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Motorrad-Reisebericht Traumstraßen Norwegens (3)

Gießen | Drei Gießener auf dem Weg nach und durch Süd- und Mittelnorwegen. Ein kleines Motorradabenteuer in 10 Tagen.

Tag 3, Montag 25. Juni 2007

Wir verlassen Austbyd in Richtung Bakko, Karlsund und Skålbø. Von Skålbø aus fahren wir hinauf zum Sønstevatnsee und sind fasziniert von dem Wolkenspiel, das sich in dem kristallklaren Wasser spiegelt. Nach einer kurzen Rast genießen wir die Kurvenstrecke hinunter nach Bjørkeflata. Auf der 40 kommen wir über Rustrud und Uvdal, wo wir eine weitere Stabkirche anschauen, nach Rødberg und biegen kurz hinter dem Ort links ab nach Øygardsgrendi. Rechts des Tunhovdfjorden kommt es uns bei gemütlichen 80 km/h vor, als würden wir durch die grünen Wälder schweben. In Nesybyen biegen wir auf die E7 Richtung Gol ein und lassen uns von einem vielversprechenden Schild in einen Naturpark locken, in welchem man den Krater eines Meteoriteneinschlags bestaunen können soll. Leider ist der Einschlag vermutlich schon etwas länger her, es gibt nichts zu sehen. Ein paar gemütliche Bänke laden uns ein unser Kochgeschirr auszupacken und wir essen den Wandersleuten was vor.
Von der breiten E7 trotz
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schöner Landschaft etwas gelangweilt biegen wir nicht sehr erwartungsvoll in Gol auf die 51 nach Fagernes ab. Die 51 führt uns durch einen der schönsten Abschnitte unserer Reise. Die Straße ist wenig befahren und in gutem Zustand. Sie schlängelt sich durch traumhafte Wälder und Seen auf dem Valdres Hochplateau. Der Moment besteht nur noch aus gemütlichem Kurvengleiten und Genießen. Die 51 hat uns in ihrem Bann, so lassen wir in Fagernes das "Valdres Volkemuseum" links (oder rechts?) liegen und folgen ihr in Richtung Valdresflya. Beinahe mechanisch steuern wir die schwer beladenen Enduros durch die Nadelwälder, als wir uns plötzlich mit einem Ureinwohner Norwegens konfrontiert sehen. Ein wirklich riesiger Elch(bulle?) quert keine 20 Meter vor uns die Straße. Gemütlich von links aus dem Wald kommend stolziert er über die Straße um seelenruhig rechts in selbigem wieder zu verschwinden. Wir langen hart in die Eisen und kommen rechtzeitig zum stehen. Das Herz bubbert recht heftig. Zum einen, weil uns bewusst wird, dass es noch mehr Gefahren als Schafe, Kühe und Wohnmobile gibt, zum andern weil wir aufgeregt sind: Wir haben am zweiten Tag in Norwegen einen riesigen Elch gesehen! Von ganz nahe! Wir sind ein bisschen stolz auf uns und unseren neuen Freund…
Langsam merken wir, wie die 51 uns in höhere Lagen führt. Die Landschaft wird karger und schneebedeckte Bergkuppen um uns herum sind nicht mehr die Ausnahme sondern die Regel. Zwischen Beitostølen und Bygdin halten wir an einem kleinen Schneefeld seitlich der Straße und sind wieder ein bisschen stolz. Mitten im Sommer ein Loch in den Schnee zu pinkeln, das soll uns erst mal einer nachmachen. Die Ziegenherde am Straßenrand nimmt es gelassen und denkt sich ihren Teil. Von hier ab führen uns die nächsten 25 km bei strahlendem Sonnenschein auf den Bygdinpass (1166m) und den Valdresflyapass (1390m). Das Kurveneldorado ist zunächst gesäumt von schroffen Felsen und Schneefeldern, dann von Berggipfeln, die die Straße um 100 Meter überragen. Auf der Höhe des Valdresflya geht es endlos geradeaus durch eine mondähnliche Schneelandschaft. Die Straße ist durch 3 - 4 Meter hohe Äste markiert, die in gleichmäßigem Abstand in den Boden gesteckt wurden – man kann erahnen, dass hier auch öfter einmal etwas mehr Schnee liegt. Es ist richtig kalt, aber mit jedem Meter, den wir anschließend Richtung Maurvangen auf langgezogenen Serpentinen talwärts gelangen wird es wieder wärmer. Wir biegen vor Maurvangen nach links ab und suchen
in dem beschaulichen Dörchen Gjende am gleichnamigen See nach dem Weg, der uns in den Einsiedlerort Memurubu führen soll. Nach einiger Zeit wird klar, der gesuchte Weg ist ein schmaler Wanderpfad und wäre vermutlich mit einer Trialmaschine bereits eine Herausforderung. Die Kuh und die Frauströme sind hier nicht zu gebrauchen. So schmollen wir ein wenig und geben uns mit einem preiswerten Tipi auf dem Campingplatz zufrieden. Es beginnt etwas zu nieseln und der Gebirgsbach, der direkt an unserer Schlafstätte vorbeirauscht bringt die nötige Kälte aus den Bergen mit. Da hilft nur ein anständiges Feuer, und das bringen wir mit etwas Mühe trotz feuchtem Holz dann auch zum Brennen. Erneut finden wir erst gegen Mitternacht in unsere Schlafsäcke, die wir heute Nacht auch richtig verschließen. Es ist kalt… und sooooo genial…


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von:  Andreas Lehmann

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