Bürgerreporter berichten aus: Gießen | Überall | Ort wählen...

"Als hätte eine Bombe eingeschlagen": Baumfällungen erhitzen in Gießen noch immer die Gemüter

Gefällter Baum im Philosophenwald
Gefällter Baum im Philosophenwald
Gießen | Ingrid Bonk wird wütend, wenn sie die große Planierraupe sieht, die im Philosophenwald ihre Arbeit verrichtet. Bonk ist am Wald aufgewachsen:"Der Wald ist tot, hat kein Feeling mehr. Im Moment sieht es aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen!" macht sie ihrem Ärger Luft. In ihrem kleinen Kaffeekiosk in unmittelbarer Nähe des Wäldchens sind die Veränderungen noch immer ein Thema unter den Anwohnern. Auf ihrem Ladentresen hat sie die Flugblätter der Bügerinitiative Agenda Philosophenwald ausgelegt. Sie berichtet von Geländemotorrädern und Quads, die bereits in den vergangenen Tagen die neu ausgebauten Straßen genutzt hätten, und vermutet, dass die Maßnahmen einem bestimmten Zweck dienen: "Dass das Ganze eindeutig was mit der Landesgartenschau zu tun hat, wusste ich, seit ich das erste mal das Wort 'Besucherlenkungskonzept' gelesen habe." Manche ihrer Kunden sehen die Angelegenheit gelassener: "Erst mal abwarten, wie es wird, wenn es fertig ist!" schlürft Helmut Herr an seinem Kaffee. "Außerdem: Was schadet es denn, wenn es Veränderungen gibt, die auch über die Landesgartenschau hinaus nützlich sind?"
Bürgermeisterin
Mehr über...
Philosophenwald (3)Gartenbauamt (1)Bäume (188)Baumpflanzungen (1)Baumfällungen (7)Baumfällarbeiten (6)Baumbestand (1)
Gerda Weigel-Greilich (Grüne) hatte diesbezüglich am Donnerstag zu einer Pressekonferenz ins Rathaus geladen, um aktuelle Zahlen und Fakten zum Baumbestand in Gießen zu präsentieren. Mit am Tisch saßen auch Hinrich Lüttmann und der stellvertretende Leiter des Gartenbauamtes, Richard Schnecking. "Jede Baumfällung ist begründet und wird dokumentiert", erklärten die Fachleute. Das Gartenbauamt führt ein Baumkataster, in dem alle Bäume auf öffentlichen Geländen (ohne Wälder) erfasst werden. Von den rund 25.000 Bäumen, die laut Gartenbauamt auf öffentlichem Grund in der Stadt stehen, sind bisher 13.000 im System erfasst. Diese Bäume werden in regelmäßigen Intervallen von einem Baumkontrolleur untersucht.

