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Learning by doing – Matthias Völkner aus Langgöns hilft „Gustav“-Opfern auf Haiti

Matthias Völkner und Dr. Thomas Schweyer (aus München) kurz vor dem Abflug nach Haiti.
Matthias Völkner und Dr. Thomas Schweyer (aus München) kurz vor dem Abflug nach Haiti.
Gießen | Matthias Völkner ist gerade mal 23 Jahre alt und geht nun schon zum zweiten Mal in ein Katastrophengebiet. Der Medizin-Student aus Langgöns hilft als gelernter Rettungsassistent den Opfern des Wirbelsturms „Gustav“ auf Haiti und dient in seiner Heimat als Vorbild für viele.

Bäume wurden entwurzelt, Plantagen und Felder überschwemmt und die Hungersnot verschärft sich: Der Wirbelsturm „Gustav" hat in der Karibik ungefähr siebzig Menschen das Leben gekostet. Auf Haiti starben nach Angaben von offizieller Seite bisher 59 Menschen.
Mit extremen Windgeschwindigkeiten hinterließ der Sturm große Verwüstungen, unter anderem in den Regionen rund um Jacmel. Nach aktuellen Informationen steht die Gegend an der Südküste von Haiti nach erneuten Stürmen und Regenfällen unter Wasser und ist von der nahegelegenen Hauptstadt momentan durch Straßenschäden abgeschnitten.

Bereits Samstagmittag sollte Matthias Völkner von Frankfurt aus in die Karibik aufbrechen. Doch nachdem der Flug zunächst verschoben wurde, kam am Abend schließlich der endgültige Ausfall. Erst am Sonntag klappte es schließlich mit der Reise nach Haiti.
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Mittwoch kam er zusammen mit einem Team der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Jacmel an und gemeinsam macht man sich nun ein Bild der Lage. „Ich sehe viel Zerstörung durch die Flut. Viele zerstörte Häuser und entwurzelte Bäume durch den Sturm. Durch erneute schwere Regenfälle stand die Stadt heute Nacht bis zu einem Meter unter Wasser“, schildert er der Gießener Zeitung am Ankunftstag per E-Mail.
Über die Internetverbindung der UN, erklärt Matthias, habe er die Möglichkeit bei gutem Wetter nach Hause zu schreiben.
„Wir werden jetzt erstmal die Gegend erkunden und dann entscheiden, wo wir arbeiten werden und wo die Not am größten ist, (…) denn Hilfe will koordiniert sein und wir können nicht einfach irgendwo anfangen“, erklärt er.
Der gelernte Rettungsassistent aus Langgöns war bereits vor zwei Jahren in Darfur im Sudan im Krisengebiet, dabei war er dort gerade mal 21 Jahre alt und eigentlich ist er auch nur um die langen Wartezeiten auf einen Studienplatz zu überbrücken, Rettungsassistent geworden. Sein Traum war es immer Medizin zu studieren. Matthias ist durch das Losverfahren der ZVS nun doch an einen Studienplatz in Göttingen gekommen und studiert heute bereits im dritten Semester. „Ich mach eher learning by doing“, sagte Matthias in einem Interview mit CrossChannel.de, dem jungen Webradio des ERF in Wetzlar im letzten Jahr.
Im Gepäck hat das Team ein Katastrophen-Kit, mit dem bis zu 3000 Menschen erstversorgt werden können.
Im Gepäck hat das Team ein Katastrophen-Kit, mit dem bis zu 3000 Menschen erstversorgt werden können.
Sein Vater, Hartmut Völkner, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde in Langgöns, erzählt, dass sein zweitgeborenes Kind schon immer ein mutiger Mensch sei und sich auch schon lange sozial engagiere. Als Matthias jedoch sagte, er ginge in den Sudan, in eine Region, wo Krieg herrscht, fiel es ihm unglaublich schwer, ihn gehen zu lassen. Das sein Sohn jetzt in ein Katastrophengebiet nach Haiti reist, fiel ihm an sich leichter. Er habe nur jetzt Angst vor neuen Stürmen, die bereits vorhergesagt sind. Matthias Familie ist sehr stolz, denn leider ist es heute zur Seltenheit geworden, dass ein so junger Mensch eine solche freiwillige Leistung vollbringt.
Dass man als Pfarrerssohn in einem Dorf immer eine gewisse Vorbildfunktion hat, daran hat Matthias sich gewöhnt. Er habe schon immer „so eine besondere Stellung“ gehabt. „Jeder guckte auf einen. Was macht man? Welchen Weg nimmt man? Es hatte sowohl Vorteile, als auch Nachteile. Hätte ich, wie meine Kumpels am Wochenende gefeiert und die ganze Nacht Party gemacht, dann würden alle gucken und sich fragen, ob denn ein Pfarrerssohn so etwas tun dürfe.“ Deswegen, so sagt er in dem Interview mit CrossChannel.de, habe er nach dem Abitur „erstmal rausgemusst“. Er habe damals Zeit gehabt und wollte immer schon ins Ausland gehen. Und nachdem er Kontakt zu humedica aufgenommen hatte, dauerte es nicht lange und er flog nach Darfur.
Matthias hat sich aber auch schon sehr lange in seiner Kirchengemeinde engagiert. So mag er die Kirchenmusik sehr, ist selber auch Dirigent und Organist. Und findet, wann immer er einen Ausgleich sucht, diesen am Klavier.
Auf die Frage, wann er nach Langgöns zurückkommt, antwortet er bloß: „Es wird sich zeigen, wie groß das Ausmaß hier ist – bis jetzt ist alles noch offen.“ Er hofft jedoch, dass er bis zu seinem 24. Geburtstag am 29. September wieder in der Heimat ist.

Auf www.humedica.org findet man für die Zeit des Aufenthalts auf Haiti ein Tagebuch, mit aktuellen Bildern und Erzählungen zu den Fortschritten. Dort finden Sie auch eine Möglichkeit zu spenden.

Matthias Völkner und Dr. Thomas Schweyer (aus München) kurz vor dem Abflug nach Haiti.
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