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Bänke für Lange und Kurze

Schule ohne Stuhl und Bank ...
Schule ohne Stuhl und Bank ...
Gießen | Stellen Sie sich vor, Sie schicken morgens Ihre Kinder zur Schule. Sie achten natürlich darauf, dass die Kids nichts vergessen haben. Das ist allerdings kein großer Aufwand, denn außer einem Schreibheft und einem Kugelschreiber muss man – kann man – sowieso nichts in die Schule mitbringen. Pausenbrot, Möhrchen, Apfelschnitze und etwas zum Trinken – das muss auch nicht sein. Die Kinder haben ja gerade eine Tasse Tee getrunken und eine halbe Kartoffel gegessen. Wenn sie dann gegen Drei am Nachmittag nach Hause kommen, gibt es ohnehin wieder Essen. Aber, ganz wichtig: Sie geben jedem einen Plastikstuhl oder ein Holzbänkchen mit. Denn wer sitzt in der Schule schon gern auf dem Fußboden?
Wenn Sie Ihren Kindern einen Stuhl mitgeben können, gehören Sie im Süden des Sudan allerdings schon zu den reichen Leuten. In Goli, einem Dorf ca. 30 km entfernt von der Provinzhauptstadt Yei, zählen Sie dann zu den Ausnahmen. (Wenn Sie jetzt genauer wissen wollen, wo dieser Beitrag für die GZ herkommt, lesen Sie doch bitte den Artikel „4°05’43.00 North 30°41’18.08 East“ vom 26. Oktober.)
Goli war in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts
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ein riesiges Flüchtlingslager. Zehntausende Menschen aus Uganda flohen vor dem Schreckensregime des Diktators Idi Amin und fanden im Sudan für einige Jahre Unterschlupf. Jetzt ist Goli wieder die Heimat der Mundus. Das ist ein sudanesischer Volksstamm, der in bitterer Armut lebt. Dabei steht den Mundus ein riesiges Gebiet fruchtbaren Bodens zur Verfügung. Eine relativ lange Regenzeit erlaubt bis zu drei Ernten. Flüsse und Bäche durchziehen das Land, es gibt also kaum Wassermangel – Mangel an wirklich sauberem Wasser schon.
Das soziale Desaster der Mundus, Krankheiten, Armut, Unwissenheit und ihr geringer gesellschaftlicher Einfluss hängen mit ihrem Glauben an Geister und Dämonen zusammen. Wenn man ein paar Hühner oder ein paar Gemüsebeete zu viel und dazu vielleicht noch zwei Ziegen besitzt, werden die Geister neidisch und bestrafen einen – mit Krankheit oder gar Tod. Wenn Haus und Hof sauber gefegt sind und alles einigermaßen in Ordnung gehalten ist, werden die Dämonen ärgerlich und quälen einen mit anderen Plagen. Und keinesfalls darf man klüger sein als die Geister, das macht sie am meisten wütend. Deshalb schickt man die Kinder am besten nicht zur Schule – oder höchstens bis zur 3. Klasse.
In dieser Region hat die
Unterricht im Südsudan - ein Lehrbuch für die ganze Klasse
Unterricht im Südsudan - ein Lehrbuch für die ganze Klasse
Evangelical Presbyterian Church of South Sudan (EPC) einige wichtige Projekte gestartet. Dazu gehört u.a. ein Krankenhaus, das sich im Bau befindet. Aber die Ambulanz – hier genannt „Out Patient Department“ - arbeitet schon seit über einem Jahr und kann monatlich bis zu 1000 Patienten versorgen.
Dazu kommen ein Landwirtschaftsprojekt und eine Grundschule, in der offiziell 225 Kinder angemeldet sind, derzeit aber nur etwa 150 Kinder tatsächlich zum Unterricht erscheinen. Das liegt daran, dass versprengte Reste einer ugandischen Rebellenarmee diese Gegend manchmal heimsuchen, weshalb Eltern, die es sich leisten können, ihre Kinder lieber in Yei bei Verwandten unterbringen. Jetzt ist die südsudanesische Armee dabei, die marodierenden Einheiten aufzureiben. Im Januar beginnt das nächste Schuljahr, und es bleibt zu hoffen, dass dann alle Klassenzimmer wieder gefüllt sein werden.
Um es schmeichelhaft auszudrücken: Die Einrichtung der Schule ist mehr als dürftig. Die Gebäude müssen dringend renoviert werden, es gibt keine Schulmöbel, und auch das Lehrerzimmer verdient seinen Namen nicht. Es fehlt an allem. Hefte, Schreibzeug, Bücher, Mobiliar. Für manche Fächer gibt es wenigstens ein Lehrbuch pro Klasse. Von acht Lehrern haben höchstens zwei eine Ausbildung.
Montage von Schulbänken für Lange und Kurze
Montage von Schulbänken für Lange und Kurze
Die Deutsche Botschaft hat für die Grundschule in Goli kürzlich über 8000 Euro bereitgestellt, die für Renovierung und Ausstattung verwendet werden können. Für dieses Geld aus dem deutschen Steuertopf, zuzüglich ca. 30% Eigenleistung der EPC, gibt es eine komplette Schulrenovierung inclusive neuer Latrinen, 120 neue Schulbänke und die Möbel für das Lehrerzimmer!
Wichtig dabei ist, dass diese Mittel nicht ausgegeben werden für industriell gefertige Schulmöbel, die man ja z.B. aus Uganda beziehen könnte. So werden die Latrinen von Männern aus Goli mit einheimischem Material gebaut. Die Schultische werden in der Tischlerei der EPC gefertigt. Der Clou: Einige junge Männer aus einem der EPC-Waisenhäuser sollen dabei mithelfen und bei dieser Gelegenheit ein handwerkliches Training absolvieren.
Ein kleines, interessantes „Problem“ bringt die Produktion von Schulbänken im Sudan mit sich: Die Menschen hier unterscheiden sich extrem in ihrer Größe. Manche Stämme, z.B. die Dinka, sind fast grundsätzlich um die zwei Meter groß. Bei den Mundus findet man viele kleine Leute. Weil durch Krieg und Vertreibung die Stämme durcheinander gerieten, und weil es nicht selten vorkommt, dass schon mal 17jährige in der 4. Klasse sitzen, ist es nicht so einfach, das rechte Maß für die Schulmöbel zu finden. Aber für Lange und Kurze Sitz- und Schreibgelegenheiten in einigermaßen passenden Dimensionen anzufertigen, ist wirklich nicht die größte Aufgabe. Die Prototypen sind schon zusammengesetzt, demnächst – wenn nach der Regenzeit wieder genügend trockenes Holz zur Verfügung steht – gehen sie in Serie.
Unter der Trägerschaft der EPC gibt es in der Region rund um Yei 15 Grundschulen. Das ist die eigentliche Herausforderung: Trotz des vollkommenen Mangels, der hierzulande im Bildungswesen herrscht, soll den Kindern eine vernünftige Bildung auf ihren Lebensweg mitgegeben werden. Und woran es hier auf keinen Fall mangelt, das sind Kinder.

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Montage von Schulbänken für Lange und Kurze
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