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Fans hinter den Kulissen - 46ers versinken im rot-weißen Meer

Die Choreo (Südtribüne).
Die Choreo (Südtribüne).
Gießen | Wie schon in allen Medien zu lesen und zu sehen war, fand am Freitagabend das große Hessen-Derby in der 1. Deutschen Basketball Bundesliga zwischen den Gießen LTi 46ers und den Frankfurt Skyliners statt.

Austragungsort war die Gießener Osthalle. Heimat der 46ers und ihrer treuen Anhänger.

Und um diese Enthusiasten soll es auch heute einmal gehen. Völlig wertungsfrei zum eigentlichen Spiel, habe ich mich einmal hinter die Kulissen begeben und berichte über die Menschen,
die einen großen Teil zu den Spielen der „46ers“ Beitragen, aber selten bis gar nicht erwähnt werden.

Wenn es dem DSF auch nur wenige Sekunden wert war, das rot-weiße Meer in der sogenannten „Gießener Osthölle“ zu übertragen, so war es doch ein gigantischer Erfolg der nicht von offizieller Seite geplant und durchgeführt wurde. Knapp 4000 Menschen hielten die farbigen Plakate hoch und sangen wie aus einer Kehle die Toten-Hosen Version von "You´ll never walk alone".

Geplant und orgnanisiert hat dies eine relativ kleine, eingeschworene und oft argwöhnisch beobachtete Gruppe von Fans, die auf den Stehplätzen im Innenbereich Ost beheimatet ist.

Mehr über...
Fans (13)Choreografie (3)Basketball (758)46ers (109)
Ein Fan ist laut Lexikon ein Mensch, der längerfristig eine leidenschaftliche Beziehung zu einem, für ihn öffentlichen, personalen sowie kollektiven, gegenständlichen Fanobjekt
hat und in die emotionale Beziehung zu diesem, Ressourcen wie Zeit und Geld investiert.

Und so ist es auch in Gießen.

Schon um 16 Uhr ging es am Freitag in die Osthalle, wo nur wenige Security Mitarbeiter zu gegen waren, die Mitarbeiter des DSF, die schon fleißig Ihre Kameras in Position brachten und die eben erwähnte Gruppe Fans bepackt mit Papier, Luftballons, Tapetenrollen, Farbdosen, Keksen und Getränken.

Eine rot-weiße Choreografie sollte die Spieler empfangen und die nötige Motivation für sie, aber auch für die Zuschauer mitgeben.

Von einer Choreografie (Umgangssprachlich: Choreo) spricht man im Sport, wenn z.B. die Fans in einem ganzen Stadion oder einer Halle etwas hochhalten, wie Plakate oder Fahnen, was dann im gesamten ein Bild ergibt. Man sieht es oft in Fußballstadien.

Die Planung einer solchen Choreografie ist natürlich sehr zeitintensiv und aufwendig. Schon Wochen vorher wurde im offiziellen Forum der Gießen 46ers abgestimmt, welches Muster entstehen soll und wie die Kosten gedeckt werden können. Weitere Fragen waren, ob überhaupt alle in der Halle
Fans (links). Die Cheers sind schon beim Aufwärmen.
Fans (links). Die Cheers sind schon beim Aufwärmen.
mitmachen und das Fernsehen es vielleicht gar nicht überträgt. Es sollte ja auch ein Zeichen an andere Vereine und Fans geschickt werden. Über das Muster war man sich schnell einig und per Computer wurde dieses auf den Sitzplan der Osthalle übertragen. Auch die Kosten konnten durch freiwillige Spenden von vielen Fans und einer Spende vom 46ers Team gedeckt werden.

Mit dem gekauften Material ging es also am Freitagnachmittag los. Schnell waren die freiwilligen Helfer eingeteilt und die roten und weißen Papiere wurden, nach Plan, auf jeden Zuschauersitz platziert.
Dazu wurde auch ein kleiner Handzettel mit Anleitung gelegt, wann das Papier hochgehalten werden
soll und warum überhaupt.

Nachdem die knapp 4000 Plätze versorgt waren ging es daran, die Luftballons aufzupumpen mit denen die Stehplätze hinter den Körben bestückt werden sollten. Schließlich sollte der Gegner es nicht so leicht haben, zu seinen Punkten zu kommen. Und was bringt ihn mehr aus dem Takt als hunderte,
durcheinander wedelnde Luftballons in Rot und Weiß.

Außerdem wurden an der Galerie, über dem Fanblock, 3 Banner mit der Aufschrift "Wir glauben an Euch" in deutsch, serbisch-kroatisch und englisch aufgehängt.

Das Muster ist schon zu erkennen.
Das Muster ist schon zu erkennen.
Pünktlich mit dem Eintreffen der ersten Zuschauer, waren die Arbeiten gegen 18.15 Uhr dann auch so gut wie abgeschlossen.

