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"Luther war ein Meister des Erzählens"

Prof. Robert Kolb in der FTH
Prof. Robert Kolb in der FTH
Gießen | Der Reformator Martin Luther (1483-1546) schaffte es mit seinen erzählenden Predigten, die Herzen der Menschen zu erreichen. Dieser Aspekt seiner Wirkung sei in der Lutherforschung lange vernachlässigt worden, stellte Prof. Dr. Robert Kolb (St. Louis, USA) am Donnerstag im Rahmen einer außerordentlichen Luthervorlesung an der Freien Theologischen Hochschule Gießen fest. Kolb ist einer bekanntesten Lutherforscher in den USA und hält weltweit Vorträge über Luthers Leben und Theologie.

Luther sei ein Meister des Erzählens und zudem ein ausgezeichneter Sprachkünstler gewesen, so Kolb. Er wollte Bibeltexte für den Alltag der Menschen greifbar und relevant machen. Durch „gut gewählte rhetorische Mittel“ habe Luther immer wieder gebräuchliche Redeweisen seiner Zeit aufgegriffen und in die biblische Botschaft eingepasst. Oft habe der Reformator auch Erfahrungen aus seinem eigenen Leben in seine Ansprachen eingeflochten, um den Bezug zum „echten Leben“ herzustellen. Luther habe seine Zuhörer mit auf eine Reise in die Welt der Bibel genommen, indem er die biblischen Geschichten mit pointierten Ausschmückungen erzählt habe, so zum Beispiel die Lazarus-Geschichte in Johannes 11: Als Lazarus gestorben war, „ergrimmte Jesus“. Luther legt für seine Zuhörer Jesus in den Mund: „Ach, Tod, dass dich der Teufel hole!“ Er habe es dadurch geschafft, den Willen Gottes konkret und greifbar zu machen: Absage an die Sünde, ein Leben in Gehorsam, Nächstenliebe und die frohe Botschaft des Evangeliums, dass Jesus Christus den Menschen durch Gnade erlöst.

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Kommentare zum Beitrag

Hermann Menger
1.107
Hermann Menger aus Gießen schrieb am 12.11.2009 um 18:53 Uhr
Schöner Artikel! Hätte mich auch interessiert! War der Vortrag öffentlich oder nur als Vorlesung in der FTH zugänglich?
Nicolai Franz
51
Nicolai Franz aus Gießen schrieb am 12.11.2009 um 19:11 Uhr
Dankeschön! Der Vortrag fand im Rahmen einer Luthervorlesung statt (sozusagen als "special guest"). Interessierte sind da natürlich willkommen, zumindest schätze ich die FTH da so ein. Nächstes Mal kann es ja vielleicht einen Vorbericht geben und die GZ-Community sitzt geschlossen im Hörsaal? ;)
Hermann Menger
1.107
Hermann Menger aus Gießen schrieb am 12.11.2009 um 19:37 Uhr
Das wär´doch mal was!
Simone Linne
4.024
Simone Linne aus Gießen schrieb am 12.11.2009 um 19:58 Uhr
ja, sehr gute idee mit! denn es hätte sicher den ein oder anderen interessiert!
8
Paul Rohde aus Gießen schrieb am 20.11.2009 um 12:04 Uhr
Luther - ein Meister des Erzählens? Richtig. Auch Hitler war ein Meister der Rede, des Wortes, des Verführens - der Rhetorik.
Wie war es sonst möglich, dass nicht nur Hitler sondern Hunderttausende den Vernichtungskampf gegen die jüdische Bevölkerung aufnahmen?
Wie aber wurde Hitler Antisemit, nachdem er bis etwa 1920 nie etwas gegen Juden vorgebracht hatte?
Warum hat Hitler Martin Luther verehrt und als das größte deutsche Genie bewundert?
Ist es falsch, dass die ursächliche Schuld am Jahrhunderte andauernden Judenhass in den Hetzschriften Martin Luthers zu suchen ist?
Was trieb die zahllosen Pastoren dazu, ihrerseits gegen die Juden zu hetzen?
Wie schafft es die Kirche, diesen größten Antisemiten seiner Zeit noch heute zu feiern, anstatt sich von ihm zu distanzieren?
Solche Fragen sollten beantwortet werden. Vor allem von einem Lutherforscher. Der breiten Masse scheint Luthers antisemitische Haltung immer noch unbekannt zu sein. Im Religions- oder Konfirmanden-Unterricht habe ich nie etwas davon gehört.
Nicolai Franz
51
Nicolai Franz aus Gießen schrieb am 20.11.2009 um 12:12 Uhr
Danke für Ihren Kommentar, auch wenn ich ihn nur ansatzweise teilen kann. Luther hat durchaus bedenkliche Aussagen gegen Anhänger jüdischen Glaubens gemacht, da stimme ich Ihnen zu. Luther war dennoch kein Antisemit, sondern ein Anti-Judaist. Er konnte nicht verstehen, dass Juden nicht Jesus Christus als ihren Retter annehmen konnten, von Schlagwörtern wie "Herrenrasse" oder die Herabwürdigung von Semiten im Allgemeinen ist bei ihm nicht die Rede. Zudem bewerten wir Luthers Aussagen 500 Jahre danach mit einer völlig anderen "Brille" und anhand ganz anderer Erfahrungen als er.

