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Nachtgedanken & Gräten

Gießen | Das Schreiben ist kein einträgliches Geschäft. Und wäre ich ein Zahlen-Mensch, dann würde ich mich fragen:
Wie viele Hausbesuche könnte ich in dieser Zeit absolvieren und dabei auch noch Geld verdienen?
Oder ich könnte mich in dieser Zeit auf irgendeiner Party herumtreiben. Aber das gesellschaftliche Parkett langweilt mich. Und allein schon der Gedanke eingeladen zu werden, treibt mir den Schweiß in den Nacken.
Und so weiss mit der Zeit selbst die hartnäckigste Betriebsnudel, dass ich nur deswegen ein Einzelgänger bin, weil ich in meinem Beruf engagiert bin. Damit kann jeder leben und ich habe meine Ruhe. Seitdem muss ich auch nicht auf irgendwelche Notfälle verweisen, um mich davonzustehlen. Und gleichzeitig fühle ich wie sich ein dankbarer Zug von Entspannung über mein Gesicht legt.
So muss ich also keine Gesellschaften ertragen, weil ich die allgemeine Geselligkeit ohnehin nicht pflege.
Und gleichzeitig entscheide ich mich jeden Abend erneut gegen diese allgemeine Verbindlichkeit, von der ich lebe, um so meine Art von Leere mit Leben zu füllen. Denn diese Art von Bürgerlichkeit, aus der auch ich stamme, kommt mir oft genug vor wie ein Sumpf, der Blasen wirft.
Wenn ich aber auch in meinem beruflichen Alltag alle möglichen Fragen beantworten muß und unzählige wissenschaftliche Fragen schon längst beantwortet worden sind, so bleibt doch mein eigener Lebensentwurf davon meistens unberührt.
Deswegen schlage ich mich jeden Abend mit meinen Worten herum. Aber dabei habe ich keine Lust mich nur an die Chronologie des Alltages zu halten. Das langweilt mich. Ich lege mich doch nicht selber an die Leine.
Und auf ein Happy-End warte ich schon lange nicht mehr, seitdem Du da bist.
Aber in einem Punkt gibt es keinen Zweifel. Ich bin süchtig. Süchtig nach Worten. Und so zerlege ich meine Erinnerungen wie einen Fisch, um nicht an seinen Gräten zu ersticken.

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Kommentare zum Beitrag

Annick Sommer
4.022
Annick Sommer aus Linden schrieb am 22.11.2009 um 22:21 Uhr
:-) einfach genial! :-)
Dr. Mathias Knoll
7.529
Dr. Mathias Knoll aus Gießen schrieb am 23.11.2009 um 06:02 Uhr
...na, na...
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von:  Dr. Mathias Knoll

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Dr. Mathias Knoll
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