des Autors:
"moonages": Peter Nachtigall, Frank Sauer, Björn Mardorf, Thorsten Doerr, Stefan Herzig und Guido Pöppler. (Foto: privat)
Moonages stellen neuen Mann an ihrer Saite vor
Auch mit neuer Besetzung lassen es sich die sechs Marburger in diesem...
Frage der Woche: Was haben Sie in den Herbstferien gemacht?
Morgen ist der letzte Herbstferientag. Schade, denken sich wohl die...

Veröffentlicht in der Gruppe

Bands und Events

Mitglieder: 8
Aktuellste Beiträge der Gruppe:
"moonages": Peter Nachtigall, Frank Sauer, Björn Mardorf, Thorsten Doerr, Stefan Herzig und Guido Pöppler. (Foto: privat)
Moonages stellen neuen Mann an ihrer Saite vor
Auch mit neuer Besetzung lassen es sich die sechs Marburger in diesem...
Burg Staufenberg
Tolles Wetter, traumhafte Location - Mittelaltermarkt Burg Staufenberg
2013 wird die Stadt Staufenberg um eine Veranstaltung bereichert:...

Weitere Beiträge aus der Region

Ein Ausflug in eine Nachbarstadt
Welche Stadt in der Nähe von Gießen würde wohl einen Ausflug lohnen?...
Wann kommt endlich das Frauchen wieder?
Sprichwort: "Wie Hund und Katz"
So friedlich sie auf den Bildern wirken, ich glaube das würde sich...
Autoknacker durch Pokémon Go gefasst
In der Nacht von Freitag auf Samstag, war ein junges Paar noch wach...

Dieser Beitrag als Banner

Um diesen Beitrag als Banner auf deine eigene Homepage einzubinden, kopiere einfach folgenden Link und füge diesen Code in deiner Homepage ein.
Link:
Übrigens: unter "Meine Seite" findest du auch einen Banner zum Einbinden der letzten Beiträge, die du selbst verfasst hast.