In diesem Sinne wurde Luther leider instrumentalisiert und missbraucht. Zweifelsohne haben aber gerade die Lutheraner im dritten Reich eine oft unglückliche Rolle gespielt, was man auch deutlich kritisieren muss. Ja, darüber muss man reden und es offen ansprechen. Luther mit Hitler zu vergleichen, geht mir aber eindeutig zu weit.
8
Paul Rohde aus Gießen schrieb am 20.11.2009 um 12:42 Uhr
Lieber Nicolai, Sie bekennen sich als "Gläubiger Christ"; das sollte nicht so weit führen, dass sie alles glauben, was Kirchenfunktionäre sagen. Ich habe der Kirche viele Jahre sehr nahe gestanden und dabei erschreckende Erfahrungen gesammelt.
Zur Sache:
Eine Ausstellung in Halle zeigt jetzt archäologische Funde aus Martin Luthers Elternhaus, dem Bürgerhaus eines Bergwerksunternehmers – nicht eines Bergmannes, wie Luther log. Vieles zeugt vom üppigen, ausschweifenden Lebensstil der begüterten Familie. Innerhalb der evangelischen Kirche wird 1933 dokumentiert, wie Luthers antijüdische Schriften Jahrhunderte lang den Boden für den damaligen "Antisemitismus" bereiten.
Luther gilt als großer Held und wird ungebrochen als nationale Symbolfigur genutzt. Seine Ideologien sind allerdings derart menschenverachtend, dass er ohne Skrupel als Vordenker der Nazis bezeichnet wird, die sich immer wieder positiv auf den Reformator bezogen: In abstoßenden Formulierungen phantasierte er über das feurige Ende aller Juden, vom Ersäufen behinderter Menschen in der Gosse und rechtfertigte das Morden an den aufständischen Bauern. Luther steht für Sexismus, Sozialrassismus, Antisemitismus und Obrigkeitshörigkeit - ungeachtet dessen feiern die evangelische Kirche und auch insgesamt die patriotischen Teile Deutschlands Luther unkritisch als wichtigen Gesellschaftsgestalter.
"Am 10. November 1938, an Luthers Geburtstag, brennen in Deutschland die Synagogen. Vom deutschen Volk wird ... die Macht der Juden auf wirtschaftlichem Gebiet im neuen Deutschland endgültig gebrochen und damit der gottgesegnete Kampf des Führers zu völligen Befreiung unseres Volkes gekrönt. In dieser Stunde muss die Stimme des Mannes gehört werden, der als der Deutschen Prophet im 16. Jahrhundert einst als Freund der Juden begann, der getrieben von seinem Gewissen, getrieben von den Erfahrungen und der Wirklichkeit, der größte Antisemit seiner Zeit geworden ist, der Warner seines Volkes wider die Juden." (Der evangelisch-lutherische Landesbischof Martin Sasse aus Eisenach im Vorwort zu seiner Schrift "Martin Luther und die Juden - Weg mit ihnen!", Freiburg 1938)
»...Ausgangspunkt des lutherischen Antisemitismus ist die grundlegende Schrift Martin Luthers Von den Juden und ihren Lügen (1543). Die Judenverfolgung ist eines der wichtigsten Anliegen von Martin Luther in seinen letzten Lebensjahren. Sie ist auch das Thema seiner letzten Kanzelabkündigung am 15.2.1546 in Eisleben, drei Tage vor seinem Tod, wo er z. B. fordert: "Darum sollt ihr Herren sie nicht leiden, sondern wegtreiben." Und auch in seinem letzten Brief, den er von Eisleben aus an seine Frau schreibt, heißt es: "Wenn die Hauptsachen geschlichtet sind (die Streitigkeiten unter den Grafen von Mansfeld), so muss ich mich daran legen, die Juden zu vertreiben. Graf Albrecht ist ihnen feind und hat sie schon preisgegeben, aber niemand tut ihnen noch etwas" (zit. nach Landesbischof Martin Sasse, Martin Luther über die Juden: Weg mit ihnen!, a.a.O., S. 14)...« Quelle: www.theologe.de.
Werter Mac-Kollege, ich habe ein Jahr versucht, unseren Superintendenten zu einer offenen Diskussion zu bewegen. Er hatte dafür keine Zeit. Das Hauptproblem sind nicht Luthers Worte sondern die Tatsache, dass bis heute versucht wird, das Gesagte und Geschriebene zu bagatellisieren. Erst durch das Internet kann sich jeder ausführlich informieren.
Hermann Menger
1.107
Hermann Menger aus Gießen schrieb am 20.11.2009 um 18:21 Uhr
Ist ja sehr interessant, was hier noch alles zu Tage gefördert wird. Dass Luther auch Dinge gesagt hat, die man sehr kritisch sehen muss, habe ich schon gehört, aber dass er so stark gegen die Juden eingestellt war, ist mir bis jetzt nicht so bewusst gewesen.
6
David Pölka aus Gießen schrieb am 02.12.2009 um 15:39 Uhr
@Paul Rhode
Ganz so kann ich das leider nicht stehen lassen. Auch wenn das jetzt nicht mein Spezialgebiet ist, glaube ich nicht, dass ihre Darstellung, Luther als Vorreiter der Nazis zu bezeichnen, differenziert genug ist. Deswegen möchte ich das ein oder andere anmerken.
Vielleicht ist Ihnen bekannt, dass ein wichtiger Grundsatz der Geschichtsforschung lautet: "Jede historische Figur ist zunächst aus ihrer Zeit heraus zu verstehen!" Lassen Sie mich die Frage stellen: Tun Sie das?
Zunächst war der Umgangston Luthers deutlich rauer und deftiger als der Umgangston heutiger Gelehrter! Das sieht man z.B. daran, dass er über Ähnlichgesinnte, auch hochgeschätzte Mitreformer, in ähnlichem Ton herzuziehen wagte wie über die Juden. Das ist im Bezug auf seine Aussagen zumindest zu bedenken!
Luther wusste nichts von der späteren Entwicklung hin zum Holocaust und hätte sie wohl keinesfalls befürwortet. Sicher ist das zunächst einmal eine These. Doch soweit mir bekannt finden sich in Luthers früheren Schriften Hinweise, dass Luther im Bezug auf die Juden zunächst hoffnungsvoll schrieb. Es hört sich an, als sei Luther einigermaßen gelassen, dass sie sich schon noch von seiner Lehre überzeugen lassen würden. Seine späteren heftigen Aussagen gegen die Juden scheinen eher ein Ausdruck seiner Enttäuschung darüber zu sein, dass sie es doch nicht taten.
Eins ist jedoch sicher: Auch Luther war ein Mensch mit Fehlern. Luther hat uns viele wertvolle Errungeschaften hinterlassen. Neben der Rückbesinnung der Kirche auf ihre Grundlagen und die Gnade Gottes steht da z.B. die Formung einer einheitlichen deutschen Sprache durch die Übersetzung der Bibel. Allein dadurch steht unstreitbar fest: Luther war eine große historische Figur, der wir viel zu verdanken haben. Das entschuldigt ihn natürlich nicht dafür, dass er antisemitische Aussagen gemacht hat. Das räume ich eindeutig ein und ich kann diese Aussagen nicht unterstützten! Dennoch ist es meiner Meinung nach zu platt, ihm einfach "Sexismus, Sozialrassismus, Antisemitismus und Obrigkeitshörigkeit" vorzuwerfen. Ich denke, zuerst einmal sollte man seine Zeit und seine Biographie besser zu verstehen versuchen. Mit Sicherheit war ihm nicht bewusst, dass die Nazis seine Aussagen eines Tages für ihre Aussagen missbrauchen würden!
Kurz: Ich plädiere für eine differenziertere Sichtweise, die unsere heutige Kenntnis nicht so einfach auf die Situation Luthers projiziert!

