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Nachtgedanken: "Ich könnte ein Buch schreiben..."

Gießen | höre ich oft. Aber mit gleichem Atemzug folgt meistens das Bekenntnis: „… aber leider fehlen mir die Worte…,“ um dann drauflos zu quatschen, um das zu beichten, was man erzählen könnte. Da werden Banalitäten aufgebauscht und prägende Lebens-Ereignisse ausgeblendet. Oder ist es umgekehrt?
Aber schon beim Nachfragen stellt sich heraus: Oft beherrscht ein trübes Schicksal diese Geschichten. Und wer dann behauptet: Dagegen kann man sowieso nichts machen, der wird nicht erstaunt sein, dass das Schicksal der Menschen immer ähnlich verläuft und viele Lebens-Kapitel allenfalls eine Wiederholung der Wiederholung sind.
Aber trotzdem möchte der eine oder die andere die Geschichte, die man gerade erzählt, am liebsten aufschreiben, wenn man dann nur Zeit hätte.
Aber da natürlich keiner mehr Zeit hat, vermehren sich jeden Tag die Menschen, die immer öfter im Konjunktiv sprechen. Und hört ihnen lange genug zu, könnte man glauben, der Konjunktiv sei die Sprachform, die dem Menschen am ehsten entspricht. Wie aber soll sich der Mensch sonst gegen den Alltag wehren, der ihn täglich mit fremder Hand dirigiert? Je trostloser aber der Alltag wird, um so eher glaubt der Mensch keinen Einfluß mehr auf das eigene Leben zu haben.
„Ich könnte ein Buch schreiben…“ höre ich dann und denke: Es kommt weniger darauf an wie ein Satz anfängt, sondern wie er weitergeht.

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Kommentare zum Beitrag

Dr. Manfred Klein
1.413
Dr. Manfred Klein aus Gießen schrieb am 13.03.2010 um 11:41 Uhr
Eine Roman-Geschichte muss mit der Realität nichts zu tun haben, das ganze kann und soll Fiktion sein. Lebenserfahrungen braucht die Handlung im Grunde nicht, natürlich kommt es auch auf das Genre an. Denken Sie an Peter Handke, dem es nur ums reine Erzählen geht ohne pannung, ohne Mord, ohne verdammtes Happy-End. "Ich lebe nur von den Zwischenräumen", hatte dieser gesagt. Allein dieses "Dazwischen" hat gereicht für ein ganze Menge Bücher, die er geschrieben hat.
Dr. Mathias Knoll
7.529
Dr. Mathias Knoll aus Gießen schrieb am 13.03.2010 um 13:54 Uhr
Menschen, die behaupten: "Ich könnte ein Buch schreiben..." haben in der Regel (vermute ich) nicht die Absicht über die eigenen "Zwischenräume" zu berichten. Sie halten sich lieber an die (vermeintliche) Chronologie der Ereignisse, als müßten sie sich für ihr Leben ( vorallem dann, wenn sie nicht auf banale Weise "erfolgreich" waren) noch nachträglich rechtfertigen. Aber mit dieser eins-zu-eins-Beicht-Recht-Fertigung legen sie sich schon wieder an die Leine, von der sie sich eigentlich über das Erzählen befreien wollten.
Dr. Manfred Klein
1.413
Dr. Manfred Klein aus Gießen schrieb am 13.03.2010 um 21:05 Uhr
Naja gut, das ist Ihre These, die vielleicht auf div. Autoren zutreffen mag, aber das Gros, denke ich schreibt aus andern Gründen.
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Dr. Mathias Knoll
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