Wenn das Spiel, trotz einer hervorragenden Leistung der Gießener, am Ende nicht erfolgreich war, gibt es immer noch viele Fans hinter den Kulissen, die trotzdem zu ihnen halten und immer wieder ihre Freizeit und finanzielle Mittel einsetzten und sich aufopfern, um einen tollen Rahmen für das Team
und andere Zuschauer zu schaffen. Beispielhaft für die positive Resonanz waren sogar die Kommentare des Gegners, direkt nach dem Spiel. "Es ist immer wieder schön, nach Gießen zu kommen und diese tolle
Atmosphäre zu erleben" sagte der Frankfurter Trainer Murat Didin. "Dieses Hessen-Derby ist immer etwas
besonderes. Gießen hat immer eine riesige Atmosphäre. Es hat mich gefreut, dass sie die Wildcard bekommen haben
dieses Jahr" so der Frankfurter Aufbauspieler Pascal Roller zu DSF.
Auch der Frankfurter Spieler Marius Nolte würdigte dieses Engagement, ging nach dem Spiel noch einmal zum gegnerischen Fanblock der 46ers und fand einige nette Worte zum Gelingen der Choreo und der super Stimmung.
Die Nachrichtenseite eurobasket.com zieitierte noch weitere Spieler. Sie schreibt die Atmosphäre in Gießen war nicht nur laut sondern auch sehr ausgelassn und die Fans wild.
"Dieses Hessenderby war einzigartig. Es war das anstrengenste Derby was ich je erlebt habe" so Lischka.

Arbeits(ein)teilung.
Arbeits(ein)teilung.
Der Frankfurter Spieler Doliboa war sehr berührt von der Atmosphäre und sagte, dass es das ist was die Deutschen Basketball Derbys ausmacht.
Es erinnerte ihn an vergangene Tage in der D-Liga und College-Spiele in Wisconsin. "Auch wenn Giessen mit vier verlorenen Spielen in Folge in diese Partie ging so verstummten die Fans nicht sondern standen zu ihrem Team bis zum bitteren Ende.
Am Geländer der Galerie waren Banner mit "We belive in You" in verschiedenen Sprachen zu sehen und diese werden mit Sicherheit auch noch beim nächsten Heimspiel zu sehen sein trotz der Niederlage" so Doliboa.

Und wenn der eine oder andere Leser das nächste mal den 46ers einen Besuch abstattet, sieht er vielleicht mit anderen Augen in den Ostflügel der Halle, wo die rot-weiß gekleideten Fans ihre selbstgebastelten Fahnen und Banner mit Stolz tragen.

Diese „Fans“ sind nämlich IMMER da.

Die Choreo (Südtribüne).
Fans (links). Die Cheers sind schon beim Aufwärmen.
Das Muster ist schon zu erkennen.
Arbeits(ein)teilung.
Ordentlich.
Genau nach Plan.
Freiwilliger Helfer und Fan bei der Arbeit.
Die Nordtribüne.
Viele Hände halfen.
Der Fanblock Ost.
So wird der Gast empfangen.
Choreo (Nordtribüne)

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Kommentare zum Beitrag

Hugo Gerhardt
6.558
Hugo Gerhardt aus Gießen schrieb am 11.01.2010 um 23:08 Uhr
Toller Bericht, gute Organisation.
Da kann man leicht Fan werden.
Bjoern Gerdes
1.416
Bjoern Gerdes aus Gießen schrieb am 11.01.2010 um 23:47 Uhr
Ja. War schon was besonderes am Freitag ;)

Jetzt bin ich fertig. Habe noch in Zusammenarbeit mit den Foren-Usern einige Stimmen und Reaktionen zusammengetragen und eingefügt.

Jetzt aber Schluß. Gute Nacht.
Hugo Gerhardt
6.558
Hugo Gerhardt aus Gießen schrieb am 11.01.2010 um 23:53 Uhr
Gute Nacht haste dir verdient
Georg Gigler
704
Georg Gigler aus Lollar schrieb am 18.01.2010 um 20:54 Uhr
Toller Blick hinter die Kulissen! Sehr ausführlich beschrieben, wie arbeitsintensiv eine "Choreo" ist.Lässt man die leider auch vorkommenden -nicht zu entschuldigenden- verbalen und sonstigen Attacken außen vor, ist es das, was BASKETBALL-GIESSEN ausmacht! Leidgeprüft seit langer Zeit
verbinden sich doch immer wieder Tradition und Leidenschaft gepaart mit Enthusiasmus zu einer herzergreifenden Symbiose!
Was wäre GIESSEN ohne seine 46ers?
Was wäre die Basketball-Bundesliga ohne GIESSEN?
Was wären WIR ohne die 46ers?
Bitte auch das 50.Jahr Erstligazugehörigkeit noch feiern zu können, auch wenn die Söldnermentalität in Spielerkreisen des öfteren für Verdruss sorgen kann, die Erfolge doch zu oft versagt bleiben und es für unsere
"Kleinstadt" nur schwer zu stemmen ist, ein Bundesligastandort zu sein.
Gaby Bindernagel
6
Gaby Bindernagel aus Gießen schrieb am 18.05.2010 um 13:55 Uhr
sehr guter bericht! da hatte ich ja glück, das ich ihn hier gelesen habe, denn die zeitung bekommen wir schon länger nicht mehr!!! das finde ich echt schade...es wäre schön, wenn Sie das weitergeben könnten.
vielen dank
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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Herzlichst, Ihr(e) Bjoern Gerdes

von:  Bjoern Gerdes

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Interessensgebiet: Gießen
Bjoern Gerdes
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