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Harmlose "K.I.Z."-Typen rappen schamlos-ordinäre Texte

Das Publikum flippt aus.
Das Publikum flippt aus.
Gießen | „Diese Welt ist voll mit Verrückten, ihr dachtet, dass es keine Helden mehr gibt, K.I.Z. tragen Richterperücken, wir fahren durch deinen Block und üben Selbstjustiz“. Als Opfer und Gedemütigte, als scharfe Beobachter und Betroffene, als Kläger und Richter der deutschen Gegenwartskultur rappt sich das Berliner Hip-Hop-Quartett „K.I.Z.“ derzeit durch das Land. Am Dienstagsabend haben Maxim, Nico, Tarek und DJ Craft auf ihrer Tour mit dem Namen „Sexismus gegen Rechts“ und ihrem gleichnamigen aktuellen Album im Gepäck in der Gießener Hessehalle 4 Station gemacht. Gemäß ihres Eröffnungssongs „Selbstjustiz“ traten die vier jungen Burschen zunächst in schwarzen Richter-Kutten an Gerichtssaal-Pulte und ließen ihrem Frust gegen all die absurden Missetaten und Schlampereien in allen sozialen Schichten und Berufsständen freien Lauf.
In der fast ausverkauften Halle streckten rund 1250 junge Fans ihren Idolen aus der Hauptstadt im Takt die Arme entgegen. Und das sollte sich in dem gut zweistündigen Konzert nicht ändern. Vielmehr sang das äußerst textsichere Publikum zudem noch lautstark mit, folgte dem Titel „Lass die Sau
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raus“ aufs Wort oder ließ beim Lied „Klopapier“ entsprechende Rollen fliegen. Spaß, Euphorie und gar Remmi-Demmi waren an diesem Abend angesagt. Unter diesen Attitüden agierten auch die Hip-Hopper, die gar nicht so aggressiv, blutrünstig oder derb auftraten, wie sie sich gerne auf Werbeplakaten zur Schau stellen. Deshalb kommt die Gruppe auch gar nicht anders herüber als wie die aus eigenen Erfahrungen beschriebenen „halbstarken“ Teenager. Nun gut, die vier Berliner sind mittlerweile ein klein wenig älter, sprechen aber in der Sprache und dem Slang einer Jugend, die von sozialen Missständen gebeutelt ist. „K.I.Z.“ wollen provozieren. Auf der Bühne versuchen sie dies mit ihren oft sarkastischen, humorvollen, aber auch sexistischen und ordinären Texten; optisch nimmt man die vier Typen eher als völlig harmlos wahr. Unter dem Motto „Sexismus gegen Rechts“ – was symbolisch mit einem ein Hakenkreuz zerschlagenden phallusartigen „Notenständer“ dargestellt wird – bedient sich die Gruppe den Klischees der Rap-Szene und verhöhnt sie zugleich. Auf der einen Seite spielen sie sich großkotzig, potent und erfolgreich auf – Geldkanonen werden gezündet („Geld essen“) und der Schampus spritzt („Halbstark“) – andererseits werden immer wieder der Geschlechtsverkehr, die Mutter als Hure, Fäkalien, Gewalt sowie politische „Gegner“ (Jörg Haider in „Straight outta Kärnten“) in Szene gesetzt. Neben fast allen Songs der neuen Platte durften sich die Fans auch auf Nummern der Vorgängeralben „Hahnenkampf“ und „Das Rap Deutschland Kettensägen Massaker“ freuen. Aber egal wie das Quartett die Initialen ihres Namens auch deutet – ob „Klosterschüler im Zölibat“ (Song „Selbstjustiz“), „Künstler in Zwangsjacken“ (Song „Einritt“) oder die früher verwendeten Deutungen wie „Kannibalen in Zivil“ oder „Kriegsverbrecher in Zwangsjacken“ – den jungen Hip-Hoppern scheint es um Aufsehen erregenden Spaß mit allen Mitteln zu gehen.
Aufgrund der großen Resonanz hatte der Gießener Musik- und Kunstverein (MuK) als örtlicher Veranstalter das Konzert von seinem eigenen Domizil in die Hessenhalle verlegt.

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