Auf die Informationspolitik in Sachen Philosophenwald angesprochen, gesteht die Bürgermeisterin ein: "Das hätten wir besser machen können", fügt aber entschlossen hinzu:
"In der Argumentation fühle ich mich mittlerweile vollkommen sicher: Ich weiß von jedem Ast im Philosophenwald, warum er weg ist! "
Hinrich Lüttmann erklärt die Hintergründe: "Insbesondere bei Pappeln und Buchen besteht die Gefahr, dass die Bäume bei Erkrankungen oder Beschädigungen unvorhersehbar Äste abwerfen." Er erinnert in diesem Zusammenhang an einen
Gefällte Bäume am Philosophenwald warten auf den Abtransport
Gefällte Bäume am Philosophenwald warten auf den Abtransport
Fall aus Wiesbaden, bei dem durch einen plötzlich herabfallenden Ast einer Pappel ein Mann erschlagen wurde oder den plötzlichen Abbruch bei einer Kastanie in der Katharinengasse im April 2007. Bei den gefällten Buchen im Philosophenwald hatten die Fachleute den Befall mit dem Pilz schwarzer Buchkohlenbeere festgestellt. Tatsächlich bleibt bei dieser Baumkrankheit der Stamm augenscheinlich in Ordnung, da der Pilz hauptsächlich die Krone und oberen Äste befällt. Den Vorwurf der Agenda Philosophenwald, insbesondere die Buchen seien aus Profitinteresse abgeholzt worden, weisen die Verantwortlichen klar zurück. Richtig sei aber, das einige Teile der Buchenstämme noch verwertbar seien und teilweise bereits abtransportiert wurden. Dabei sei ein Erlös in der Größenordnung von 1000 Euro zu erwarten.
Das Gartenbauamt unterstreicht die deutlich positive Tendenz der Baumbillanz in Gießen: Pro Jahr würden 80 bis 100 Bäume gefällt, meist aus Gründen der Gebäudebeeinträchtigung und der Verkehrsicherheit. Demgegenüber stehen jährlich rund 150 Neupflanzungen. Bis Weihnachten werden allein in der Innenstadt 53 neue Bäume gepflanzt. Die ersten Bäume wurden bereits vor dem Neuen Schloss plaziert, der Großteil wird aber im November an ihren neuen Standorten sein.
Schnecking und Hinrich erreichen oftmals Anrufe besorgter Bürger, aber keineswegs nur, wenn Bäume gefällt werden:
"Gerade im Herbst, wenn die Bäume ihre Blätter abwerfen, bekommen wir regelmäßig Anrufe, die uns auffordern, doch mal ein Paar 'störende' Bäume 'umzumachen'. Eine Baumfällung nehmen wir aber nur vor, wenn sie fachlich begründet ist."

Gefällter Baum im Philosophenwald
Gefällter Baum im... 
Gefällte Bäume am Philosophenwald warten auf den Abtransport
Gefällte Bäume am... 
Schweres Gerät im Philosophenwald
Schweres Gerät im... 
Bäume in Gießen
Bäume in Gießen 

Dies könnte Sie zum Thema auch interessieren

So schön wars im Dezember
Frostig kalt, schneebedeckte Wiesen und Felder, herrliche Sonnenauf.-...
Frage des Tages: Würden Sie im Sommer Ihre Blumen mit Salzwasser gießen?
Im Winter streuen immernoch viele zentnerweise Salz auf Gehwege,...
Baumbesetzung gegen A100 in Berlin Kritik an Verkehrs- und Sozialpolitik / Weitere Proteste angekündigt
Aus Protest gegen die geplante Verlängerung der Stadtautobahn A100...
Fotostrecke - Bäume im Nebel
Fototechnisch gibt das Wetter derzeit nicht viel her. Bleibt einem...
Rund um den Dutenhofener See
Letzten Samstag habe ich es endlich mal wieder an den Dutenhofener...
Im Nebel
Immer wieder faszinierend, wie der Bodennebel im Morgenrot Bäume,...
Bilder gegen die graue Wetterdepression
Da sich die Sonne seit ein paar Tagen wieder mal nicht hat blicken...

