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Motorrad-Reisebericht Traumstraßen Norwegens (9)

Gießen | Drei Gießener auf dem Weg nach und durch Süd- und Mittelnorwegen. Ein kleines Motorradabenteuer in 10 Tagen.

Tag 9, Sonntag 01. Juli 2007

Es ist richtig dunkel und auch ordentlich kalt geworden, als wir in Hirtshals anlegen. Schnell sind wir von der Fähre runter und stehen nach kaum 15 Minuten an einer Autobahnraststätte. Wir konstatieren: Keiner hat richtig geschlafen. Wir sind 14h wach und haben rund 600km Autobahn durch die dänische Nacht vor uns. Wir haben KEINEN BOCK. Eine Gruppe norwegischer Jugendlicher im Alter um die zwanzig rollt mit einem etwas heruntergekommenen Ford-Bus auf den Parkplatz und es scheint, als seien alle außer der Fahrerin irgendetwas zwischen ziemlich betrunken und sternhagelvoll. Aus den Boxen plärrt scheppernd James Brown und die leicht bekleideten Mädels aus dem Bus tanzen zwischen den Zapfsäulen. Wir hätten auch Lust auf ein bisschen Party.
Unsere Party heißt müde und frierend Kilometerschruppen...
Die folgenden 6 Stunden sind das ätzendste, was man sich unter Motorradfahren vorstellen kann. Bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt ballern wir im nächtlichen Dänemark schlaftrunken durch den dichten Nebel gen Flensburg. Zwischendurch begegnen wir immer wieder einer Gruppe hanseatischer Biker, die uns schon auf der Fährfahrt nach Norwegen zugesabbelt hat. Tipps für alle Lebenslagen. Wie man Motorräder auf Fähren verzurrt, und so. Scheinbar auf der Motorräder-auf-Fähren-verzurren-Fortbildung gewesen... Und auf der Rückfahrt waren sie auch wieder da. Und an der ersten Tankstelle an diesem Abend. Und der zweiten. Die nerven. Und erzählen Unfug. Was sie für Kurvenjäger sind. Mit Mutti hintendrauf quasi Lenkerendenschleifend durch die Schotterpässe. Klar soweit. Ein Blick auf die hinteren Pellen spricht Bände... Wir schweigen...
Endlich in Flensburg angekommen erscheint es uns wie ein Geschenk, an einer 24h-Tankstelle unsinnig viel Geld für herzlos geschmierte Brötchen und warme Getränke ausgeben zu dürfen. Und wenn treffen wir??? Sabbelhansens und Laberschmidts. Wir zeigen uns von unserer ablehnenden Seite und erwidern die zum Glück schnell kommende Verabschiedung kurz und deftig. Tschüss (ihr Spackos!)...
Die Verabschiedung von Alex gelingt uns weniger schnell. Ein bisschen Sorgen machen Richie, Sebastian und ich uns schon. Der Kerle will nun noch bis in die Heimat durchkesseln. Er muss Morgen wieder zur Arbeit und hat keinen Tag Reserve mehr wie wir. Warme Worte, ermahnende Ratschläge und die Leihgabe von Richies Throttle-Rocker, und schon ist er on the Road. Wir auch wieder, es sind noch 70km bis zu Richies Ferienhaus. Auf dem Weg können wir es nicht fassen. Sebastian sieht Nashörner von der Seite auf uns zulaufen, ich sehe dauernd meine Augenlider von Innen, und Richie findet den Weg nur mit zwei kleinen Abstechern ins Nirgendwo. Egal. Irgendwie kommen wir gegen 9:00 in Tarting an. Eben noch eine Dose Bier mit ans Bett, einen Schluck genommen, und schon im Reich der Träume. Rund 1200km südlich vom Sjåvatnetsee, an dem wir vor gut 24 Stunden aufgewacht sind...
Am frühen Nachmittag heißt es Aufstehen, das Wohnmobil beladen und die Motorräder auf den Trailer packen. Draußen wechselt sich gleißender Sonnenschein mit tiefschwarzen Gewitterwolken ab, das was vom Himmel fällt einfach Regen zu nennen wäre absolut untertrieben. Die freundlichen Nachbarn haben Mitleid, und wir beladen den Trailer unter deren Carport. Am frühen Abend machen wir uns auf die letzte Etappe gen Heimat.

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von:  Andreas Lehmann

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Andreas Lehmann
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