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Walter Steinberg und Siglinde Fischer von Faltboot-Expedition durch Kanada und Alaska zurückgekehrt

Mitte Mai auf dem Mackenzie River
Mitte Mai auf dem Mackenzie River
Gießen | Weilmünster-Möttau - Der deutsche Abenteurer und Fotograf Walter Steinberg und seine Frau Siglinde Fischer sind Mitte Oktober von einer 4,5-monatigen Faltboot-Expedition durch Kanada und Alaska zurückgekehrt. Zwischen Mitte Mai und Ende September 2008 haben sie auf der insgesamt 4.100 km langen Strecke acht verschiedene Flüsse miteinander verbunden, bevor sie die Beringsee im Westen Alaskas erreichten. Herzstück der Expedition war die Überwindung der kanadischen Richardson Mountains auf dem McDougall-Pass: Über 160km führte die Route stromauf, wochenlang durch teils lebensgefährliche Stromschnellen. Steinberg und Fischer sind die ersten, die diese Strecke mit Faltbooten gemeistert haben.

Mitte Mai dieses Jahres starteten Walter Steinberg und Siglinde Fischer bei Ft. Simpson am Liard River in den kanadischen Northwest-Territories zu einer 4.100 km langen Expedition mit Faltbooten. Den ursprünglich geplanten Startpunkt, Hay River am Großen Sklavensee, konnten sie nicht halten: Meterdicke Eisschollen hatten den Oberlauf des Mackenzie Rivers vollständig blockiert.

Treibeis auf dem Mackenzie River sowie meterhohe
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Kanada (19)Faltboot (1)Expedition (3)Alaska (5)
Eiswände am Ufer begleiteten die beiden auf den ersten 1.300 Kilometern bis in das Mackenzie Delta. Anschließend führte die Route ca. 160km nach Westen stromauf, wochenlang durch das gefährliche Wildwasser des Rat Rivers. Über diesen Abschnitt gibt es nur extrem wenige Informationen - auch in den Zeiten des Internets. „Wir ahnten zwar, dass uns ein schwieriger, anstrengender Abschnitt bevorsteht“, erklärt Steinberg. „Dies war die kraftraubendste Expedition, die wir je unternommen haben. Wir haben beide rapide an Gewicht verloren in dieser Zeit. Stundenlang haben wir gegen die acht Grad kalten Stromschnellen angekämpft - und dabei an einem ganzen Tag vielleicht 2,5 km Luftlinie geschafft,“ ergänzt Fischer. Mehrere Male kenterten die Faltboote in der reißenden Strömung, doch die beiden hatten Glück: Sie verloren keine lebenswichtige Ausrüstung, keine Lebensmittel; es brachen lediglich drei Spanten eines Bootes, als die Wasserwucht es gegen Felsen drückte.

Mit dem Erreichen des McDougall-Passes in den Richardson Mountains nahmen die Stromschnellen zwar ab, statt dessen spickten jedoch Biberdämme und umgestürzte Bäume den Rat River: Kaum zwanzig Meter vergingen, ohne dass Steinberg und Fischer zur Säge greifen mussten. Oft standen sie dabei bis zum Hals im Wasser. Am 9. Juli war der Aufstieg endlich geschafft.

Im Rat River
Im Rat River
Nach einer kurzen Portage setzten Fischer und Steinberg ihre Faltboote am 11. Juli auf dem Pass in den Summit Lake ein. Über den Little Bell und Bell River gelangten die Abenteurer in den Porcupine River. Hier hatten sie häufig mit heftigem Wind zu kämpfen - wie schon zuvor auf dem Mackenzie River. Wind, Regen und Kühle begleitete die Expedition noch Wochen, nachdem die Grenze nach Alaska auf dem Porcupine River schon überschritten war: Alaska erlebte 2008 seinen drittkältesten Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnung.

Ende August hatten Steinberg und Fischer Zentral-Alaska bereits auf dem legendären Yukon River hinter sich gelassen. Noch gut 1.000km trennten sie von ihrem Ziel, der Mündung des großen Stroms in die Beringsee, als abermals eine ungewöhnliche Wetterlage eintrat und drei Wochen anhielt: milde Temperaturen um 12°C und vor allem: das Ausbleiben der Herbststürme.
Nach viereinhalb Monaten und 4.100 km erreichten Steinberg und seine Frau Ende September die Beringsee westlich von Emmonak, genau zwei Tage vor dem ersten Frost und Schneefall. Sie sind die ersten, die diese Route mit Faltbooten gemeistert haben. Siglinde Fischer ist darüber hinaus die erste Frau überhaupt, die diese Strecke bewältigt hat.

Mitte Mai auf dem Mackenzie River
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Im Rat River
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Kommentare zum Beitrag

Klaus Lowitz
6.571
Klaus Lowitz aus Reiskirchen schrieb am 31.10.2008 um 08:58 Uhr
Es gibt sie also noch, die abenteuerlustigen und expeditionsfreudigen Reisenden. Ist ganz was anderes im Vergleich zum Pauschal- und Massentourismus. Schöner Bericht. Hätte ihn mir nur etwas ausführlicher gewünscht und viel mehr Fotos.
Hallo Lieber Leser
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Herzlichst, Ihr(e) Siglinde Fischer

von:  Siglinde Fischer

offline
Interessensgebiet: Gießen
Siglinde Fischer
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