Kommentare zum Beitrag

Ilse Toth
18.460
Ilse Toth aus Heuchelheim schrieb am 30.10.2009 um 15:00 Uhr
Es ist eine Kulturschande, was hier passiert.
Aber der heutige Kommentar in der Zeitung sagt alles: jede Maßnahme ist begründet. Fragt sich nur, wer das entscheidet!
Hugo Gerhardt
6.560
Hugo Gerhardt aus Gießen schrieb am 30.10.2009 um 15:06 Uhr
Laut einer Statistik soll auch rauchen total gesund sein
Unterschrift
Prof.Dr.Dr. Marlboro
-------------------------------
Hugo Gerhardt
6.560
Hugo Gerhardt aus Gießen schrieb am 30.10.2009 um 15:07 Uhr
Es kommt immer darauf an wer was in Auftrag gibt, gelle.
Sabine Glinke
5.008
Sabine Glinke aus Wettenberg schrieb am 30.10.2009 um 15:31 Uhr
Bäume, die eine Gefährdung darstellen, müssen weg. Das steht für mich außer Frage.
Ilse Toth
18.460
Ilse Toth aus Heuchelheim schrieb am 30.10.2009 um 16:37 Uhr
Autos sind auch eine Gefährdung! Also wird ab so sofort das "Pferd aus dem Stall" geholt. Ne, geht auch, das ist ja auch nicht ungefährlich!
Alex Mehl
374
Alex Mehl aus Gießen schrieb am 30.10.2009 um 16:44 Uhr
das stimmt.....aber auch Autos werden ja regelmäßig auf ihre Verkehrssicherkeit geprüft.
Sabine Glinke
5.008
Sabine Glinke aus Wettenberg schrieb am 30.10.2009 um 19:21 Uhr
Lieber Herr Mehl,
dann führen wir jetzt einen TÜV für Bäume ein?! Ich bin dafür!
Alex Mehl
374
Alex Mehl aus Gießen schrieb am 30.10.2009 um 23:59 Uhr
Liebe Frau Glinke:
Den "Baum TÜV" gibt es schon. Wie es im Bericht anklingt gibt es im Gartenbauamt sogar die Stelle eines "Baumkontrolleurs" der die Bäume auf öffentlichem Grund regelmäßig beurteilt. Diese Kontrollen müssen im Baumkataster fälschungssicher dokumentiert werden.
Denn wenn ein Schadensfall eintritt muss die Stadt dem Gericht nachweisen können, das ein Defekt nicht vorhersehbar war.
Wenn also ein Baum zB aufgrund von Pilzbefall durch den "TÜV" fällt landet er im Ofen von Herrn Martin.... :)
Sabine Glinke
5.008
Sabine Glinke aus Wettenberg schrieb am 02.11.2009 um 11:56 Uhr
Oder in meinem Kachelofen ;-)
Tim Beil
15
Tim Beil aus Gießen schrieb am 02.11.2009 um 21:35 Uhr
Ich würde es begrüssen, wenn die Informationen, Konzepte, Erkentnisse frühzeitig durch die Stadt Gießen ins Internet gestellt würden.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) Alex Mehl

von:  Alex Mehl

offline
Interessensgebiet: Gießen
Alex Mehl
374
Nachricht senden
Aktuellste Beiträge des Autors:
Sonnenschirm in Seenot - Ein humorvoller Beitrag für alle DLRGler
Lavender gibt's auch im Sommer
Auch die Schreiber der GZ lassen sich ja zum Jahresende gerne zu...

Veröffentlicht in der Gruppe

Fotofreunde Mittelhessen

Fotofreunde Mittelhessen
Mitglieder: 149
Aktuellste Beiträge der Gruppe:
Die Münchner haben`s drauf!
Die Münchner haben`s drauf!
Ein Trompe-l`oeil im elsässischen Mulhouse
Alle Hausbewohner gucken aus dem Fenster
Weiter Gruppe des Beitrags:

Weitere Beiträge aus der Region

Zwei „Neue“ im Naturschutzbeirat: Dr. Wilhelm Wagegg und Ulrike Steinweg rücken für Heinrich Engels und Frank Steinmann nach
Dr. Wilhelm Wagegg aus Lich ist vom Kreisausschuss in den...
Die beiden Stammapostel Dr. Wilhelm Leber und Jean-Luc Schneider (von links)
Der neue Stammapostel heißt Jean-Luc Schneider
Seit Pfingstsonntag, den 19. Mai 2013 hat die Neuapostolische Kirche...
Die Jugendcamps 2013 an der französischen und spanischen Küste versprechen für Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren Badespaß und Action pur.
Die Idee für die Sommerferien! - Landjugend-Freizeiten 2013
Jetzt anmelden – es sind noch Plätze frei! In diesem Jahr hat die...

Dieser Beitrag als Banner

Um diesen Beitrag als Banner auf deine eigene Homepage einzubinden, kopiere einfach folgenden Link und füge diesen Code in deiner Homepage ein.
Link:
Übrigens: unter "Meine Seite" findest du auch einen Banner zum Einbinden der letzten Beiträge, die du selbst verfasst hast.