PS: So groß die Errungenschaften durch das Internet auch sind - es sollte auch gemeinhin bekannt sein, dass im Internet jeder das sagen darf, was er will; es sich dabei also längst nicht um gesicherte historische Erkenntnis handeln muss. Als wissenschaftliche Arbeitsgrundlage ist das Internet deswegen in jedem Fall nur mit Vorsicht zu Rate zu ziehen!
8
Paul Rohde aus Gießen schrieb am 03.12.2009 um 10:17 Uhr
Lieber David Pölka,
natürlich sind Sie als Theologe vorbelastet und glauben der Bibel mehr als dem Internet. Das ist Ihr gutes Recht. Doch es gibt zu viele Belege über Luthers Gesinnung. Siehe u.a. www.neo-lutheraner.de/juden.html. Auch bei kritischer Betrachtung und unter Beachtung der damaligen rauen Ausdrucksweise können Luthers wiederholte Äußerungen nicht beschönigt werden. Außerdem stehen Luthers Leistungen nicht zur Debatte. Sondern sein abgrundtiefer Hass auf Juden und der offenbar auch daraus resultierende Antisemitismus.
Nicolai Franz
51
Nicolai Franz aus Gießen schrieb am 03.12.2009 um 11:21 Uhr
Ich empfehle, die Debatte nicht in einer Kommentarfunktion zu führen, das ist hier fehl am Platze. Benutzen Sie bitte entweder die PN-Funktion (auch gerne an mich) oder andere Foren, das wäre viel praktischer. Diese Diskussion hat mit dem Artikel nur wenig zu tun. Danke für Ihr Verständnis!
Hallo Lieber Leser
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