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Buchtipp: Hanns-Josef Ortheil "Die Erfindung des Lebens"

Erschienen im Luchterhand Literaturverlag, 22,95 Euro.
Erschienen im Luchterhand Literaturverlag, 22,95 Euro.
Gießen | Bislang hat sich Hanns-Josef Ortheil häufig in seinen Büchern mit dem Thema „Liebe“ beschäftigt. Und zwar ganz wunderbar. In seinem neuen, autobiografisch gefärbten Roman „Die Erfindung des Lebens“ geht es zunächst um das Gegenteil: Hass, Zerstörung, Krieg: Ein Kind wächst in einem Elternhaus auf, das durch den Krieg vier Söhne verloren hat. Dieses Familienleid lässt den noch verbliebene Sohn und seine Mutter verstummen, sie kommuniziert über Zettel, die sie den Tag über verfasst und dem Vater abends zum Lesen gibt. Die zutiefst traumatisierte Frau packt ihren Jungen in eine Art Vakuum, aus der ihn erst der Sprachunterricht des Vaters und das Klavierspiel „retten“ können. Doch wie nahezu jede Veränderung bringt natürlich auch ein solcher Weg Schmerzen, Ängste und Probleme mit sich. Doch schließlich kann er sich auch räumlich befreien und landet in Rom, wo vielleicht die schönste Zeit seines Lebens beginnt. Er feiert Erfolge als Pianist und – natürlich darf das nicht fehlen – verliebt sich. Doch auch Rom ist nur eine Etappe n seinem Leben. Er kehrt nach Deutschland zurück, trifft auf einen ehemaligen Lehrer und der macht ihm einen Vorschlag mit sensationellen Folgen: Er solle es doch mal mit dem Schreiben versuchen und stößt damit ein Tor in eine weitere neue Welt auf.

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„Die Toten waren für mich nicht „tot“ ..., sie wurden zu meinen Wegbegleitern.“ lässt der Autor Hanns-Josef Ortheil seinen Protagonisten sagen und das fasst das ganze Elend dieses Jungen zusammen. Doch trotz des schwierigen Starts ins Leben und der dramatischen Umstände seiner Kindheit erfährt er eine erstaunliche Entwicklung. Dem 1951 in Köln geborenen Ortheil ist ein sehr bewegender Roman gelungen. Seine Eltern hatten tatsächlich vier Söhne verloren, die Mutter ihre Sprache. Erst der nach dem Krieg geborene Sohn konnte die Eltern wieder ein Stück weit ins Leben zurückführen. Ortheil veröffentlichte bereits mit acht Jahren erste Erzählungen in Tageszeitungen, doch zunächst stand die Musik im Vordergrund: Er war nach dem Abitur nach Rom gegangen, um dort Musik zu studieren. Eine Krankheit zwang ihn schließlich, seine Laufbahn als Pianist aufzugeben und er ging zurück nach Deutschland. In Mainz, Rom, Göttingen und Paris studierte er Musikwissenschaften, Philosophie und Germanistik. 1976 folgte die Promotion. Es folgten zahlreiche Stationen, unter anderem an der Washington-University in St. Louis/Missouri oder erneut in Rom als als Villa Massimo-Stipendiat.
Für sein umfangreiches schriftstellerisches Werk erhielt er bereits zahlreiche Preise, darunter den Thomas-Mann-Preis und den Brandenburgischen Literaturpreis.

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von:  Simone Linne

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