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Nachtgedanken & Post-Bank

Gießen | Da es leider schon ziemlich spät ist, ziehe ich mein Philo-sofa aus zum Chaiselongue. Auch ich habe gelegentlich das Recht mich auszuruhen. Und während ich mich gemütlich bette und mich von den Fernsehbildern einlullen lasse, springen meine Gedanken hin und her wie eine aufgeregte Flipperkugel. Zugegeben, meine Geistesblitze haben nur eine geringe elektrische Entladung, obwohl ich mir gleichzeitig überlege, ob ich nicht über das Thema : Vereint marschieren-getrennt (ge)schlagen schreiben sollte. Denn schließlich: Wer ist noch nicht geschieden? So könnte ich vielleicht sogar Graf von Moltke mit seinem Ausspruch:
Getrennt marschieren- vereint schlagen!
irritieren. Zugegeben, noch erklärt diese diffuse Sympathie zu dem Thema nicht die Entsolidarisierung der Gesellschaft. Aber immerhin, die Gesellschaft beginnt mit Mann und Frau, wenn man nicht bei Adam und Eva anfangen will. Und die beiden hatten ja nun wirklich einen gestörten Sohn. Ich sage nur Präkariat oder besser gleich in die Psychatrie?
Na ja, ich sage ja, meine Gedanken liegen in den letzten Zuckungen, bevor mich hoffentlich der Hypnos eines Besseren belehrt. Aber dann plötzlich werde ich kurz vor den Abendnachrichten von der Post-Bank-Werbung geweckt. Und mich strahlt ein Paar an, ein Mann und eine Frau. Offenbar freuen sie sich über den günstigen Zinssatz der Postbank. Und der Mann sagt:
„Am Ende zähl ich…!“
Und dann folgt eine kurze Pause und die Frau lächelt:
„… und ich…!“
Also unter Solidarität stelle ich mir etwas Anderes vor, denke ich, während ich einschlafe. Aber tief in der Nacht flüstert mir der Hypnos ins Ohr: Wer eine Scheidung nicht bezahlen kann, sollte nicht heiraten ...

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